Wenn uns jemand kränkt, sind wir vor allem mit seiner Tat beschäftigt, anstatt mit uns selbst. Was hat sie mir nur angetan! In der Dauerschleife erlebe ich die Situation immer wieder in meiner Erinnerung – und das tut jedes mal wieder weh. Solange ich gekränkt bin, heilt die Zeit keine Wunden. Sie macht alles nur noch schlimmer. Aber wir können den Kreislauf der Kränkung durchbrechen.

Wenn ich meine Suche nach Anerkennung aufgebe, kann ich auch die Kränkung überwinden. Dann muss ich auch den Alptraum nicht mehr immer wieder aufs Neue erleben. Er verblasst zu einem harmlosen Schatten, oder gewinnt vielleicht sogar als schönere Erinnerung frische Farbe. Aber wie geht das? Ich stelle meine Erfahrung auf den Prüfstand und sehe, wie ich mir selbst ein besserer Freund werden kann.

Ich bin kein Fan allgemeiner Ratschläge. Du gehst mit deinem Leben anders um als ich, weil du ein anderer Mensch als ich bist. Ich behaupte aber, dass du aus dem selben Grund wie ich gekränkt bist.

 Ich bin immer dann verletzt, wenn ich von einem Kollegen, Freund oder geliebten Menschen nicht die Anerkennung bekomme, die ich mir wünsche. Das Problem bin aber nicht ich oder der andere. Das Problem ist meine Suche nach Anerkennung.  

Ob das nun eine kritische Bemerkung im Büro ist, ein Schweigen dort, wo ich einen Freund zum Lachen bringen wollte oder ein falsches Wort im Bett – in mir klafft eine riesige Lücke, wenn ich mich gekränkt fühle:

Wie kann er das behaupten? Warum ist sie so unfreundlich? Warum ist sie nicht einfühlsamer? Warum lehnt er mich ab?

Das blöde Warum können wir hier getrost ersetzen mit: Scheiße…! Wenn ich solche Warum-Fragen stelle, will ich doch viel mehr sagen:

Es ist scheiße, dass er das behauptet! Scheiße, dass sie so unfreundlich ist! So ein uneinfühlsamer Klotz. Dieser Penner soll gefälligst lachen und mich nicht blöd dastehen lassen mit meinem schlechten Witz!

Die viel spannendere Frage wäre aber:

Warum bin ich wirklich gekränkt?

Nehmen wir die unfreundliche Bemerkung des Kollegen im Büro, den ich sehr schätze. Gerade von diesem Menschen würde mir ein anerkennendes Wort sehr viel bedeuten. Aber er ist unzufrieden mit meiner Arbeit! „Das können Sie besser“. Er sieht überhaupt nicht, was ich alles hinter seinem Rücken tue, damit die Abteilung läuft! Undankbar!

 Stop! 

Genau in diesem Moment, wenn wir uns innerlich über den Kränker auskotzen, wäre ein genauer Blick auf die eigenen Wünsche sehr wertvoll.

Hören wir uns doch mal selbst aufmerksam zu, wie einem guten Freund!

Wenn ich nämlich genau hinsehe, was mich da kränkt und was ich mir vom anderen wünsche, kann ich die Kränkung als direkte Folge meiner Überzeugungen erkennen.

Also noch mal in einfach: Ich denke Käse, also bin ich gekränkt.

Ich laufe zum Beispiel durchs Leben mit der Vorstellung, dass meine Freunde mich schwer in Ordnung finden sollen. In einer Pause erzählte ich David mal einen echt schlechten Witz, der eher einer Provokation gleichkam. Aber ich wollte trotzdem eine Regung von ihm haben. Gar keine Reaktion war zu viel für mich. Oder besser gesagt: zu wenig. Ich saß da mit meiner blöden Bemerkung und er schaute einfach weiter vor sich hin, als hätte ich gar nichts gesagt. Ich habe mich so blöd gefühlt.

Aber nicht wegen seiner (ausbleibenden) Reaktion. Sondern weil ich meinen (zugegeben miesen Witz) FÜR seine Reaktion gemacht hatte. Ich wollte, dass er hämisch aber anerkennend lacht. 

Wenn ich nur nach einer bestimmten Reaktion des anderen giere, dann werde ich eben in 50 Prozent der Fälle gekränkt. Bin ich ein guter Spieler, vielleicht nur in zehn bis 20 Prozent der Fälle.

 Stop! 

Die Kränkung ließ mich nicht los. Anstatt mich über ihn zu ärgern und tagelang verletzt zu sein, schaute ich noch am selben Abend genauer hin und reflektierte ein bisschen. Was wollte ich von ihm? Ich wollte zum Beispiel, dass er mich witzig findet. Dass er nett zu mir ist. Und ich merkte: das alles konnte ich mir in dieser Situation selber geben.

Aber wie konkret soll ich mir das selbst geben? Auch darauf muss ich Antworten finden, wenn ich meine Kränkung überwinden möchte.

Ich könnte einfach darauf achten, wie unfreiwillig komisch die Situation war. Da sitzen zwei junge Erwachsene rauchend auf einer Mauer und der eine macht den wohl miesesten Witz mit dem schlechtesten Geschmack des Jahres. Und der andere lässt den Provokateur einfach damit sitzen. Sagt nichts! Das ist komisch!

Anstatt auf seine Reaktion zu warten, hätte ich bemerken können, wie lustig sein Schweigen andererseits ist – und über mich selbst lachen (das ist ohnehin der am süßesten schmeckende Humor überhaupt). Ich trete damit auch ein Stück zurück, bin kein kleines Ego mehr, sondern lache einfach über die Situation. Und das nächste Mal kann ich vielleicht direkt so reagieren: Locker, humorvoll, so wie ich gern sein möchte.

 Ich kann mich selbst witzig finden. Ich kann die Situation witzig finden. Und puff: sind mein verletzter Stolz, meine Kränkung schon fast ganz dahin. Aufgelöst in sanftem Schmunzeln, anstatt wie Sodbrennen immer wieder ätzend hochzukommen.  

Was will ich vom anderen? Was genau? Und brauche ich das wirklich? Über diesen Fragen zu brüten, bringt mich weg von der Verletzung und hin zu mir selbst, ich kann mich damit selbst besser kennen lernen und mit mir selbst ins Reine kommen.

 Der wichtigste Tipp dieses Artikels: Aufschreiben! Gedanken aufzuschreiben hält auf Papier fest, was sonst in uns tobt. Wenn ich ganz klar auf einem Zettel vor mir stehen habe: Ich will, dass David mich lustig findet! Ich will, dass er über Witze lacht, auch wenn er sie nicht witzig findet! Wenn er lacht, zeigt er mir damit, dass er mich mag! Dann kann ich meine Kränkung fast unmittelbar schon nicht mehr so ernst nehmen. 

Weniger lustiges Beispiel: Ich will, dass mein Kollege meine Leistungen anerkennt!

Auch bei diesem Beispiel lohnt sich ein genauer Blick nach innen.

Ja, warum nur will ich das? Was hätte ich davon? Erkenne ich selbst meine Leistungen denn an? Oder bin ich nicht selbst chronisch immer etwas unzufrieden mit mir, zumindest aber nicht ganz sicher, ob ich gut bin?

Wenn ich so richtig satt und zufrieden mit meinem Werk bin, dann nehme ich Kritiken als das auf, was sie ist: Vorschläge. Aussagen des anderen, die nichts über mich sagen. Ideen. Möglichkeiten. Hilfen, die ich annehmen und nutzen kann, aber nicht muss. Ich kann dankbar dafür sein. Und mich freuen.

 Wenn ich mir selbst ein Freund werde, kann mich niemand mehr kränken. Dafür muss ich ganz genau in mich reinhorchen. Mir zuhören, wie einem Freund. Was genau verletzt mich so?  

Über was bist du gekränkt? Schreibs mir in die Kommentare!

 

Mein Vortrag für tiefes Selbstbewusstsein: „Selbst, bewusst und glücklich“:

  

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Bild: Pixabay

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