Das Jahr 2020 hat mich in die düstersten Ecken meiner Gedanken und Gefühle geführt – obwohl auch viele helle Momente dabei waren. Ein Text einer alten Freundin, Eva, fasst meine Gedanken und Gefühle gut zusammen, die mir in diesen Tagen, Wochen und Monaten oft den Rücken hochkriechen. Diese Gefühle sind Weckrufe an mich selbst. Weckrufe, den Blick für das Gute zu behalten. Im Dunklen neue Stärke zu finden.

Ein bisschen Licht bringt mir auch das Zitat von Ralph Waldo Emerson: „Wenn es dunkel genug ist, kannst du die Sterne sehen.“

Jetzt aber Bühne frei für Evas Weckruf:

Wohin führt uns das alles? Kann das wirklich sein, dass sich immer alles wiederholen muss? Angst und Hass verbreiten sich unter den Menschen und jetzt wissen wir noch nicht welches Ventil sie finden werden. Gefährliche Zeiten, unruhige Zeiten. Es war schon die Jahre zuvor klar, dass es so nicht weitergehen wird, dass etwas passieren muss. Nur was? Und wann? Die Ruhe vor dem Sturm ist vorbei, Dinge kommen in Bewegung, Unruhe, Anspannung. Das Leben, eine Spirale, alles wiederholt sich, aber doch immer anderes, auf einer anderen Ebene. Die Menschen haben hoffentlich etwas aus der Vergangenheit gelernt, aber es ist erschreckend zu sehen, wie Macht funktioniert, wie Macht und Unterdrückung Einzug hält in unsere Gesellschaft. Ganz leise, unbemerkt, man ist ja auf der „richtigen“ Seite.

Die öffentlichen Räume werden militarisiert, mit Regeln voll gebombt und keine Rücksicht auf Verluste, keine freundlichen Ermahnungen. Nur strenge, harte Regeln. Unfreundliche Regeln. Kritische Stimmen werden nicht gehört, finden keinen Raum, werden nicht diskutiert. Ansatzweise kann ich verstehen, wie es sich angefühlt haben muss in Universitäten und Bibliotheken zur Nazi-Zeit. Gänsehaut. Ohnmacht. Trauer. Wie soll das weiter gehen? Wir werden nie wieder so sein wie zuvor. Wo bleibt unsere Menschlichkeit? Teilen mit anderen? Sorgen für andere? Gemeinschaft lieben und leben? Auf andere Gedanken kommen? Gespräche führen? Freiheit?

Ich habe noch die Freiheit zu sagen was ich möchte, aber was nutzt diese Freiheit, wenn ich nicht gehört werde.

Meine Meinung verhallt wie in einem Gefängnis mit Wänden aus Watte. Jeder in seiner eigenen Blase, keine Gemeinsamkeiten, kein Treffen, Aufeinander zu gehen. Kein Auseinandersetzen. Und irgendwann dann der Knall. The point of no return. Der Magen wird flau, wie vor einem Sprung in die Tiefe, ins Ungewisse. Augen zu und durch. An die Hoffnung klammern. Wäre ich ein Kind würde ich hoffen am anderem Ende des Tunnels Einhörner und Feen zu entdecken, die mit den Glücksbärchis zusammen fröhlich auf Wolken tanzen und sich gegenseitig in die Arme fallen. Sich erzählen, dass diese vor Liebe strotzende Welt, diese Utopie, so lebenswert sei. Und wie froh und glücklich sie doch alle seien. Ich bin kein Kind mehr.

Trotzdem kann ich nicht loslassen, meine Hoffnung auf eine bessere Welt. Für unsere Kinder, für alle Lebewesen auf dieser Erde. Stetiges Wachstum ist unmöglich, der Planet ist endlich. Die Ressourcen irgendwann verbraucht, wenn wir nicht dafür sorgen, dass neue entstehen können. Wir besitzen so viel Geld, Macht und Wissen und dennoch fehlt uns die Fantasie von einer neuen Zukunft zu träumen. Der Glaube daran. Unbegreiflich, unendlich traurig. Diejenigen, die die Macht hätten etwas zu ändern, sie interessiert nur noch mehr Macht und Geld. Und die, die noch Zeit und Geist besitzen relativ unverblendet die Welt zu betrachten und Probleme aufzuzeigen, denen fehlt wiederum Macht und Geld. Fortschritt ist schon lange kein Wachstum mehr, wir haben uns bereits zu einem Krebsherd entwickelt.

Die Mächtigen und Reichen sehen in ihrer Realität nicht das Unrecht, dass sie über die Welt bringen, gleich einer Krebszelle, die sich auch nicht fragt, ob es angebracht ist sich wieder und wieder zu teilen, zu vermehren, andere zu verdrängen, zu ersticken. Durch die momentane Situation werden Existenzen bedroht und zerstört. Junge Menschen in Perspektivlosigkeit gestürzt und die Alten, die wir schützen wollen, die müssen mit noch weniger Rente auskommen. Ist das nicht absurd? Die Welt hat keine bessere Antwort? Der Durchschnittsmensch hat gelernt, dass er nichts zu sagen hat. Dass er nicht die Möglichkeit hat irgendetwas zu ändern. Die meisten fühlen sich so ohnmächtig, bleiben untätig, ungehört. Wie in einem Gefängnis, die Wände aus Watte. Und sie warten, warten auf den langersehnten Knall..

Eva K. – Berlin 2020

Ein guter Rat für dunkle Momente: Nicht nach unten schauen

Läuft gerade mehrmals pro Tag in meiner Playlist.

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