Du brauchst NICHTS, um glücklich zu sein – außer das, was du jetzt hast

In rund 100 Jahren könnte alles vorbei sein. Heute habe ich auf der Seite von Martin Mißfeldt über den Asteroiden Bennu gelesen, der die Erde in 117 Jahren (2135) treffen und sie unbewohnbar machen könnte. Während ich mit meiner Freundin Germanys Next Topmodel sehe, trifft es mich: ich träume! Mein Leben ist ein endloser Traum. Und Asteroid Bennu weckt mich auf. Das Leben findet hier und jetzt statt. So unbedeutend diese Serie für mich ist: das hier ist das Leben!

Ich bin aber dauernd dabei, es auf morgen, in ein paar Wochen oder eben „wenn es perfekt ist“ zu verschieben. Dann wird genossen. Die Aussicht auf das Ende der Menschheit zeigt mir, wie unbedeutend mein Leben ist – das, was ich als meine Lebensgeschichte bezeichne. Meine Pläne für die Zukunft. Und wie wertvoll es gleichzeitig ist – das, was jetzt passiert; es ist alles, was wir haben. 

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

Das Leben ist schon perfekt – ich muss nur aufhören, es auf morgen zu verschieben

Ich habe Jahre in einem Keller verbracht, hinter einem Bildschirm und habe an meiner Zukunft gearbeitet. Doch woran ich wirklich gearbeitet habe, war eine Zukunft im Keller: denn Jahre später saß ich immer noch da unten, in meinem kleinen Start-up-Büro.

Nichts hatte sich verändert, nur meine Vorstellung von der glorreichen Zukunft hatte für Abwechslung gesorgt. Erst, als ich meinem Büro und den 30-Stunden-Wochenenendschichten entfloh, begann sich mein Leben langsam zu verändern.

Ich war es nicht gewohnt, zu leben ohne ein Ziel vor Augen. Das ließ mich in ein tiefes Loch fallen. Die Gegenwart – ich starrte von meiner Couch auf meinen überdimensierten Schreibtisch im Wohnzimmer – sie wirkte so leer und langweilig. Dabei hatte sich nur eins verändert: ich saß nicht mehr in meinem Keller und schmiedete große Pläne für die Zukunft.

Ich war durch Erschöpfung dazu gezwungen, mich auf diesen Augenblick einzulassen. Zu spüren, was in mir vorging. Konnte  mich nicht mehr mit MacOS von meinen Gefühlen ablenken.

 Warten und Hoffen führen zu noch mehr Warten und Hoffen  

Heute Abend merke ich, während Isi langsam neben mir einschläft, dass DAS mein Leben ist.

Morgen wird alles noch besser. Morgen werde ich… Dieser Gedanke lässt mich schlafen, weiter träumen, und den einzigen Moment den es gibt – die Gegenwart – verpassen.

 Was ich morgen haben will, muss ich mir schon jetzt geben. Sofort! 

Alles wird mehr oder weniger zur Wartezeit, wenn ich auf mein besseres Leben in der Zukunft giere. Ich warte auf den Bus. Den Urlaub. Darauf, dass ich endlich mit dem Essen fertig bin und wieder arbeiten kann. Darauf, dass ein Kunde seine Rechnung überweist.

Ich warte und warte – und warte dabei durch mein Leben, als wäre es eine schlammige Pfütze, die ich nur durchqueren muss, um dann auf einer grünen Wiese liegen und mich endlich entspannen, fallen lassen zu können.

Dabei ist die grüne Wiese schon lang da! Solange ich aber denke…

  • …ich bin noch nicht ganz angekommen,
  • …mein Leben muss erst noch richtig losgehen,
  • …ich brauche noch dies und das…
  • …wenn ich dies und das habe, werde ich glücklich sein…

…lebe ich gar nicht richtig. Ich träume vor mich hin und habe es eilig, ich verpasse alles: Menschen, Momente, Chancen, große Ideen, Lösungen, Entspannung.

Denn für mich gibt es all das wirklich Schöne erst, wenn ich es geschafft habe. Morgen. Und wieder morgen. Und morgen! Und morgen? Scheiß Morgen! Dummes nächstes Jahr! Saublöde tolle Aussichten! Verfluchte Hoffnung! Schau links, rechts, hoch, runter: das ist das Leben.

Das Leben ist zu wertvoll, um weiter zu warten

Asteroid Bennu kann alles kaputt machen, wofür wir gearbeitet und gekämpft haben. Alles, was wir kennen. Aber er kann mir nicht das einzige nehmen, was ich wirklich habe. Die Erfahrung, da zu sein. Andere Menschen zu kennen und zu lieben. Die Natur schön zu finden. Mich über ein geheiztes Wohnzimmer zu freuen. Einzuatmen, auszuatmen.

Dazu ein tolles Video (danke, Alexander Beck):

Hier noch ein schönes Bild unserer Wohnzimmer-Lampe:

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3 Kommentare
  1. Chris
    Chris sagte:

    Saugut! Was machst Du gerade? Ich z. B. sorge dafür, dass meine Kinder zu Essen bekommen, indem ich arbeite. Morgen ist Samstag. Da gehe ich mit den genährten Kindern spielen. Abends genieße ich die Zeit mit meiner Frau. Sonntag wollen wir alles für Ostern vorbereiten und dann zusammen kochen. Chaos in der Küche. Ich liebe es. Du, mein Lieber, hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder und trinken zusammen einen Kaffee oder Tee. Dabei lässt es sich wunderbar reden und genießen. Ich bin glücklich. Das wünsche ich Dir von Herzen auch.

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    • Gidon
      Gidon sagte:

      Du hast einen tollen ersten Kommentar auf diesem Blog geschrieben ❤️
      Freut mich sehr zu lesen!
      Lass uns bald mal wieder reden und gern
      treffen. Komme zur Zeit selten aus münchen raus 😉

      Antworten

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