Die schönen Zeiten sind vorbei

Dieser Satz holte mich heute morgen um fünf Uhr aus meinen Träumen. Träumen von einer erfüllten Kindheit. Es gab sie nie. Es gibt Momente, an die ich mich gerne erinnere. Alles wirkt so neu, so unschuldig, so rein. Wo ist diese Reinheit geblieben? Ist sie noch da?

Wahrscheinlich ist sie verborgen unter all dem Schmutz, den Gedanken über Alltägliches, über Monströses, Unheimliches, über furchtbare Nachrichten und grauenhafte Neuigkeiten. Die Reinheit ist versteckt unter den Anschuldigungen gegenüber anderen. Allen. Meinen Urteilen über dies und jenes.

Daher kommt der Ekel vor der Welt. Und wahrscheinlich merke ich instinktiv, dass etwas fehlt. Diese Reinheit. Ich suche sie in Dingen, in Beziehungen. Sie ist verschwunden, eine matte Erinnerung, und der Vergleich macht mich traurig, schwer, lebensmüde.

Ich verleugne alles. Dieses zauberhafte Wesen neben mir, das unseren Sohn in uns trägt.

Dieses schöne Heim im Grünen. All die Freiheit, die Kreativität, die Möglichkeiten in meinem Leben.

Die schönen Zeiten waren nie, sie sind jetzt. Die Vergangenheit ist vorbei. Aber was ist noch da? Mein Leben läuft vor meinem inneren Auge ab, hin und her. Ich mache das Vergangene zu meiner Gegenwart. Und was wirklich ist, vergesse ich. Ich spüre nicht mehr die Kostbarkeit des Lebens, dieses Lebens, das ist jetzt. Ich könnte es heilig nennen. Ich nenne es heilig.

Vielleicht passiert alles gleichzeitig, und irgendwo da draußen ist jetzt der kleine Gidon, der Pferde füttert. Der alte Mann, der noch einmal eine Mistgabel in die zittrige Hand nehmen möchte. Alles wirkt so unschuldig, so rein, so bezaubernd. Das Leben ist so traurig, so schön. So richtig.

Es gibt so viel zu entdecken. Dieser kleine Junge, er ist immer noch hier. Er wird immer da sein, das verspreche ich ihm. Seine Zeit ist gekommen, immer dann, wenn ich mich an ihn erinnere. Dann füttere ich vielleicht wieder Pferde, spiele, bin gerne in der Natur. Hier als der große, der alte, der verbitterte, hasserfüllte, verdorbene. Hier als der kleine, der junge, der fragende, freche, neugierige – Liebe.

Bild von Rebecca Scholz auf Pixabay

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