All meine Hoffnungen, alle Kraft und Aufmerksamkeit habe ich in meine Beziehungen gesteckt. Ich habe all meine Freude mit meinen Partnern entdeckt und habe gelernt, was Einsamkeit ist. War als Single so ein bisschen glücklich, so ein bisschen unglücklich, immer so ein bisschen was dazwischen. Ich war irgendwie drauf, aber nicht in diesem Höhenflug – ich hatte gute und schlechte Tage, aber nicht diese kreative und lebensfrohe Energie wie mit meinen Partnerinnen. Geht das nur, wenn ich jemanden „gefunden“ habe? Wie kann ich auch alleine glücklich sein?

Ich will lernen, frei zu sein – mit und ohne dich

Ich war selten so unsicher wie in meinen Partnerschaften. Aber besser, als so leer zu sein, wie ich es als einsamer Wolf war. Oder?

Ich habe mich selten so sehr um jemand anders gesorgt, als in einer Beziehung. Aber besser als mich ständig um mich selbst zu sorgen. Oder?

Ich hatte selten das Gefühl, so viel verlieren zu können und mit so wenig zufrieden sein zu können. Was erschreckend und auch befreiend war, denn allein will ich so viel. So viel, das ich mit dir zusammen nicht brauche. Aber ich hatte ständig Angst, dieses Glück mit dir wieder zu verlieren.

Was will ich von meinen Partnern überhaupt?

Es gibt viel, was ich von dir brauche. Ich brauche deine Liebe. Dass du mir sagst, ich bin okay. Dass du mir gibst, was ich dir gebe. Und wenn du es nicht tust, zerreißt etwas in mir. Das Netz, das mich auffängt und mir die Sicherheit, die Sorglosigkeit gibt, das mich meine Arbeit mit mehr Leidenschaft tun lässt, das mich das Leben voll auskosten lässt.

Bitte nimm mir das nicht weg. Nimm mir nicht weg, was nur du mir geben kannst. Ohne dich kann ich nicht glücklich sein! Und je nach dem, wie groß meine „Liebe“ war, wusste ich: Ohne dich kann ich nicht weiter leben!

Brauche ich dafür wirklich einen Partner?

Nur komisch, dass es davor ging.

Nur komisch, dass ich ganz leicht und frei war ohne den anderen, wenn ich alleine war, bei mir, im Urlaub, in der Arbeit. Komisch, dass es reichte zu wissen: Irgendwo wartet wer auf mich.

Nur komisch, dass ich am Ende so einer Partnerschaft oft nichts mehr wollte, als den anderen wieder loswerden.

Nur komisch, dass die nächste dann genauso oder noch wichtiger war. Mein neues Fallnetz; mein neuer Sinn, meine bessere Hälfte, nach der ich mich sehnte.

Ohne die ich nicht glücklich sein konnte.

Nur komisch, dass ich mich allein immer weniger wohl fühlte, je mehr ich die Zeit mit meiner Partnerin genoss. Als würde sie mir etwas geben, aber auch etwas nehmen.

Echte Liebe ist freiwillig und frei von „Ich brauche dich!“

Stimmt das? Gibt mir eine Beziehung etwas, und nimmt mir im selben Moment etwas? Ich kenne das: vom Rauchen. Von einer Drogensucht. Aber nach was genau bin ich denn da süchtig?

Was genau ist das? Was bekomme ich? Ich fühle mich wieder komplett. Aber wie kann es sein, dass ich alleine scheinbar unvollständig bin? Was ist das für ein „Geschenk“ aus meiner Liebe für den anderen und aus seiner Liebe für mich, wenn sie mich mal glücklich macht, und mal zum Wrack macht? Zum Entzückten, Verliebten, Selbstlosen und Zuvorkommenden. Und allein zum nur halb Glücklichen, oder zum Gelangweilten, zum Seitenspringer, zum Lügner, zum Stalker, zum Kontrollfreak, zum Nervenbündel macht? Zum Deprimierten?

Das Leben bedingungslos gut finden: Geht allein, zu zweit oder zu dritt

Mein Glück kann ganz offenbar nichts mit meinem Partner zu tun haben, wenn ich auch ohne ihn zufrieden sein kann, solang ich weiß (oder meine zu wissen), er ist da. Denn vielleicht ist er gar nicht mehr da, verschwunden, während ich in meinem Büro sitze und glücklich bin. Weil ich mich aufgehoben fühle. Nicht alleine. Weil ich denke: Er oder sie liebt mich. Sie ist für mich da. Sie ist lieb zu mir. Sie will mich!  Ja, das Leben ist gut!

Und in Wirklichkeit bin da nur ich – allein in meinem Büro, glücklich vor Liebe. Eine Liebe für mich und mein Leben, die ich mir selbst gebe. Ich liebe mein Leben, indem ich meinen Partner liebe – weil ich zu einhundert Prozent zustimme, wie mein Leben gerade ist. Diese Liebe ist immer da – sie macht mich aus. Sie wartet darauf, entdeckt zu werden. Allein oder mit einem Partner.

Ich kann sie nicht verlieren, weil sie ein Resultat meines natürlichen Zustands ist: wenn ich frei von Unzufriedenheit und überflüssigen Wünschen und Urteilen über mein Leben bin. Kurz: Wenn ich Ja sage zum Leben. Und weil ich sie nicht verlieren kann, brauche ich mich nicht mehr zu fürchten.

Mich nie wieder allein fühlen

Bin selbst mein Fallnetz, mein doppelter Boden, meine Inspiration, meine Quelle für eine unendliche kreative und lebensfrohe Energie. Danke all meinen Partnerinnen, dass ich das lernen durfte. Und bitte entschuldigt, bitte verzeiht mir, dass ich euch verantwortlich dafür gemacht habe, wenn ich diese  Liebe nicht finden konnte. Ich dachte, ich finde sie in euch, mit euch. Ich dachte, dafür brauche ich euch. Dich! Der Mensch, die Richtige! Und alles, wovon ich dachte, dass du es mir angetan hast – immer wenn ich dachte, dass du mir deine Liebe entzogen und weggenommen hast – das alles hab ich mir selbst genommen. Weil ich mehr als eine Freundschaft wollte. Ich wollte dich besitzen, um das alles nie mehr zu verlieren.

Auch wenn es jetzt dafür zu spät ist, lasse ich dich frei, für mich, ich entlasse dich aus dieser Verantwortung, dass du für mein Glücklichsein und Unglücklichsein verantwortlich bist. Ich kann immer etwas finden, einen Grund, um JA zu meinem Leben zu sagen. Das ist nicht deine Aufgabe. Du musst nicht mein Grund sein. Und das macht mich frei. Und lässt mich noch mehr Liebe für dich empfinden, als jemals zuvor.

Und meiner Partnerin verspreche ich, wie mir selbst, das nicht mehr zu vergessen. Damit aus einer Freundschaft eine wunderschöne Geschichte wird, allein wie zusammen – ohne Angst, mit natürlicher Anziehung, mit zwei Menschen, die jederzeit haben, was sie brauchen und das zusammen genießen.

Ich will nicht alleine sein – und ich bin es nie. Denn ich habe immer mich und meine Beziehung zu mir selbst.

1 Antwort
  1. Nici
    Nici sagte:

    Mir gefällt Dein Artikel sehr gut. Ich wünschte nur, dass könnte ich auch so sehen. Ohne Partner fehlt mir einfach was. Es ist nicht so, dass ich mich nicht selber liebe (wie man immer liest), aber ohne Partner ist einfach alles nur halb so schön! Es fehlt einfach jemand um alles zu teilen!

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