Manchmal vermisse ich dich so, dass sich meine Brust anfühlt, als würde sie platzen und dann zusammen schrumpeln, wie ein vertrockneter Apfel.

Obwohl ich dich nicht kenne. Dich gibt’s nur in meiner Phantasie. Du bist nicht da, wie Laura!

Dann bist du es plötzlich: ich erkenne dich. Du bist unerreichbar.

Aber dein Blick sagt viel. Dass sich unsere Blicke treffen, unsere Arme, so wie zufällig, während wir den sicheren Weg verlassen und ich dir Halt gebe.

So wie in den Filmen, als Frauen und Männer noch nicht gleich sein mussten.

Wie kann es sein, dass ich das sicher weiß? Dass ich diesen kurzen Moment – er wäre den Zuschauern vielleicht gar nicht aufgefallen – nie vergessen werde?

Zerbrechlich bist du nicht. Du bist zart; das ist die größte Stärke, die ein Mensch haben kann.

Etwas in mir sagt, dass das Leben gut ist, wenn ich dran denke.

Ja-ha! Ich weiß, dass mein Herz da ist, um Blut voller Sauerstoff aus der Lunge in den ganzen Körper zu pumpen.

Aber heute Abend fühlt es sich an, als würde es wirklich nur für dich schlagen.

Du bist da. Und du bist es nicht. Du bist unerreichbar. Wer weiß, was morgen ist?

Nein, wirklich: Wer weiß es?

Ich weiß es nicht und muss es nicht wissen.

Eine Freundin schreibt mir, dass sie ein Loch in ihrer Brust hat, das sie mit nichts füllen kann. Ich kenne dieses Loch. Bei mir ist es ein schwarzes Loch, in dem zahllose Hoffnungen, Träume, schöne Anfänge und unendlich große Enttäuschungen entstanden und in – nach kosmischen Maßstäben – Wimpernschlägen wieder verschwunden sind.

Ja, du hast Recht. Nichts kann dieses Loch in unserer Brust füllen. So, wie nichts und niemand dein Blut voller Sauerstoff durch deinen Körper pumpen kann; nur dein Herz kann das – Einwände von Chirurgen vorbehalten. Gescheiterte Romantiker wissen: Nur dein Herz kann so für dich schlagen, wie es das für andere tut; dir das geben, was du als Loch empfindest.

Heute war ein besonderer Tag. Mutter Natur will es so. Aber als Mensch erlebe ich es eben als etwas Besonderes. Könnte ein Tier über ein anderes so perfektes Geschöpf wie dich schreiben, würde da dasselbe stehen wie in diesem Text? Vielleicht sehen wir es nur nicht. Die Liebe zwischen zwei Bäumen, die Jahrzehnte nebeneinander wachsen. Das Lied eines Vogels für seine Angebetete. Das Säuseln des Windes, der sich freut, die Berge als Gesellschaft zu haben.

Ich will nicht aufhören, diesen Text zu schreiben. Er ist wie das Säuseln des Windes, der sich über die Berge freut, über die er streichelt. So wie ich deine Haut. Vielleicht ein letztes Mal. So wie die zwei komma sechs Sekunden – ich habe sie gezählt – in der unsere Handflächen aufeinander trafen, warm, weich, unbekannt und doch vertraut. Fest, zärtlich. Sanft aber fest entschlossen, dich zu schützen. Wir hätten dort stehen bleiben können, und dem Wind zuhören können. Wie er gerne kurz blieb, unsere Haut zu streicheln, auf diesen Hügeln.

Nein, wir sind nie allein. Aber wir sind so verbunden in diesen Momenten. Wir wollen nichts voneinander, wir wollen vielleicht einander. Jeder für sich. Es reicht, hier zu sein. Was gibt es Schöneres, als hier zu sein und zu sehen: es reicht.

Du kannst mich einen Romantiker nennen, denken, was du willst. Ich fülle mein Herz, das Loch, weil ich fühle: Es reicht. Das Loch in meiner Brust hat genug Beziehungen, Freundschaften, Hoffnungen und Träume gefressen. Diese Verbindung; ein langer Blick, das kurze Streifen unserer Schultern – vielleicht will ich gar nicht mehr? Vielleicht will mein Herz nicht mehr, als Blut durch meinen Körper pumpen, während wir auf kleinen Sandhügeln stehen und ich dir die Hand reiche. Du nimmst sie. Wir sind hier.

Ist das nicht schön?

Lass uns wie zwei Bäume sein, die nebeneinander wachsen.

Sie trinken dasselbe Wasser, atmen dieselbe Luft, sehen dieselbe Sonne.

Sie wurzeln im selben Boden. Hier und da berühren sie sich.

Sie sind da. Schützen einander.

Kümmern sich um ihre Blätter, jeder für sich.

Wir wachsen wie zwei Bäume – sind hier.

Ist das nicht schön?

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