Das Alte, unser bisheriges Leben macht uns manchmal einfach nicht mehr glücklich. Hat es vielleicht nie gemacht. Bei mir zum Beispiel, nach sechs Jahren, in denen ich mein Leben nur einem Ziel gewidmet hatte. Als ich schließlich dem Ziel näher kam, gab es mir plötzlich nichts mehr. Alles brannte in mir, nichts schien mehr wichtig, ich entfernte mich von allem. Ich war mir sicher, dass das eine Depression sei. Vielleicht war es das. Aber es war auch ein Reinwaschen. Alles Unechte und nicht wirklich Wichtige konnte ich plötzlich nicht mehr tun, auch wenn ich mich anstrengte.

Stattdessen lief ich durch den nahegelegenen Park und sah mir den See dort an, die Vögel, die Pflanzen. Ich schrieb Briefe an mich selbst. Meine Gedanken mussten zur Ruhe kommen. Ich war völlig geladen und gleichzeitig leer. Weil ich das Rennen so gewohnt war. Von Jahren permanenter Hektik und ständigen Getrieben-seins. Schnell, schnell sein, statt genießen.

Leer am See. Während ein Teil meines Lebens und meiner Identität vertrocknete und abfiel (so fühlte es sich wirklich an), blühte eine andere Seite auf.

Ich dachte immer, mein Job sei meine Identität. Ich dachte, ich müsste kämpfen und hätte dabei noch einen langen Weg vor mir. Das gab mir jeden Tag einen Kick. Jetzt saß ich da und fühlte nichts mehr.

 Ich war völlig leer, und das machte mir Angst 

Mein altes, schlechtes Leben mit all seinen scheinbaren Zwängen verschwand langsam aus mir, weil nichts mehr eine Rolle spielte außer diese Leere, diese Verzweiflung, die ich jetzt fühlte. Und in dieser Leere bahnte sich langsam etwas Neues seinen Weg in mir. Viele meiner Ansichten über mein Leben stellte ich in diesen Wochen und Monaten auf den Kopf. Die Leere schien zu bleiben, sie hielt mich am Ball, meinen Problemen und Sorgen ins Auge zu schauen. Mich zu fragen: Stimmt das wirklich, was ich über mich und mein Leben denke?

Du fühlst dich leer. Aber was vermisst du eigentlich?

Was genau fehlt in deinem Leben, jetzt?

Ich zum Beispiel fühlte mich so leer, weil ich in meinem Leben keine Zukunft mehr sah. Weil die Vergangenheit inakzeptabel schien. Ich war es aber gewohnt, in der Zukunft zu leben, nur meinen Zielen nachzulaufen und alles andere im Dreck liegen zu lassen. Mich hatte meine Kraft verloren, meine Lust, mein Antrieb, und damit hatte ich mein Leben verloren, meine Zukunft. Da stand ich nun in meinem kahlen Büro und steckte ein paar Blumen in eine Karaffe. Das tat gut, mich ein bisschen um diese schönen Pflanzen zu kümmern.

Als ich mir diese Blumen kaufte, hatte ich mich schon entschieden, dass es mit meinem Leben so nicht weitergehen konnte. Ich wollte einfach etwas Schönes in meiner Nähe haben. Sie waren vielleicht der Anfang eines farbenfroheren Lebens. Das Gefühl der Leere und Kälte in mir vertrieben sie nicht, aber mich um sie zu kümmern, sie zu gießen und sie aufzurichten, bewegte in mir selbst etwas.

Bis auf diese Blumen wusste ich nicht mehr, was ich wollte

Ich wusste nicht mehr, wozu das Leben überhaupt da war. In mir kreiste die Frage: Wozu überhaupt glücklich sein? Was bringt mir das? Ich wusste nicht mehr, was ich wollte. Und das machte mich so leer. Nein: Der Gedanke, das Leben sei zu etwas da und der Gedanke ich müsste wissen, was ich will; das machte mich leer, das machte mir das Leben in Wirklichkeit zur Hölle.

Das schuf erst diese bitterliche Kälte und Leere in mir. Denn mir fiel nichts mehr ein. Ich hatte nichts mehr, mit dem ich mich täuschen konnte. Ich konnte mir nicht mehr vorlügen, dass es nur auf die Arbeit und den Erfolg ankam. Ich konnte mir nicht mehr vorlügen, dass ich genau wusste, wo ich hin wollte. Dass  beruflicher Erfolg wichtiger als Freundschaft, Familie, ja sogar wichtiger als ich selbst war.

 Soll ich dir was sagen? Ich weiß heute noch immer nicht, was ich genau will. 

Die Leere nutzen, um im Moment zu leben, statt in der Zukunft

Ich weiß zum Beispiel, dass ich diesen Text hier schreiben will. Das weiß ich relativ sicher. Ich weiß auch, dass ich von diesem Blog als Autor leben will und anderen Menschen mit meinen Texten, Videos und Podcasts helfen, sie inspirieren will. Aber ich finde darin keinen neuen Lebenssinn oder so etwas.

Es ist nicht meine Identität; das eine, an das ich mich verzweifelt klammere. Ich fühle mich in gewisser Weise immer noch leer, wenn ich mein Leben mit früher vergleiche. Wenn ich das Jetzt mit der Lüge vergleiche, die ich gelebt habe. Mit all den Phantasien von der Zukunft und der Abneigung vor der ungenügenden Gegenwart; was mich für den Moment hoffnungsvoll und energiegeladen und auf Dauer zu einem immer scheiternden Visionär gemacht hat.

Stattdessen helfe ich spontan, wo ich kann, ich höre Freunden und meiner Familie wieder mehr zu, auch wenn ich viel Energie und Zeit in meinen Beruf stecke. Ich kümmere mich so gut ich kann darum, meine Tochter zu sehen, die 200 Kilometer weit weg wohnt.

Und was ist mit der Zukunft?

Ich habe gewisse Ideen, wie meine Zukunft aussehen darf, aber ich lebe nicht mehr in diesen Ideen und Vorstellungen. Ich bestreite mein Leben. Ich kümmere mich um meinen Hund. Um mein Bankkonto. Um meinen Körper. Ich meditiere mit meiner Selbsthilfe-Technik. Vor allem, wenn ich mich unwohl fühle. Und weil man dabei stressvolle Gedanken auflöst, werde ich sogar immer leerer, glaube ich. Ich bin leer für das, was noch kommt. Ich kann immer besser wieder jeden Schritt genießen, jeden Atemzug. Ich bin immer weniger gehetzt. Ich achte mehr auf mich und interessiere mich dafür, wer ich wirklich bin.

Dich leer zu fühlen, ist ein guter Anfang.

Wenn du den Schmerz langsam auflöst, der dir in Kopf und Gliedern steckt, wird sich dein Leben ganz von selbst füllen.

Vielleicht anders, als du das jetzt erwartest oder als es einmal war. Aber das Leben ist so ein raffiniertes und schönes Spiel – irgendwie scheint es für jeden von uns immer genau das bereit zu halten, für das wir jetzt bereit sind, für das wir gemacht sind, das wir jetzt brauchen, um uns weiter zu entwickeln.

Auch wenn das manchmal weh tut. Es tut besonders weh, wenn ich mich verzweifelt gegen das Leben wehre anstatt damit so gut wie möglich umzugehen.

Wenn ich nicht auf meine Gefühle höre. Meine Gefühle sind meine Anzeige dafür, ob ich eine Lüge lebe und mal wieder alles schlecht mache. Nicht sehe, wofür ich dennoch dankbar im Leben sein kann.

Meine Gefühle sind eine Hilfe, eine Geh-Hilfe. Und wenn ich mich leer fühle, dann aus gutem Grund. Dann kann ich aufmerksam warten, was diese Leere irgendwann wieder füllen wird. Ein Gespür entwickeln, mit was ich es wirklich füllen will!

Wenn ist das tue, sage und denke, was in Einklang mit meinem Leben ist, das mir also wirklich wichtig ist, dann fühlen sich meine Gefühle auch wieder harmonisch an. Dann wird aus Leere Fülle.

Mein Vortrag für tiefes Selbstbewusstsein: „Selbst, bewusst und glücklich“:

  

Hier erfährst du mehr zum Vortrag (klicken)

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Titelbild: Pixabay

 

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