Kannst du dich gleichzeitig für etwas schämen und dich selbst lieben? Ich kann das nicht! Ein Schlüssel zur Selbstliebe ist also, dich nicht mehr zu verstecken, hinter deinen Geheimnissen. Dich nicht mehr zu schämen. Dich nicht mehr selbst zu verurteilen.

Liebe ist Akzeptanz. Wenn du keine (oder weniger) Geheimnisse hast, machst du damit eine Aussage gegenüber allen: Ich bin hier. Ich bin okay. Das ist Selbstliebe.

Lüfte deine Geheimnisse und räume die Hindernisse zur Selbstliebe aus dem Weg

Warum ist es so schwer, sich selbst zu lieben? Wegen der vielen Geheimnisse, für die ich mich schäme. Ich trage sie wie ein Stück Quecksilber mit mir herum und sie vergiften langsam mein ganzes Leben.

Selbstliebe für den eigenen Körper

Hattest du schonmal „Hämorrhoiden“? Wenn nein, kennst du sicher jemanden, der sie schon „hatte“ (Die Anführungszeichen sind dafür, weil jeder sie hat, nur nicht jeder hat Probleme damit). Die Apotheken sind voll von Salben gegen Hämorrhoiden-Probleme, oft stehen sie offen und gut sichtbar in den Regalen, gleich hinter dem Kassierer.

Alle haben sie, aber niemand redet darüber. Genauer gesagt: Fast jeder macht ein Geheimnis draus. Ich habe manchmal vergrößerte Hämorrhoiden und dann juckt es. Ich laufe dann in die Apotheke und kaufe mir eine Salbe. Und ich spüre meinen inneren Widerstand, laut zum Verkäufer zu sagen: einmal Hämorrhoiden-Salbe, bitte. Ich schäme mich.

Aber wofür genau schäme ich mich denn da? Hämorrhoiden sind nicht das Problem. Das Problem ist das, was ich damit verbinde. Und auf diese Verbindungen kommen wir bei der folgenden Übung.

Übung
Ein heilsamer Blick für mehr Selbstliebe und Akzeptanz des Körpers

Es ist schwierig und tut unglaublich gut, mich zu fragen: Wofür genau schäme ich mich denn da? Um eine genaue Antwort aus uns herauszukitzeln, stellen wir uns die folgende Aufgabe:

Niemand soll von mir wissen, dass ich …. weil … .

In meinem Beispiel:

  • Niemand soll wissen, dass ich Hämorrhoiden habe, weil das peinlich ist.

Aber: Wäre mir das auch peinlich, wenn ich allein auf einer einsamen Insel wäre? Das, was mein Verstand da ausspuckt, ist mir zu ungenau. Was genau daran ist denn daran so peinlich? Ich gehe in mich und komme auf folgende Antworten…

Es ist mir peinlich, weil…

  • …ein gesunder Mensch hat keine vergrößerten Hämorrhoiden.
  • …die Frau hinter mir soll das nicht wissen, weil sie es eklig finden wird
  • …sie soll von mir denken, dass ich ein attraktiver junger Mann bin

Und so weiter! Es kann schwer sein, so genau zu sein – was genau ist mir eigentlich so unangenehm?

 Jetzt kann ich mich fragen: Stimmt das wirklich? Soll sie denken, dass ich attraktiv bin? Oder ist es mir wichtiger, gesund zu sein und mich wohl zu fühlen? Diese Fragen wirken, als würde mich jemand aus dem Gefängnis holen. Aus meinem selbstgeschaffenen Gedanken-Gefängnis. 

Du kannst diese Übung jetzt für dich machen:

Niemand soll von mir wissen / denken / sagen, dass ich …. weil … .

Warum diese Übung?
Wir werfen anderen vor, dass sie dies oder jenes über uns denken und dass wir uns deswegen schlecht fühlen. In Wirklichkeit können wir nie wissen, was jemand anderes denkt. In Wirklichkeit denken wir es über uns selbst!

Deswegen ist es so wichtig, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich spüre MEINE Urteile, meine Abneigung, meine Liebe – die anderen sind nur meine Spiegel, in denen ich mich selbst besser erkenne. Sobald ich zu mir selbst stehe, unterstützen mich auch die anderen mehr.

Was tun mit den gewonnenen Erkenntnissen?

Du kannst deine Überzeugungen überprüfen. Ich empfehle dir dafür die Methode „The Work“. Dabei stellst du dir zum Beispiel die Frage, „Ist das wirklich wahr?“

Zum Beispiel: Wenn die Frau hinter mir hört, dass ich Hämorrhoiden habe, findet sie mich nicht mehr attraktiv. Ist das wahr? Ja? Und kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Das ist die zweite Frage.

Die dritte Frage lautet: Wie reagiere ich, wenn ich das glaube?

Die vierte Frage lautet: Wer wäre ich ohne den Gedanken?

Durch diese Fragen lockern wir die Überzeugungen in uns auf und schaffen neue Perspektiven in unserer Weltanschauung. Dadurch hören wir fast sofort auf, unter unseren negativen, selbst-ablehnenden Überzeugungen zu leiden, denn sie sind nur noch eine von vielen möglichen Sichtweisen auf uns und die Welt. Ein ganz neues Selbstgefühl, ein neues Selbstbild und Selbstwertgefühl entsteht. Wahre Selbstliebe kann entstehen.

Zumindest öffnet sich die Tür zur Selbstliebe…

Wie überprüfe ich meine Überzeugungen?

Wie genau du The Work machst, erkläre ich in diesem Artikel. In meinem Buch Dich finden, dich lieben, dir vertrauen liest du mehr von mir und meinen Interview-Partnern, wie wir unsere negativen Urteile über uns selbst auf den Prüfstand stellen und auflösen.

Warum ist es so schwer, mich selbst zu lieben? Es ist nicht schwer! Es ist schwer, es nicht zu tun!

 Echte Selbstliebe ist unmöglich, solange ich will, dass niemand weiß, was mit mir los ist! Wie ich wirklich bin! Ich mache aus meinem Selbst ein Geheimnis. Und diese Geheimnisse trage ich ein Leben lang mit mir herum. Ich habe schwer daran zu tragen. 

Es geht nicht darum, dass jeder Mensch auf der Welt jedes Detail meiner Geschichte kennt. Es geht um meine eigene Einstellung zu diesen Details. Wenn jeder sie wissen darf, muss ich sie nicht mehr herumerzählen, um mir selbst etwas zu beweisen. Aber ich kann es tun, wenn ich es will, und muss mich nicht mehr verstecken und verstellen. Auf meine Einstellung kommt es an.

Mein Problem: Ich will, dass mich andere für toll, geil, liebenswert, für okay und niveauvoll halten. Und deshalb kann ich mich nicht selbst lieben. Solange ich mich für mich, meine Vergangenheit oder meinen Körper schäme, verabscheue ich mich tief in mir drinnen – auch, wenn ich es nicht immer bemerke.

Fang an, über deine Geheimnisse zu reden

Mein Bruder und ich haben als Kinder erotische Spiele gespielt und ich hatte Jahrzehnte lang im Kopf, dass das eine Schande war. Dass das nicht normal war, dass ich nicht normal bin! Bis ich hier im Blog darüber geschrieben habe.

Nachdem ich den Artikel veröffentlicht und darüber zu reden angefangen hatte, kamen Leute auf mich zu und erzählten, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Ist das nicht magisch? Auf einmal hatte ich nicht mehr das Gefühl, ein Alien zu sein.

Endlich muss ich das nicht mehr verstecken. Diesen Aspekt meiner Vergangenheit.

Und wenn es mir noch immer unangenehm ist?

Ich sage nicht, dass du morgen alle intimsten Geheimnisse ausplaudern musst. Denn es muss sich gut anfühlen – es muss sich richtig anfühlen, über diese Dinge zu sprechen. Wenn du dich vor dir selbst nicht mehr schämst, ist dir die Meinung anderer auch nicht mehr so wichtig. Dann schämst du dich vor ihnen auch nicht mehr. Dann stehst du zu dir selbst.

Deine Schritte zu mehr Selbstliebe können also in dieser Reihenfolge ablaufen:

  1. Hinterfrage deine Überzeugungen über das, was du nicht sein, tun, denken, fühlen solltest. Über das, was du nicht tun hättest sollen. Und lerne dabei, dich ganz von selbst zu akzeptieren. Diese Übung ist kein Freifahrtschein, andere absichtlich zu verletzen. Es geht um dich und deine Urteile über Aspekte deines Lebens, die du nicht ändern kannst, und die du mit deiner Scham kein Stück besser machst.
  2. Sprich über diese Dinge, für die du dich früher geschämt hast, wenn du dich bereit dazu fühlst. Bemerke dann, was für Leichtigkeit sich breit macht, wenn du diese Dinge nicht mehr aktiv verschweigen und verstecken musst.
  3. Schau genau hin, wo sich noch Widerstand in dir regt: Was dürfen andere nicht über dich wissen? Warum dürfen sie es nicht wissen? Was fürchtest du würde passieren, wenn sie es wüssten? Diese Befürchtungen halten dich davon ab, dich bedingungslos selbst zu lieben. Mit deiner Angst beweist du dir immer wieder selbst: Ich bin nicht okay. Indem du deine Urteile und Ängste neu bewertest, beseitigst du alles, was der Liebe für dich selbst noch im Weg steht.

Mein Buch:

„Dich finden, dich lieben, dir vertrauen

Verwandle Schmerz, Angst und Verzweiflung in Glück, Freude und Selbstbewusstsein. Die Übungen, Rezepte und Gewohnheiten erfolgreicher Menschen

Mehr erfahren (mit Leseprobe)

Foto: Foundry

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