Grübeln abstellen, das Gedankenkarussell stoppen – das geht nur, wenn sich etwas Grundlegend in mir verändert. Ich muss dazu wach werden – einen klaren Blick für mein Leben entwickeln. Hier präsentiere ich ein paar Auswege für Denk-Junkies wie mich.

Grübeln kann man mit unwillkürlichen, unangenehmen bis schmerzhaften Sprüngen gegen eine Wand vergleichen. Man kommt nicht weiter. Selten fließt dabei Blut, der Betroffene sabbert eher vor sich hin. Ein Trance-ähnlicher Zustand, in dem wir die Mimik einer kranken Kuh aufsetzen und scheinbar darin gefangen sind.

Aber wir können ganz leicht aus dem muffigen Grübel-Gefängnis ausbrechen. Nein, stop, jetzt nicht zu Netflix wechseln! Das sind nur stundenweise Ausflüge aus dem Gedanken-Knast. Ich spreche davon, das Grübeln los zu werden. Vielmehr: Das Problem dahinter zu lösen – denn das verkrampfte Nachdenken ist nur ein Symptom, wie Schnupfen.

Die Gründe hinterm Grübeln kennenlernen und auflösen

Grübeln abstellen ist nichts, was ich kontrollieren kann. Das exzessive, automatische Nachdenken verschwindet ganz von selbst, wenn es nichts mehr zum Grübeln gibt. Die ganzen Urteile über dich und andere Menschen zum Beispiel.

Weg 1, sehr effektiv: Gedanken aufschreiben, schwarz auf weiß festhalten und dann hinterfragen: Stimmt das, was ich da denke? 

Ungelöste Probleme verfolgen uns ein ganzes Leben. Bis wir verstehen, dass Gedanken nur Gedanken sind. Sie sind nie die Wahrheit, sondern eine Interpretation der Welt.

Dich von deinen Gedanken ein Stück weit entfernen

Weg 2: Du holst dich auch aus dem Grübeln raus, indem du dir bewusst machst, wie überflüssig die meisten Gedanken sind, die dir jeden Tag durch den Kopf gehen. Schätz doch jetzt mal, wie viele deiner täglichen Gedanken wirklich wichtig sind, schön sind oder hilfreich sind. Es hilft, das zu erkennen und es sich immer wieder bewusst zu machen.

Denn oft glauben wir heimlich doch, dass wir alles durchdenken müssen und mit Problemen und Konflikten in Gedanken weiterkommen müssen. Doch am Ende sagen oder tun wir ja doch meistens etwas ganz anderes, als wir davor im phantastischen Testlabor rund 100 mal geprobt haben.

Weg 3 (nicht so effektiv): Das Grübeln kann man auch durch Ablenkung abstellen. Aber immer nur für den Moment und kurz. Die Ursache bleibt unberührt – die ganzen Überzeugungen, die uns das Gefühl geben, das Leben sei ein einziges großes Problem. Ohne Probleme grübelt keiner mehr.

 Und Probleme sind nichts als Reibungsenergie. Wir reiben uns am Leben, stemmen uns dagegen. Gegen das, was sowieso schon da ist. 

Gegen das, was wir denken zu erkennen; das aber nur unsere Interpretation der Wirklichkeit ist.

  • Jemand war angeblich unhöflich… bis wir verstehen, was in ihm vorgeht. Welche Last er trägt. Dass wir in seiner Lage vielleicht auch Besseres zu tun hätten, als die Form zu wahren.
  • Meine Partnerin ist mir gegenüber angeblich so verschlossen… bis ich merke, dass sie offener nicht sein könnte. Sie ist offen, eben durch ihre Stille. Weil sie sich nicht plappernd verstellt. Weil sie mir sagt: Ich will nicht reden.

Wir haben unseren Verstand in den Kampf geschickt – wir können ihn auch wieder zurück holen

Grübeln ist hausgemacht. Wir schaffen es in jedem Moment selbst. Es verselbstständigt sich, weil wir unseren Verstand mit all unseren Problemen dazu beauftragt haben. Ob wir schlafen oder wachen, er hat eine unendlich große Menge an unlösbaren Problemen zu lösen.

Er soll die Scheiße wegmachen. Er soll damit klar kommen, dass wir uns nicht geliebt fühlen. Dass wir uns nicht respektiert fühlen. Dass wir nicht einverstanden sind mit dem Planeten und den Leuten darauf.

Und dann beschweren wir uns über die schlaflosen Nächte und Depressionen, die uns das Grübeln beschert.

Wenn ich mich als Ursache für meine Probleme erkenne, kann ich mich auch selbst befreien

Wir fühlen uns geliebt, wenn wir uns selbst lieben. Wenn wir uns selbst respektieren. Wenn wir den Fehler nicht mehr beim anderen suchen. Wenn wir uns als Teil der Welt erkennen und nicht als Fremden, der sich hier irgendwie durchschlagen muss.

Wenn wir einmal genau hinsehen und merken, dass wir uns auch getäuscht haben könnten mit unseren Urteilen über andere und über uns selbst.

Dieses Urteilen über uns ist wie Rülpsen: Es tut kurz gut, dann stinkt es. Nichts gegen das Urteilen! Aber wir tun so, als wäre das Rülpsen und Furzen die Wahrheit. Es ist das Ergebnis dessen, was wir zu uns genommen haben, was wir runtergeschluckt haben.

Die ganzen Sorgen lernen wir doch erst!

Sie kommen aus der Kindheit und weil wir uns weigern, die Vergangenheit als vorbei anzuerkennen. Aus unserer Illusion, wir wüssten, was passieren wird.

Dein Verstand tut das, wozu du ihn beauftragst. Wenn du sagst: Hey, ist doch alles Mist, wird er nach Lösungen suchen. Und suchen. Und suchen. Und suchen. Das nennt man Grübeln.

Der Mist von heute ist oft das Gold von morgen. Wenn du deinen Blick weitest und siehst, dass Mist nur deine Sicht aus einer ganz engen Perspektive ist, schickst du den unermüdlichen Problemlöser in deinem Hirnkasterl in den Dauerurlaub. Dieses „die Perspektive wechseln“ klingt leichter, als es ist. Aber es ist möglich. Jetzt. Grübeln wird überflüssig, erholsame Stille zur Normalität. Jeden Tag mehr.

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2 Kommentare
  1. Erich Pischler
    Erich Pischler sagte:

    Hallo Gidon,

    Bin bei der Suche nach Zielen auf deine Seite gestossen. Ich finde deine Beiträge ganz toll. Man merkt, dass hier ein Betroffener mit ganz großer Gabe zur Selbstreflexion schreibt. Danke dafür.

    Liebe Grüße Erich

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Erich,

      das freut mich. Diese Gabe ist reines Training. 🙂 Schön, dass Du hier etwas für Dich finden kannst!
      Was macht deine Suche? 🙂

      Liebe Grüße, Gidon

      Antworten

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