Wir heben uns auf für unsere Freunde und Beziehungen. Mit ihnen wollen wir lachen, auf der Couch sitzen und den Tatort schauen, mit ihnen unsere tiefsten Gedanken und Gefühle teilen, uns mit ihnen verbünden, verbinden.

Und wenn wir alleine sind, heben wir uns auf für sie. Wir schauen stundenlang fern, statt unseren tiefsten Gedanken und Gefühlen nachzugehen. Wir langweilen uns, anstatt mit uns zu lachen, auf der Couch zu sitzen und mit uns Tatort schauen. Wir warten auf die Reaktion anstatt uns mit uns selbst zu verbinden.

Eine sehr gute Freundin von mir ist seit einiger Zeit nicht mehr mit einem ebenfalls sehr guten Freund von mir zusammen. Wir haben uns fast 10 Jahre lang mehrmals pro Woche gesehen, es war fast, als würden wir zusammen wohnen. Seit ihrer Trennung sehen wir uns nicht mehr; naja, ein-zwei mal pro Jahr. Es klappt einfach nicht mehr.

Wenn ich denke, „wie schade, ist ihr unsere Freundschaft gar nichts wert?“ dann bin ich enttäuscht.
Wenn ich denke, „ich bin ihr egal“, werde ich wütend.
Wenn ich denke, „wie schön war es früher und jetzt ist es vorbei“, werde ich traurig.

Oder ich frage mich, ob das stimmt, was ich glaube. Vielleicht ist ihr unsere Freundschaft viel Wert, wahrscheinlich sogar. Nur kann sie vielleicht einfach nicht mehr so wie früher neben mir sitzen, als wäre nichts gewesen; als wäre die Zeit stehengeblieben. Als wäre ihre Beziehung mit meinem guten Freund nicht vorbei, als würden wir uns wie immer am Sonntag-Abend bei ihnen zuhause treffen. Als wäre der Schmerz nicht mehr da, den sie vielleicht noch immer spürt.

Nein, ich kann nicht sicher wissen, was in ihr vorgeht. Wahrscheinlich bin ich ihr nicht egal, sondern im Gegenteil. Es hat einen Grund, warum wir keinen Kontakt mehr haben.

Und: War es wirklich immer schön? Und: ist es jetzt nicht auch schön? Ich kann viele Beispiele finden, warum ich froh bin, dass die Zeit vorbei ist. Ich saß neben meiner Freundin, aber mit Sorgen, mit Ängsten, mit all meiner Panik, von der ich nun befreit bin.

Vielleicht ist eine Freundschaft dazu da: gewesen zu sein, was sie war. Und wer weiß, was morgen passiert? Jetzt sitze ICH hier, mein Herz schlägt; nur für mich, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin mir ein Freund. Und ich bin es für andere.

Nur in meinen Gedanken, mit meiner Erinnerung und in meiner Vorstellung vom Leben, wie es sein sollte, nur da bin ich traurig. Nur da bin ich allein. Nur da bin ich um meine beste Freundin gebracht.

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