Bei einer Work heute nach dem Aufstehen fiel mir auf: Ich tue in vielen Situationen nicht das, was ich will. Ich verlange zum Beispiel von meinem Hund, dass sie genau das tut, was ich ihr sage. Ich hänge über dem Treppengeländer und schreie ihr hinterher: Luna! Komm!! Und ich erwarte, dass dieser Hund spurt. Und was ist mit mir? Ich fühle mich schrecklich: Mein Herz rast, mein Gesicht pulsiert, meine Arme sind zittrig vor Adrenalin, die Hände verschwitzt. Okay, Luna hört nicht auf mich. Sie rennt weiter die Treppe runter, ohne dass eine Gassi-Runde ansteht. Sie tut nicht das, was ich von ihr will! Aber: Tue ich in diesem Moment denn das, was ich mir sage? Hm, gute Frage! 

Ich ignoriere mein Gefühl

Ich denke: Ich bin wütend, weil Luna mich ignoriert und nicht tut, was ich ihr sage. Und dabei ignoriere ich mein Gefühl, dieses Gefühl von drohendem Herzkasperl, von „ich dreh gleich durch“. Ich trample auf mir selbst herum, indem ich mich so auf den Hund konzentriere und überhaupt nicht auf mich selbst. Ich höre nicht auf mich: Auf den Drang, diesem Gefühl nachzugeben und mich zu beruhigen.

Das Gefühl ist meine Leitplanke

Wenn ich mich so mies fühle wie in dieser Situation im Treppenhaus mit meiner unfolgsamen Hündin, dann ist es Zeit, auf mich selbst zu hören.

Es ist Zeit, genau das zu tun, was ich mir sage!

Das Gefühl ist meine innere Stimme, die sagt: Hör auf! Reg dich ab, alter! Das führt zu nichts. Und genau das werde ich versuchen, in Zukunft zu tun: Auf meine eigene Stimme, auf mein Gefühl mehr zu hören. Ob beim Autofahren oder beim Zähneputzen, wenn ich wie ein Gestörter dem Bus hinterherlaufe oder zum zehnten Mal nachschaue, ob ich den Herd ausgeschaltet habe.

Ich spreche in Wirklichkeit in jedem Moment zu mir selbst: Mit meinen Gefühlen. Ist es das vielleicht, was andere darunter verstehen, dass Gott zu ihnen spricht? Ich bin mein eigener Gott, meine eigene Autorität, die genau weiß, was jetzt richtig für sie selbst ist.

In welchen Situationen höre ich noch wenig auf mich?

  • Jetzt, während ich diesen Artikel schreibe. Ich will schnell damit fertig werden, um endlich frühstücken zu können – denke ich. Und mein Gefühl sagt mir: Iiiiih! Das ist stressig! Das fühlt sich nicht gut an.
  • In ganz vielen anderen Situationen, in denen ich denke, dass ich mich beeilen muss. Fühlt sich immer scheiße an!
  • Wenn es um Geld geht: Die Sorgen vergiften meinen Geist und lassen mich Dinge hastig tun. Die Sorgen lassen mich Dinge tun, die ich gar nicht will. Und wie sich das anfühlt, muss ich nicht sagen, oder? Wenn ich dann aber im Bad stehe und merke: Ich werde nicht ärmer oder reicher, wenn ich mich jetzt in Ruhe abtrockne: dann fühlt sich das Leben auf einmal wieder gut an! Meine innere Stimme schreit hura! Ich fühle mich gut. Nur, weil ich das Handtuch weniger hastig über meinen Körper bewege und diesen Akt sofort mehr genieße. Faszinierend.
  • Wenn ich mit Leuten zusammen bin und mich unwohl fühle. Was geht da in mir vor? Wie verhalte ich mich, dass ich mich nicht wohl fühle? Was will ich von ihnen und sage es nicht? Was denke ich über sie und mich, das mich aus der Bahn wirft?
  • Wenn ich etwas denke, das mir Stress macht. Von dem ich aber gar nicht sicher weiß, ob es wahr ist (also 99,9 Prozent aller meiner Gedanken). Die logische Konsequenz ist, damit aufzuhören. 

Diese Liste könnte ich jetzt eine Stunde lang fortführen – das erspare ich euch aber.

Gefühle von Gedanken unterscheiden

Es gibt Intuition und es gibt Gefühle die kommen einfach aus dem, was wir denken. Ich rede hier von beiden Arten von Gefühlen: Eine starke Intuition ist ein guter Ratgeber. Aber auch auf Gefühle zu hören, die aus Stress und stressigen Gedanken wie „Ich will, dass sie auf mich hört“ kommen, können mir den Weg weisen. Dann muss meine Intuition nur groß genug sein, um eben das zu tun: Diese negativen Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu deuten. In meinem Fall oben: Stopp! Wenn ich mich so aufrege, bringt das keinem was. Muss der Hund in diesem Moment denn wirklich tun, was ich will? Sie ist ja schon dabei, runterzurennen. Vielleicht hat sie mich falsch verstanden. Und selbst wenn nicht: Was ist wichtiger, mein Herz oder mein Hund?

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Bild von 坤 张 auf Pixabay

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