Jeden Abend starre ich im Bett noch ein paar Minuten auf mein Smartphone-Display. Ich sehe mir Videos von Harald Lesch an. Mich interessieren am meisten die Videos, wo es darum geht, was wir noch nicht verstanden haben. Um das, was wir vielleicht nie verstehen werden. Um das, was vor dem Urknall war. Um die tatsächliche Größe und Weite des Universums. Vielleicht ziehen mich gerade diese Videos so an, weil ich tief in mir spüre, dass wir gar nichts sicher wissen können über diese Welt, in der wir leben. Wir können uns immer nur etwas annähern, was wir dann Wahrheit nennen.

Das gute alte Universum! Hat schon ein paar Milliarden Jahre auf dem Rücken. Es ist etwas, das wir gar nicht beschreiben können, weil wir Teil davon sind. Wir können nicht einen Schritt zurück machen und uns von außen betrachten. Genauso wenig das Universum. Wir stecken da drin. Die nahezu unendlichen Weiten des Universums kann man auch in uns finden. Wo Zellen unterm Mikroskop verschwinden und nur noch Nichts erkennbar ist. Und jeder kann in sich selbst die Ruhe und Stille spüren, die auch da draußen ist.

Liebe in Fakten

Einhundert Milliarden Sterne soll es in jeder Galaxie geben, und von den Galaxien gibt es noch mal Eintausend Milliarden. Verdammt noch mal. Was ist da nur passiert? Von welchem absurden, schönen Spiel sind wir da eigentlich Teil?

Für mich hat sich hier etwas verewigt. Manche sagen dazu Gott. Für mich war Gott einfach immer die Natur.

Während ich das hier schreibe, liegt neben mir mein Smartphone und spielt in der Endlosschleife The Power Of Love von Frankie Goes to Hollywood. Es passt. Inspiriert mich. Zusammen mit diesem tollen Foto von Karl Kratz. Und während ich mir das Bild von der Milchstraße ansehe – es ist natürlich nur ein Ausschnitt der Milchstraße, wahrscheinlich nur ein pickeliger Teil eines Milchstraßen-Ärmchens – während ich das also sehe, bilde ich mir ein, Frankies Lied wurde mit dem selben Pinsel gezeichnet wie diese Galaxie.

Von hier unten, auf der Erde, erkenne ich die Umzüge des Gesichts unserer Welt. Das Antlitz eines monströsen Akts einer Kraft, die wir Menschen eben nur von der Liebe kennen. Jeder Kreative weiß, es ist Liebe für das eigene Tun und die Natur, das Leben, ach, egal für was, aber es ist Liebe, die überhaupt etwas Großes, etwas Wertvolles und Schönes entstehen lässt. Und während ich mir diesen unfassbaren Schnappschuss von der Milchstraße anschaue, meine ich zu wissen: hier hat irgendwer oder irgendwas seine Liebe verewigt. Auf eine Weise, die jeder Beschreibung spottet.

Vielleicht ist dieses Universum samt uns nur aus Zufall entstanden. Aus einer besonders großen quantenmechanischen Schwankung des Nichts. Oder das Sein hat sich in Schale geworfen und wollte das werden, was es schon immer war und immer sein wird. Reines Potenzial. Egal: You name it. Unsere Geschichten vom Universum sind auch nur Teile dieses absurd-schönen Dings, der Mutter aller Dinge, des Erfinders aller Dinge, das gar nicht getrennt von dir oder mir ist.

Aus Millionen Lichtjahren Entfernung haben wir keinen Kopf mit mehr oder weniger Haaren, wir atmen nicht, wir haben keine Beine und Arme, sind wir keine Deutschen, Europäer, Menschen, Nazis oder Veganer. Aus genug Millionen Lichtjahren Entfernung sind wir der Arm einer Spiralgalaxie. Dann haben wir alle dasselbe Gesicht.

Ein wunderschönes Gesicht, in dem man alles, wirklich alles erkennen kann, was jemals sein kann. Vielleicht meint das dieses Wort heilig. Oder rein. Oder göttlich. Wir sind ein Erfolg, ein echter Erfolg, und was für einer. Wir sind Teile und Aspekte eines echten Wunders. Vielleicht des einzigen und gleichzeitig größten Wunders, das es gibt. Das es jemals geben kann. 

Und nicht nur wir. Alles, was wir kennen. Nichts ist nicht Teil dieses verrückten Abenteuers. Genauso wenig wie kein Stern und kein Stück leerer Raum in diesem perfekten Bild fehlen darf. Nichts ist hinzuzufügen, nichts ist zu viel, wie ich es sehe. Was für ein Leben und was für eine Chance, Teil von diesem Spiel zu sein. Ich danke uns. 

Foto: Karl Kratz

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