Ich fürchte, als Schwächling dazustehen, und deswegen gebe ich so selten freiwillig Fehler zu. So lösen sich Konflikte aber nicht. Wenn ich eingestehe, dass ich mich getäuscht haben könnte und das meinem Gesprächspartner sage, bringe ich eine ganz neue Qualität in mein Leben. Ich bin stark und authentisch.

Es scheint, als wäre Recht haben zu wollen das natürlichste Bedürfnis der Welt. Fortschritt und Weiterentwicklung sind aber nur möglich, wenn wir unsere Irrtümer offen eingestehen. Sonst würden wir uns ewig streiten.

 Sogar Genies wie Einstein haben offen darüber gesprochen, dass sie eigentlich gar nichts wissen. Warum sollten dann Normalos wie ich immer alles wissen? 

Wie lerne ich, Fehler zugeben zu können?

In einer Diskussion mit meinem Partner kann ich auf zwei Weisen sprechen und reagieren:

1. Mit der Überzeugung, dass ich Recht habe. Das setzt den anderen automatisch ins Unrecht und wird bei ihm wahrscheinlich auf Abwehr stoßen. Das Ergebnis: Wir entfernen und voneinander, fühlen uns getrennt, egal, wie nah wir uns sind.

2. Oder ich reagiere und diskutiere mit dem Wissen, dass ich mich irren könnte. Und wenn ich merke, hier oder da hatte ich wirklich nicht recht, dann ist das eine große Chance; offen und ehrlich zu sagen, ja, du hast Recht, ich habe mich getäuscht.

Übung dafür:

Frag dich jetzt einmal, was du ganz sicher wissen kannst. Ohne den kleinsten Zweifel. Was kannst du absolut sicher wissen? Denk an den Film Die Matrix: Woher weißt du, dass das hier alles nicht nur ein Traum ist? Kannst du 100-prozentig sicher sein, dass deine Gedanken über etwas stimmen?

 Es scheint so, als hätte sich noch nie jemand in einer Politik-Talkshow getäuscht. Das kann nicht sein. Klar, jeder vertritt dort seinen Kurs. Aber Lösungen finden im Sinne der Allgemeinheit geht nur, wenn man auch zu seinen Irrtümern steht. 

Wie oft kommt das aber in Diskussionen und Streits vor, dass jemand zu seinen Fehlern steht? Zuhause mit Freunden, in der Arbeit mit Kollegen oder in Talk Shows mit Politikern und Leuten mit öffentlichem Einfluss? So gut wie niemals.

Entsprechender Sprachlosigkeit könntest du begegnen, wenn du selbst aufhörst, deinen Standpunkt auf Teufel komm raus zu verteidigen sondern offen für die Argumente des anderen wirst. Du wirst durchlässiger, flexibler, weniger verbissen.

Und für dich wird es höchst wahrscheinlich Balsam für die Seele sein. Es wird sich gut anfühlen, wenn auch ungewohnt, denn plötzlich bist du und dein Gegenüber auf derselben Seite, und verbundener als zuvor. Hey, ja, ich hab mich getäuscht. Oder: Ich habe gedacht… und jetzt sehe ich, dass das gar nicht stimmt.

Fehler sind nur Fehler, wenn ich nichts korrigiere

Wenn du in jeder Diskussion Stärke gewinnen willst, dann steh offen zu deinen Fehlern. Zumindest wirkt das bei mir Wunder. Das können auch Kleinigkeiten sein, oder Dinge, die du zwar glaubst, aber nicht sicher wissen kannst.

Ein kleines Stück nachzugeben, indem ich zum Beispiel sage: Ich weiß es nicht sicher und du könntest Recht haben, beendet vielleicht schon den gewohnten Ego-Krieg in einem Streit.

Das Beste ist aber: Wenn du anerkennst, dass der andere mit diesem oder jenem Recht hat, verleugnest du nicht mehr dich selbst – bloß, um dich durchzusetzen. Denn wenn du die Argumente des anderen als wahr oder stimmig erkennst und das zugibst, bist du dir dadurch selbst näher. Du fühlst dich besser. Nicht, weil du Recht hast, sondern weil du etwas anerkennst, das wirklich wahr für dich ist. Und das zuzugeben, verbindet! Keinen Widerstand leisten ist das Ende von Konflikten. Zumindest ist das bei mir so.

So fangen Menschen wieder an, voneinander zu lernen, anstatt sich gegeneinander durchzusetzen. Und ich errate (ohne es sicher wissen zu können): Dafür ist das Leben doch da.

Mehr zum Thema „auf dein Herz hören“: Was ist mir wirklich wichtig? Fühlen statt grübeln, machen statt planen

Foto von Einstein: By Photograph by Orren Jack Turner, Princeton, N.J. Modified with Photoshop by PM_Poon and later by Dantadd. [Public domain], via Wikimedia Commons

Möchtest du mehr Beiträge wie diesen lesen?

Lass dich täglich inspirieren und begleiten – mit meinem Gratis-Newsletter:

Damit du meine neusten Beiträge per Newsletter abonnieren kannst, brauche ich deine E-Mail-Adresse. Ich gebe deine Daten nicht weiter und sende dir auch keine billigen Werbemails, sondern nur hilfreiche und inspirierende Inhalte für dein Wohlbefinden. Mehr Informationen zum Datenschutz auf Herz bis Kopf findest du hier.

Wenn du mit dem Lesen nicht hinterherkommst oder einfach keine Inspiration mehr brauchst, kannst du den Newsletter jederzeit wieder abbestellen; mit einem Klick unter der jeweiligen E-Mail.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .