Dieser Artikel ist für alle, die sich fragen: warum? Was macht mir wirklich Spaß? Was gibt meinem Leben Halt, Sinn? Ich habe danach gesucht und nie etwas gefunden. Zum Glück! Dafür etwas viel Besseres: echtes, ungeplantes, undurchdachtes Leben. Jeder kann sich sofort erfüllt fühlen – sogar ganz ohne Alkohol und Drogen, versprochen.

Frustriert? Ratlos? Glückwunsch! Dann ist der Weg frei!

Ich habe für mich gelernt, dass ich mir die Frage nach dem Sinn nicht stellen darf. Nicht will. Wie auch immer. Sie führt ins Nichts, die Frage nach dem Warum. Antworten darauf werden immer nur kurz zufrieden machen. Zumindest war das bei mir so. Ohne einen ausgedachten Sinn zu leben, macht hingegen frei und vielleicht sogar glücklich. Ein Appell an alle, die noch nach dem Sinn des Lebens suchen: ihn nicht zu suchen.

Ich kann den Sinn des Lebens nicht mit meinem Verstand erfassen. Weil Sinn ein menschliches Konzept ist. Leben findet aber einfach statt. Und wir Menschen sind ein Teil des Ganzen. Wir schwimmen mit und können uns über die vermeintliche Sinnlosigkeit beklagen, oder einfach versuchen, so viel Freude wie möglich zu empfinden.

„Kenne dein Warum“ – dieser Tipp macht nicht immer glücklich

Klar hätte ich mir ein großartiges Motiv suchen können. „Die Welt zu einem besseren Ort machen“. „Glücklich sein und anderen Menschen Gutes tun“. „Meinen Kindern einen besseren Planeten überlassen.“

Aber diese Werte, so motivierend sie klingen, fühlten sich für mich so willkürlich an. Leer. Es waren nur Worte. Mich packte nichts davon. Es hätte alles sein können. Und überhaupt: ich war und bin selbstständiger, Unternehmer. Ich war ausgebrannt und es ging verdammt noch mal darum, meine Miete zu bezahlen und dabei etwas zu tun, das mich nicht abstieß oder frustriere. Sondern etwas zu tun, das mir Spaß machte und das wirklich richtig und wichtig war. Was immer dieses Richtig und dieses Wichtig sein sollte.

Wer alles nur als Mittel zum Zweck tut, kann nicht glücklich sein

Ich war es so gewohnt, wie eine Maschine zu arbeiten und hatte einen Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr konnte. Meine Ratlosigkeit ging also viel weiter und mündete in einer Depression:

In mir stiegen befremdliche Gedanken auf. Zum Beispiel: Was bringt es mir, glücklich zu sein? Und konsequent zuende gedacht, hatte ich doch eigentlich Recht: Warum eigentlich glücklich sein? Was bringt mir das am Ende, wenn ich dann doch irgendwann sterbe? Was mache ich mit diesem Glück?

Diese Fragen kreiste in meinem Verstand. Es fühlte sich an, als würde ich von ihnen in ein Loch gerissen. Ein Loch, das direkt ins Nichts, in den Tod führte. Noch jetzt, während ich darüber schreibe, spüre ich die düstere, schwere und trostlose Wirkung dieser Frage. Wie sich meine Brust zusammenzieht und sich die Energie aus meinem Körper verabschiedet. Was bringt es mir, glücklich zu sein? Was kommt danach? Nichts.

Ich war es so gewohnt, Dinge wegen eines bestimmten Grundes zu tun. Aber das Leben hat keinen Grund. Und den braucht es auch nicht.

Der Unterschied zwischen Glück und Unglück

Ich kenne zwei Arten zu leben:

1. Einfach tun, was ich mag, ohne groß darüber nachzudenken. Zum Beispiel schreiben oder Musik machen. Spazieren gehen. Saugen, abwaschen, zur Arbeit fahren. Sich mit einem Freund unterhalten.

2. Nachdenken, was ich tun soll. Nachdenken über den Sinn und das wirklich Wichtige im Leben. Um damit etwas zu finden, was ich vermeintlich mag. Das Leben ist dann reine Theorie. Ich laufe nicht los, sondern grüble. Und ich tue Dinge, die weit unter meinen Möglichkeiten liegen, denn das wirklich gute Leben existiert ja nur in meinen Gedanken. Scheiß Gegenwart; ein Hoch auf die tolle Zukunft! Die Hoffnung auf die Zukunft ist das einzige, was mich dann antreibt. Eine ständige Enttäuschung.

Wenn ich einfach tue, was ich liebe, brauche ich mich nach dem Sinn des Lebens nicht zu fragen. Erst wenn das Leben keinen Spaß macht, wird die Sinn-Frage aktuell.

Viele beantworten sie sich dann mit etwas, das außerhalb von ihnen liegt. Dem Job, der Karriere. Der Religion. Freunden. Familie. Etwas, das ihnen Halt zu geben scheint.

Bei mir war das Warum der Job. Darin fand ich ein Zuhause. Und ich bin heute dankbar, dass sich meine Illusion in Rauch aufgelöst hat, mein Job würde mich glücklich machen.

Alles im Leben kann plötzlich verschwimmen, wegschwimmen, weg sein, sich verändern. Und früher oder später verändert sich alles. Was passiert, wenn das plötzlich nicht mehr da ist, was mir diesen Halt gegeben hat?

Panik. Leere.

Ich mache nie wieder etwas oder jemanden zu meinem Warum

Als Schüler habe ich voller Energie als ehrenamtlicher Redakteur gearbeitet. Das war richtig geil. Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe zwar als 16-Jähriger schon gewusst, was Büro-Stress und 14-Stunden-Tage heißen. Aber es war großartig.

Es war meine Leidenschaft, aber nicht mein Warum. Ich hatte kein Warum. Ich war einfach neugierig und enthusiastisch. Kontaktfreudig. Ja, ein Nerd. Ein Online-Gamer, der Berichte über Computerspiel-Turniere schrieb.

Aber den Sinn habe ich erst später in meiner Arbeit angefangen zu suchen. Ich habe angefangen zu definieren, wie meine Arbeit laufen sollte, anstatt sie einfach weiter zu machen.

Wie meine Firma sein sollte, anstatt sie einfach zu gestalten.

Wie mein Leben werden sollte, anstatt es zu leben und abzuwarten, was kommt.

Und ich habe angefangen, mein Leben diesen Zielen unterzuordnen. So wie ich es schon früher anderen Dingen untergeordnet hatte. Meinen Beziehungen zum Beispiel.

Ich bin immer schneller gelaufen, weil ich so dringend ankommen wollte, und habe die Welt links und rechts von mir nicht mehr wahrgenommen. Aber nichts im Leben ist unwichtig. Alles bringt mich weiter, wenn ich nur aufmerksam bin.

Alles war mir wichtiger als ich selbst

Ich dachte, ich arbeite für mich. Dabei habe ich irgendwann nur noch für eine Vorstellung gearbeitet, in 70-Stunden-Wochen meine Freude am Schreiben verloren und sogar meine Freude am Leben verloren.

Was half? Nur ein Zusammenbruch, gefolgt von einer Depression, der Unfähigkeit weiter an einem Schreibtisch zu sitzen. Ich hatte es noch nicht verstanden, aber mein Körper und alles in mir sagte: Stopp! So, wie du lebst, geht es keinen Schritt weiter. Mein Verstand zog dann nach und kapierte nach ein paar Monaten auch, was hier los war.

Mehr Selbstbewusstsein hat mich gerettet – hier spreche ich über meine Erfahrungen und wie dir das helfen kann

Das Leben nicht mehr aufschieben

Alles andere als JETZT das Leben zu genießen, ist Aufschieberei. Ich schiebe das Leben auf. Das Glücklichsein. Auf eine bessere Zukunft, mit Hoffnung auf eine perfekte Karriere, eine geile Beziehung, ein geiles Leben voller geiler Dinge.

Aber wer nur fürs Wochenende lebt, hasst Montag bis Freitag. Dem Leben einen bestimmten Sinn zu geben, macht es eng. Kleiner, als es ist.

Deprimiert? Sehr gut!

Den Sinn nicht zu sehen, ist also keine Sackgasse, sondern eine Chance. Ich habe vor einigen Jahren angefangen, ein neues Leben zu leben, habe mich von alten Vorstellungen verabschiedet. Habe einfach jeden Tag einen Fuß vor den anderen gesetzt. Und die neuen Geschenke kamen nach und nach, die das Leben schön machen. Auch ohne diese Dinge habe ich gelernt, mit meinem Leben zufrieden zu sein. Geholfen haben mir dabei vor allem die vier Fragen von The Work.

Aber da findet jeder seinen eigenen Weg. Man muss nur loslaufen.

PS: Erzähl mir gerne von deinem (Leidens)Weg in den Kommentaren oder stell mir eine Frage. Vielleicht kann ich dir ein bisschen von meiner bescheidenen Erfahrung weitergeben.

Mein Buch:

„Dich finden, dich lieben, dir vertrauen

Verwandle Schmerz, Angst und Verzweiflung in Glück, Freude und Selbstbewusstsein. Die Übungen, Rezepte und Gewohnheiten erfolgreicher Menschen

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23 Kommentare
  1. Viktoria
    Viktoria sagte:

    Ich bin einfach von Leben erschöpft. Jeden Tag ist es ein Kampf. Ich hab das Gefühl, dass egal was ich mache es sich nicht ändert. Ich hab auch das Gefühl, dass ich die falschen Entscheidungen treffe. Nichts macht Spaß und Sinn.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Viktoria, danke für Deinen Beitrag. Möchtest Du an Deiner Situation etwas ändern? Ich frage so doof, weil ich selbst jahrelang nicht wirklich etwas ändern wollte, sondern einfach nur ein ganz schlechtes Bild von mir hatte. Ich habe mich nicht entschieden: Jetzt reicht es, ich werde nicht mehr leiden, ich entscheide mich dafür, glücklich zu sein.

      Wie ist es bei Dir? Brauchst Du noch Zeit oder willst Du loslegen? Wenn ja, kann ich Dir nur empfehlen, Dich achtsamer mit Deinen Gedanken und Gefühlen zu beschäftigen und vielleicht mal die Selbsthilfe-Technik auszuprobieren, die ich für mich wöchentlich und manchmal täglich anwende (The Work). Du findest dazu etwas in meinem Artikel: https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/

      Antworten
  2. Unbekannt
    Unbekannt sagte:

    Dein Beitrag ist der beste und treffsicherste Beitrag den ich jemals gelesen habe. Ich werde ohne mir jetzt noch weitere etliche Male durchlesen. Mein Problem ist das ich Dinge oft tue um anderen zu gefallen, deswegen hinterlasse ich dir diesen Gruß ohne ein Wort darüber zu verlieren wer ich bin. Um dich und nicht nicht zu bereichern…
    Danke für diesen tollen Artikel.

    Antworten
  3. Carmen Süßmilch
    Carmen Süßmilch sagte:

    Ich finde das irgendwie einen guten Ansatz, aber ich hab jetzt trotzdem keine AHnung was ich tun soll. Im Moment mache ich meine Fachhochschulreife doch weil ich ständig verschlafe, Angst vor den Mitschülern hab und mich auch nicht mehr aufs Lernen konzentrieren kann, bin ich die ganze Woche noch nicht dort gewesen. Zuhause hätte ich auch eine Menge zu tun, Rechnungen überweisen, aufräumen, meinen Kram sortieren, oder endlich mal wieder lernen. Aber ich mache einfach nichts. Ich liege nur im Bett und tippe irgendwas in meinem Handy rum in der Hoffnung, dass ich etwas finde das mir Antrieb gibt. Ich wohne im Moment mietfrei in einem Pfarrhaus, das habe ich mir erarbeitet, dass ich hier wohnen kann, doch un fühle ich mich wie ein Schmarotzer wenn ich währenddessen meinen Pflichten nicht nachkomme. Der Beitrag hat mir jetzt leider auch nicht wirklich geholfen, denn es muss ja irgendwie irgendwann auch mal wieder weiter gehen! Aber wie?

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Carmen, danke für deinen tollen und offenen Kommentar.

      „Es muss irgendwann und irgendwie weitergehen“ – ist das so? Wenn ich mir denke, dass es weitergehen muss, dann habe ich Angst. Dann verkrampfen sich meine Arme und Beine. Ich habe ein dumpfes, drückendes Gefühl im Bauch. Ich setze mich selbst unter Druck und sehe vor meinem inneren Auge, was ich alles noch tun muss und was ich stattdessen die letzten Tage gemacht habe.
      Carmen, ich bin völlig aufgelöst, wenn ich das denke. Wie es ist bei Dir? Wenn Du willst, schau mal, was diese Geschichte mit dir macht. Es muss weitergehen.

      Ohne diesen Gedanken, würde ich hier auf der Couch sitzen und hätte Spaß daran. Ich wäre zufrieden damit, wo ich gerade bin und was ich erreicht und nicht erreicht habe. Mein Körper fühlt sich kraftvoller an und ich habe auch mehr Lust, aufzustehen und etwas zu tun, das mir Freude macht.

      Es MUSS eben nicht irgendwie weitergehen, weil das für mich vielleicht gar nicht der richtige Weg ist. Es muss nicht weitergehen, weil es vielleicht schon in genau die richtige Richtung läuft. Weil ich gerade vielleicht auch einfach mal eine Pause brauche. Weil ich vielleicht einfach Sport machen will. Oder GAR NICHTS.

      Zu denken, dass es weitergehen muss und ich eine faule Sau bin, die nichts auf die Reihe bringt, das lähmt mich. Das setzt mich erst unter Strom und dann hänge ich da, wie ein Kalb, das sich im Elektrozaun verfangen hat.

      Freiheit gibt mir Kraft. Und die Freiheit von diesem inneren Druck, irgendwo hinkommen zu müssen, gibt mir Kraft. Vielleicht laufe ich dann wirklich los und sehe mir selbst dabei zu, wie ich Dinge tue, die echt cool sind.

      Zum Beispiel habe ich diesen Blog gestartet, ohne groß darüber nachzudenken. Nachdem ich monatelang alles vorbereitet habe für eine andere Website, und mir mein Geschäftsparnter nach diesen Monaten die Zusammenarbeit gekündigt hat.

      Ich habe direkt mit diesem blog angefangen und gesagt: okay, dann mache ich es alleine. egal, wie. mal schauen. und jetzt lesen das hier tausende menschen, nicht mal ein jahr später.

      Wenn ich darüber nachgedacht hätte, wie das nur alles wird und dass ich jetzt am Arsch bin ohne diesen cleveren Typen, dann hätte ich GAR NICHTS gemacht 🙂 Wer weiß, wie es gelaufen wäre.

      Hier noch eine echt tolle Geschichte, die mich sehr weitergebracht hat und Mut macht. Vielleicht ist sie auch dir eine Inspiration:

      https://www.youtube.com/watch?v=i73y9we0YpQ

      Antworten
      • Alex
        Alex sagte:

        ,,Und was soll ihr das bringen?“
        Oder viel eher…
        ,,wie soll ihr das zu machen was sie gerne macht und wofür ihr Körper ihr Kraft gibt, ihr mit dem weiterhelfen was sie tun muss um Obdach und Gehalt zu erhalten um zu wohnen und zu essen, wenn nichts von alledem was sie für letzteres tun muss zu dem gehört welches ihr Gehirn mit Freude, Spaß, Energie und Gesundheit belohnt?“ lautet die Frage.

        Ich vermute mal sie würde gerne etwas machen wie Malen, Fotografieren, eventuell Reisen oder Freunde treffen. Und das würde sie eventuell mit viel Kraft und Freude erfüllen und ihr wieder das Gefühl geben lebendig zu sein und ihr ermöglichen das Leben zu genießen.
        Doch das wird ihr nicht Gelingen da sie gewisse Anforderungen zu erfüllen hat, in ihrem Falle für die Schule zu lernen, den alltäglichen Anforderungen nachzukommen und wer weiß was noch, was sie scheinbar nur tut weil sie glaubt zu müssen. Erst Schule, dann Ausbildung, dann arbeiten. Obgleich ihr vermutlich nichts davon Spaß machen wird, die Leere in ihr nur weitere Bereiche innerhalb ihres Bewusstseins einnehmen lassen und ihrer Glieder noch schwerer machen wird.
        Oder sie schafft was du sagst. Sie schafft es trotz ihrer logischen Angst vor den Konsequenzen. Sie macht sich keinen Druck mehr, sie wird nicht mehr lernen wenn es gerade nicht geht und sie sich nur durch Eigenzwang dazu bewegen kann und auch den Anforderungen nicht mehr nachkommen, sie wird nurnoch dass machen was sie möchte und eine schöne Zeit haben… Sie wird auch nicht mehr weiter zu Schule gehen…
        Bis sich die Schule meldet, bis sich ihr Umfeld meldet, bis sie von der Schule fliegt, bis sie aus dem Pfarrhaus fliegt. Bis sie wieder solch starke Angst bekommt oder solch große Not droht dass sie sich wieder zwingt mit der Leere weiterzuleben statt obdachlos zu werden…

        Wie ich Pessimist darauf komme?
        Weil es nach logischen Überlegungen vermutlich so laufen wird. Weil du Geld brauchst um zu leben, weil du Arbeiten musst um Geld zu bekommen und weil du keine andere Wahl hast als dich durch die Arbeit zu quälen um Geld zu verdienen und zu leben wenn du niemanden hast der dich finanziert sodass du frei sein kannst oder keine Kenntnisse und Fähigkeiten hast um einen Job auszuüben welcher dir nicht die Lebenskraft raubt und es auch nicht schaffst diese zu erwerben weil es entweder dein momentanen Umstände nicht zulassen oder du es schlicht einfach nicht schaffst.
        Und weil es mir genau so ergangen ist.
        Mit 13 wurde ich Videospielsüchtig. Mit 18 habe ich selbstständig erkannt das etwas mit mir los ist, dass ich mein Leben verachte, es mich unglücklich macht und ich etwas ändern möchte und muss. Dass ich lieber rausgehe und etwas natürliches unternehmen möchte, eventuell dabei Freunde finde, mich wieder um meinen Körper kümmere und vieles weitere sowie mich beruflisch mit irgendwas befassen möchte, denn ich muss auch irgendwann auf eigenen Beinen stehen, und Geld verdienen. Ich muss.. Ich, du und sie. Wir alle. Es gibt leider Dinge die wir müssen. Unzwar irgendwoher Geld generieren, oder wenn man auf der Straße lebt, Essen, Trinken und Unterschlupf…
        Wir müssen also Dinge tun

        Jedenfalls habe ich mich zusammengerauft und mein Fachabitur angefangen, ich habe das Videospielen seingelassen und den Drang danach bekämpft. Sanft. Mit Entwöhnung, eigenem Zuspruch und versuchter Selbstumprogrammierung. Ich wollte etwas lernen, Spaß am Lernen haben, ein guter Schüler sein, Freunde finden und dabei etwas machen das mir für die Zukunft hilft. Ohne mich dabei zu stressen.
        Das Fachabitur habe ich geschafft. Gerade so. Über die letzten 3 Monate habe ich mich nurnoch geschleppt und bin in eine heftige depressive Phase gerutscht, habe schlecht geschlafen, kaum etwas gefühlt außer Bedrängnis und Niedergeschlagenheit und bin die Treppen teils nurnoch hinaufgekrochen. Meine Konzentrationsfähigkeit schwand, meine Persönlichkeit ging ein, Begraben unter dieser tiefen Niedergeschlagenheit. Das Videospielen wurde immer weniger. Dafür ersetzte ich es durch Serien, Filme und Pornografie.
        Ich gewann etwas Lebensfreude durch die Leute aus dem Sportverein welchem ich damals ca. gen Ende des ersten Halbjahres beigetreten war. Zum ersten mal seit längerem hatte ich wieder Freunde und konnte tatsächlich sogar Spaß haben außerhalb der endorphinverseuchten Videospiel-, Serien- und Filmwelt. Durch den Sport und durch den Sozialkontakt. Das Berühren, das Kabbeln, das Feixen und Lachen. Ich konnte jedoch nicht zum Sport wie ich es wollte oder die Termine vorgaben. Sondern immer nur so wie mein Körper es mir gerade erlaubt hat. Wenn ich also nicht gerade quälend schlapp, niedergeschlagen und energielos war.

        Dann hatte ich ein Jahr frei.
        In dieser Zeit bin ich wieder etwas aufgeblüht. Ich habe mich etwas von der Zeit im Abitur erholt, viel Sport gemacht, an meinen Charakter und an meinen Schwächen gearbeitet und versucht mich nicht davon runterziehen zu lassen dass ich nichts fand was ich machen wollte und konnte um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Hier zu erwähnen: Ich konnte auch Dinge nicht, die ich wollte… Und ich wollte teils nicht, weil ich nicht konnte…
        Immerhin konnte ich glücklich sein. Immerhin ging es irgendwo voran. Meine Ängste schwanden etwas. Ich wurde wieder mutiger, freier, wieder mehr ich. Wieder mehr der Mensch der ich war bevor ich eingeschult wurde – Damals… immer mehr in mich versank und emotional abrutschte weil mich das Sitzen, das Lesen und die enge mich gefühlt einsperrende Kleidung die ich von da an trug unsagbar belasteten(vorher viel bequemes, viel Jogginghosen etc. von da an Jeans etc.) und ich dann zusätzlich ab der dritten Klasse durch meine „über“korrekte Denkweise und philosophische nachdenkliche, liebe und teils wohl „zu“ kindische Art aneckte, zum Ziel von Spot, Missgunst oder einfach genervter Abneigung wurde, mich dem nicht erwehren konnte, zum Außenseiter wurde und sich meine Psyche zusätzlich zu meiner Anfälligkeit für Reize und damit einhergehenden Belastungen Stück für Stück demontierte und ich zu einem ängstlichen emotional verkrüppelten Menschen wurde – und ich hatte eine schöne Zeit.
        Doch nur weil ich mir alle Mühe gab zu Verdrängen bzw. mich nicht davon beeinflußen zu lassen dass ich keine Perspektive hatte in der Lage zu sein zum bestreiten von Lebensunterhalt und allgemein einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Also vor einem essentiellen Problem stand, mit 20, 21 und auch 22 noch zu Hause wohnte und eigentlich mein Erolg nur darin bestand glücklich zu sein, nicht mehr Videospiele zu spielen(Serien und Filme konsumierte ich ab da dann auch immer weniger. Jedoch mit immer wieder kehrenden Rückschlägen in denen ich teils 2,3,4 Tage nur rumlag, glotzte und aß wenn mein Hungergefühl so stark wurde dass es mir die Erfahrung des Serien und Film Schauens trübte) und nicht auf der Straße zu leben.
        Btw. Selbiges Phänomen was mich auf belastende einschränkende Weise schmerzlich empfänglich für eig. harmlose Reize wie ein stickiger Raum, enganliegende Klamotte und z.B. Hintergrundgeräusche während ich versuche mich zu Konzentrieren macht und mich negative emotionen unverhältnisgemäß stark und einschränkend Empfinden lässt, war jenes welches mir den regelmäßigen Schulgang zur Qual machte und eig. alles bei dem ich wenig Ruhe, Rückzug, Zeit zum Verarbeiten und die Möglichkeit bekam mir die Dinge so einzuteilen wie ich es brauche. Kurz. Es mir unmöglich machte im System so wie wir es haben bzw. im Leben und seinen Anfroderungen zu bestehen.

        Dieses Glück wurde immer wieder durchbrochen von depressiven Phasen in denen ich es nicht schaffte mich von meiner düsteren Zukunft abzuwenden. Doch es ging. Ich machte, ich tat und ich entwickelte mich, wurde etwas belastbarer und machte „normale“ für mich substanzvollere Dinge, lernte etwas in dem Sport in dem ich tätig geworden bin statt nur rumzuliegen und zu konsumieren, mich und meinen Schmerz betäubend und mich vor der für mein Empfinden grausamen/schmerzhaften „Welt“ zurückziehend. Und ich arbeitete weiter an mir, versuchte durch positives Denken, Affirmation, Umgewöhnung, Konditionierung und anderem meine Psyche, mich, zu stärken und ungesundes Verhalten zu finden und abzulegen.
        Bis der Punkt kam an dem es hieß ,,du machst jetzt eine Ausbildung oder du fliegst raus“ und ich so devot wie ich einst noch war augenblicklich zustimmte. Auch weil ich meiner Mutter gegenüber eine große Schuld empfand und mir selbst gegenüber weil ich die Zeit nicht genutzt hatte um mir etwas vernünftiges zu suchen sodass ich vor Scham nur kopfnickend alles akzeptierte und versuchte mich in das Setting hineinzurenden sowie wer weiß was mich da noch geritten hatte. So landete ich dann in einer Ausbildung mit WG außerhalb Berlins. Diese konnte ich nicht beziehen da sich Jobcenter und Bafög-Amt gegenseitig das Geld abzwackten und nicht einmal genug Geld fürs Schulgeld blieb. Ein guter Freund meiner Mutter sprang ein und finanzierte mir den Rest des Schulgeldes.
        Ich zog die Ausbildung durch. Von Berlin nach Brandenburg pendelnd. Um 5 auf. 1 1/2 Stunden hin, Schule, 2 Stunden zurück. Zwei Jahre lang. Dazu eine Dreckschule. Ein dieser Fallen die sich Schule nennen den Schülern aber nur halbe Scheiße vorlegen um ans Bafög zu kommen und ein Klientel anlockend welches sowieso nichts lernen möchte etc. etc.
        Nun habe ich eine Ausbildung. Habe mit 1,5 abgeschloßen. Ich habe mich in den zwei Jahren noch zusätzlich weiterentwickelt weil ich zusätzlich zum Emotionalen auch an meiner körperlichen Belastbarkeit gearbeitet hatte(wodurch ich die Ausbildung überhaupt überstehen konnte) und mir meine Freunde und die Arbeit im Verein Kraft gab.
        Doch ich habe kaum gelernt, denn der Unterricht und der Stoff war kaum zu gebrauchen und alles was ich gelernt habe, war nur für den Test und unter großer Anstrengung durch den Schlafmangel und die Belastung hindurch aufgenommen, im Test wiedergegeben und verloren denn schon kam der nächste Teil, der nächste Block, der nächste Test.
        (btw. es war ein Sportberuf. Keiner meiner Mitschüler arbeitet nun im Sportbereich. Nicht einer..)

        Ich habe nun 2 Jahre in denen ich Leistungsfähiger wurde für eine Ausbildung genutzt die mir nichts bringt und bin durch diese Zeit so beschädigt dass ich nicht die Kraft habe noch einmal irgendetwas zu machen. Weder eine weitere Ausbildung, ein Studium oder reguläre Arbeit.
        Mein Schlaf ist nicht mehr erholsam, ich kann mich weniger konzentrieren den je, habe kaum noch Kraft. Körper und Kognition versagen langsam immer mehr. Es wirkt womöglich nicht so…
        Obgleich ich momentan nur 2 Tage die Woche arbeite.

        Ich bin so ziemlich am Ende und gen November droht mir die Obdachlosigkeit. Denn dann werde ich vor die Tür gesetzt. Bis dahin soll ich einer geregelten Tätigkeit nachgehen und mich selbst finanzieren können.
        Einfach leben und das tun was ich brauche, mir gut tut und mir wenigstens etwas Kraft und Freude verleiht hilft mir nicht weiter. Die Zeit läuft und Geld wächst nicht auf den Bäumen.
        Zumal ich so fertig bin das selbst der Alltag mir schon zu viel ist. Allein darüber nachzudenken was ich nun heute kochen könnte bereitet mir Kopfschmerzen da mein Gehirn nachhaltig überlastet ist + vieles weiteres.

        Weshalb schreibe ich das jetzt?
        Ich habe keine Ahnung
        Bringt es dir oder ihr etwas?
        Vermutlich eher weniger… *lach* Im Gegenteil

        Ich schreibe vermutlich weil es mich irgendwo mit Wut erfüllt wenn ich Ratschläge höre wie ,,mach einfach was dir gut tut, verzeihe dir deine Fehler und arbeite an dir“ und die Realität dass es Menschen gibt die schon an den Dingen die sie zum Überleben tun MÜSSEN zugrunde gehen außen vor gelassen wird. Denn diese Dinge können sie nicht einfach mal so liegen lassen.
        Deshalb dachte sich etwas in mir wohl einmal etwas dazu zu sagen und hat dann gleich noch meine Lebensgeschichte dazugerotzt…

        I dont know.

        Mir gefällt dennoch das du scheinbar anderen Menschen helfen möchtest und ich möchte nicht sagen du sollst aufhören. Ich habe jedoch das Bedürfnis dir zu wiedersprechen und die Gelegenheit auszunutzen um einmal mein Leid in die Welt hinauszutragen

        LG

        Antworten
        • Gidon Wagner
          Gidon Wagner sagte:

          Hallo Alex,

          danke für Deinen Kommentar, den ich mir gerade durchgelesen habe.
          Ich habe keine Ratschläge für Dich oder irgendwen anders außer mir. In diesem Blog erzähle ich davon, was mir hilft und wie ich die Welt sehe, nachdem ich sie aus einer neuen Perspektive kennengelernt habe.

          Ich erkenne mich in viel von dem wieder, was Du schreibst. Ich bin oft damit beschäftigt, mir über mich selbst Sorgen zu machen und finde so allerhand „komische“ und „nicht normale“ oder „kranke“ Dinge an mir.

          Ich habe mehrere Jahre mit täglichen Panikattacken gelebt. In dieser Zeit stand ich vor der Wahl, irgendwie zugrunde zu gehen, oder mir selbst zu helfen. Und habe mich für letzteres entschieden. Habe nicht mehr drauf gehört, was mir andere empfohlen haben, sondern immer mehr auf mich selbst. Und ich bin noch lange nicht dort, wo ich ganz ich selbst bin, wo ich frei vom Verlangen bin, anderen zu gefallen.

          Ich war auch ein chronischer Wahrsager: Ich wusste eines immer ganz sicher – etwas Furchtbares wird mit mir geschehen. Der ständige Blick in die schreckliche Zukunft hat mir Panik gemacht, und zwar jeden einzelnen Tag, ständig konnte es losgehen und ich völlig neben mir stehen. Ich hatte Angst, verrückt zu werden, einfach tot umzufallen, nichts mehr zu spüren, passiv zu werden, eingesperrt im eigenen Körper.

          All diese Ängste, all diese Sorgen, all diese Probleme können JETZT verschwinden, wenn ich aufhöre, sie zu füttern. Wenn ich aufhöre, mich schon tot, verrückt, obdachlos und allein vorzustellen. Wenn ich wieder anfange, in der Realität zu leben.
          Hier sitzt jemand, der hat Wünsche, Träume, Ängste. Manche würden für drei Selbstmorde reichen. Andere machen mich rastlos und ausgebrannt. Andere einfach nur unglücklich.

          Aber ich habe eine ganz wichtige Sache gelernt: Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht das, was ich denke. Nicht das, was ich befürchte, mir wünsche, was ich will oder nicht will.
          Diese Gehirnfürze bin nicht ich.

          Und ich mache mich jeden Tag ein bisschen mehr frei davon. Und dann kann das Leben wieder passieren, frei von den Schatten, die mir einen Großteil meines Lebens folgten, immer über mir, immer zuständig dafür, dass ich das Leben kontrollieren wollte, weil ich es so furchtbar angsteinflößend fand. Diese Kontrolle und dieser Blick aufs Leben ließ mich nicht mehr das Schöne sehen. Und wenn ich das Schöne nicht sehe, kann ich gleich sterben gehen. Mein Leben in Angst war nicht lebenswert und wenn ich keinen Ausweg gefunden hätte, weiß ich nicht, ob ich heute hier schreiben würde.

          Ich war so am Ende, dass ich offen war für neue Perspektiven aufs Leben. Allem voran die Frage: Wer bin ich wirklich?
          Alex, auch ich schleppe mich nicht selten durchs Leben. Ich vergesse, wer ich bin, und bin in meinen Emotionen gefangen, reagiere nur noch, bin die Wut, bin die Depression. Und dann nehme ich mich einen stillen Moment Zeit und komme wieder mit mir in Kontakt. Und mein größter Wunsch ist, das leben zu können. Nicht nur zuhause zu sitzen und schlau daher zu reden oder zu schreiben, sondern wirklich zu LEBEN, wer ich bin.

          Viel mehr als das Produkt von Gesellschaft, Schule und Familie. Sondern ein Bewusstsein, das sich selbst in allem und jedem anderen Menschen erkennen kann. Durch das das Leben passiert. Ein Bewusstsein, das sich nicht mehr als traurige und erbärmliche und verletzliche Figur wahrnimmt, sondern als die Quelle des Lebens erkennt, die Quelle jeder Figur, die Basis, stiller Teil der Natur, Lebensfreude, Liebe.

          Ich schreibe diesen Blog nicht als Ratgeber. Ich schreibe ihn für mich und mit dem Ziel, dass meine Worte und Gedanken vielleicht anderen eine Inspiration, eine kleine Hilfe für den eigenen Weg raus aus Angst, Sorgen und Kraftlosigkeit sein können.

          Wenn das nicht so ist, dann tut es mir aufrichtig leid, Deine Zeit zu verschwenden. Und ich möchte mir nicht anmaßen, das Recht und die Weisheit zu besitzen. Ich kann nur für mich sprechen. Aber ich möchte etwas schaffen, das anderen weiterhilft.

          Ich möchte etwas tun, das Sinn macht. Und Sinn macht für mich nur, anderen eine Hilfe zu sein – so wie mir selbst. Dann fühle ich mich verbunden und als Teil eines Ganzen, nicht allein und isoliert. Dann bin ich, wer ich wirklich sein will.

          Antworten
          • Lara
            Lara sagte:

            Hey Gidon, hey Alex. Ich mach es kurz weil man ja durch diese textverschiebung kaum mehr was lesen kann. Eure Offenheit hat heute einem Menschen (mir) den Tag etwas erträglicher gemacht. Man ist nicht alleine, das ist viel wert… vielen Dank!

          • Gidon Wagner
            Gidon Wagner sagte:

            Hi Lara, danke vielmals für deinen Kommentar! Es ist schön zu wissen, dass du hier antworten für dich findest. 🤗

            Gibt es denn noch etwas, das du gerne wissen möchtest, auf das ich vielleicht noch etwas sagen kann? Magst du uns dein Problem schildern oder etwas fragen?

            Liebe Grüße,
            Gidon

  4. Sandra
    Sandra sagte:

    Hallo Gidon, ich stecke auch fest in der Antriebslosigkeit, Depression, Ängste, Isolation und leide unter dem Helfersyndrom. Ich bin glücklich wenn ich jemandem helfen kann, aber oft ist es einfach zu viel und die anderen wollen das gar nicht. Ich suche nach Wertschätzung und Anerkennung, nach Liebe. Gibt es nichts wo ich helfen kann oder werde sogar abgewiesen, zieht mir einer den Stecker, habe keine Energie und Kraft mehr, völlig antriebslos und schlapp. Ich habe keinen Spaß mehr am Leben und fühle mich alleine und nutzlos. Meine Beziehung endete mit den Worten: Tolle Frauen lachen! und Putzfrauen sind unattraktiv! – nur weil ich versuchte alles zusammen zu halten, Haus, Garten, Job, Nebenjob und Kind. Ergo: Ich hatte mich vergessen! So geht es mir ständig. Ich leiste etwas um geliebt zu werden, wird das nicht wertgeschätzt oder sogar kritisiert, werde ich völlig depressiv und finde an nichts mehr Spaß. Ich arbeite schon lange an Selbstliebe und Selbstwert, doch es gelingt mir nicht, wahrscheinlich wie Du oben schon beschrieben hast, mit zu viel Druck. Einfach ich sein versuche ich ja, trotzdem fehlt mir die Energie und Lust zum leben. Was mir jetzt Auftrieb gibt, am Wochenende kommt mein unheilbar erkrankter Freund zu mir der sehr viel Hilfe braucht und auch dankbar dafür ist, gleichzeitig aber auch meine Ängste schürt – schaffe ich das? Es ist zum verrückt werden. Ich leide sehr. Ich war jetzt 2 Wochen krank geschrieben wegen Depressionen, Montag muss ich wieder ran und habe gar keinen Antrieb. Wenn ich nur an meinen langweiligen Schreibtischjob denke, geht mir meine Energie direkt flöten. Ich bräuchte einen neuen Job, aber in meinem Zustand sich bewerben? Alles Sch …. gerade.

    Liebe Grüße Sandra

    Antworten
  5. krishan
    krishan sagte:

    Es ist schon erstaunlich, wie vielen Menschen es genau so geht. Es ist aber auch beruhigend, wenn man wie ich auf der Suche aus Verzweiflung auf deine Seite kommt, Gigeon und dort von vielen anderen liesst, was einem selbst in endlosen Gedankenschleifen durch den Kopf geht. Zweifel, Verzweiflung, Angst vor dem Scheitern, Panik, unerfüllbare Ansprüche, Träume, die Sehnsucht, gesehen oder gebraucht zu werden, Liebe, Gedanken daran, alles zu beenden…halt das ganze Leben-das beschäftigt nicht nur mich….Oft erwischt es die Sensibelen, diejenigen, die sich sowieso Fragen stellen. Es kann eine Chance sein aber es ist nicht einfach. Manche schaffen es nicht und geben auf. Ich selbst arbeite seit mehr als einem Jahr an der Selbstliebeund Akzeptanz. Es ist keine einfache Sache, der man sich da stellt, denn es ist ja das eigene Leben. Da ist dann nicht nur ein Hebel unzuschalten oder eine Tablette zu nehmen, damit alles wieder gut wird. Sondern, es wird viel arbeit, denn meistens hat sich einiges angesammelt…und die Energie, die Zweifel und Verzweiflung zu übertuschen und sich selbst und die Umgebung zu täuschen, hat alle Energie verbraucht.

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    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Vielen Dank, gut auf den Punkt gebracht! Mich uns die anderen interessiert sicher, was du für dich tust! Wie findest du Selbstliebe und Akzeptanz? Bzw. was hat dich davon weggebracht und was tust du, um zurück zu finden?

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  6. Sinnsuche
    Sinnsuche sagte:

    Hallo Gidon,
    danke für die Gelegenheit, mit dir u. anderen über diese Dinge in Austausch zu kommen. Ich habe sonst vor allem nur bei meinem Mann Gelegenheit über solche Dinge zu sprechen. Sonst kann ich maximal noch bei meinem Bruder, meiner Mutter, einem Freund und einer Freundin, – die ich leider viel zu selten sehe über so tiefgreifende/gefühlsmäßige Sachen offen reden. Eine andere gute Freundin, die mich in vielem versteht, wohnt weit weg und wir sehen uns nur ca. 1 x pro Jahr, sie ist auch sehr busy. Eine weitere Freundin hält sich derzeit fern auch wenn sie im selben Ort lebt. Die war auch schon immer busy und hat sich schon immer sehr zurückgezogen, hat selten Zeit und ist ständig überarbeitet und gleichzeitig auf maximale Freiheit aus.

    Ich habe auch Alex‘ Post gelesen und konnte mich irgendwie gut hineinversetzen. Ich teile seine Meinung dass man halt weitermachen muss, dass man nicht einfach der Arbeit o.Ä. fernbleiben darf und man durchhalten sollte bis man z.B. im Urlaub mal Gelegenheit bekommt für sich auf Reset zu drücken. Am Abend bin ich jetzt aber schon mal am gucken ob ich es mit neh Ehrenamt probiere. Das würde ich dann schon als eine Art „Sinn“ verstehen, anstelle dass mein Sinn wäre die Dinge einfach laufen zu lassen (dann wäre ich wohl eher vor der Glotze).

    Viel Grüße
    Sinnsuche

    Antworten
  7. Benni
    Benni sagte:

    Hey,
    Ich freue mich hier jemanden gefunden zu haben wo ich das Gefühl habe mich versteht jemand! Ich bin noch junge 16 Jahre alt! Ich gehe auf ein Gymnasium bin normalerweise mega kommunikativ und liebe Musik. Es gibt nichts was mir mehr Spaß macht als Menschen kennenzulernen oder auf Konzerte zu gehen oder z.B eine Messe wie (auch nächste Woche wieder) die Gamescom zu besuchen und da Leute kennenzulernen. Doch seit ein paar Monaten kreist in mir immer dieser Zweifel warum ich solche Sachen tue Vorallem in der Hinsicht Geld. Ich frage mich andauernd ob es das Geld wert ist was ich tue und fühle mich sofort schlecht wenn ich etwas ausgebe.Warum fahre ich auf diese Messe? Ist es das Geld wirklich wert? Das macht mir den Spaß kaputt ich habe ein schlechtes Gewissen und hinterfrage warum man sowas überhaupt macht? Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll bzw. ich kann es einfach nicht beschreiben…

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    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Benni, wir können alles infrage stellen, auch den Wert einer Messe oder eines Spiels.

      Ich habe mich zum Beispiel in meiner tiefsten Depression gefragt: „Was bringt es, glücklich zu sein?“

      Tja, Benni, ich kann dir auch heute noch nicht sagen, was es bringt. Was soll ich darauf auch für eine bescheuerten Antwort finden außer: glücklich sein bringt glücklich sein. Was soll danach schon groß kommen?

      Wir können also alles hinterfragen. Du könntest dich beim nächsten Mal genauso fragen:
      „Ist es das Geld wert, da nicht hin zu fahren?”

      Diese Frage könnte dir helfen aber solange du tief in dir glaubst, dass „es“ oder „du“ das Geld nicht wert seid, wirst du diese Zweifel und damit verbundenen Gefühle haben.

      Es geht also darum, deinem Verstand, deinem Gehirn genügend Gegenbeweise zu liefern. Dabei hilft es aufzudecken, dass der ursprüngliche Gedanke (der dich ins Zweifeln gebracht hat) nicht wahr ist. Welcher Gedanke ist das bei dir? Welche Gedanken (es sind meistens mehrere)? Wo ist dein Beweis, der Grund, dass das Event das Geld nicht wert ist?

      Die Beweise / Gründe schreibst du auf und machst dann „The Work“ damit, die Selbsthilfe-Technik, mit der ich solche stressigen Gedanken und Gefühle auflöse. Du findest mehr Infos zu The Work in diesem Artikel von mir: https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/

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  8. Claudia
    Claudia sagte:

    Hallo, ich habe mich ebenfalls im Leben verfangen. Habe seit 5 Jahren einen Freund und er möchte schon länger den nächsten Schritt machen. Hausbau, Kinder, Hochzeit. Keine Ahnung warum, aber ich kann es nicht. Vegetier hier zu Hause oft vor mich rum und fühl mich nur unter Druck gesetzt. Aber in Wirklichkeit ist es aufschieberei. Ständig die Gedanken, dass es noch einen besseren Typen geben würde… aber ich glaube wenn er weg wäre würde für mich eine Welt zusammen brechen. Hab das Gefühl, ich leb in meiner Gedankenwelt und bekomme die Realität nicht auf die Kette.

    Antworten
  9. Liz
    Liz sagte:

    Hallo Gidon,
    Ich bin gestern in meiner Verzweiflung auf Deine Website gestossen und habe gerade diesen Artikel zuende gelesen. Vielen Dank dafür.
    Warum überrascht es mich nicht, dass irgendwann „The Work“ als Stichwort fiel ? 😉 Bin gerade selber jeden Tag dabei, zu worken , war diesen Sommer sogar in der School. Absolut „mindblowing“. Trotzdem gibt es noch was zu tun , sonst würde es mir jetzt nicht so schlecht gehen. Ich finde die Idee, sich von einem „Sinn“ im Leben zu verabschieden und ganz einfach dem eigenen Enthusiasmus (oder wie Katie sagen würde „follow the simple directions“) zu folgen so unglaublich entlastend.
    Liebe Grüße
    Liz

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Liz,

      ich habe ein halbes Jahr lang täglich „geworkt“. Und in Phasen mach ich das immer noch so häufig. Langsam bin ich darin auch so routiniert, dass ich nicht mehr jedes Thema aufschreiben muss, sondern einzelne Themen auch mal im Kopf bearbeiten kann. Zum Beispiel beim Spazieren gehen, beim Sport machen, beim Aufräumen, beim Duschen, oder wenn ich gerade mal daliege und nichts mache.

      Das „Geheimnis“ ist dranbleiben und immer tiefer graben. Und GENAU sein. Das hab ich in meiner Ausbildung zum Begleiter gelernt. So GENAU und präzise wie möglich das Arbeitsblatt ausfüllen und auch ganz genau auf die Fragen antworten. Nichts mehr unentdeckt lassen, keinen gespenstischen Glaubenssatz mehr unbemerkt für Unglück sorgen lassen. Wie ein Detektiv mit genauem, strengem Blick hinschauen, was weh tut. Und trotzdem dabei freundlich zu mir selbst bleiben. Mich zu nichts zwingen und wenn ich müde oder erschöpft bin auch mal Pause machen. The Work ist harte Arbeit, aber das brauche ich Dir nicht erzählen nachdem Du bei einer „School for the Work“ warst. 😉

      Du bist auf jeden Fall nicht allein damit. Eine Freundin war glaube ich auf drei Schools und hat trotzdem ihre Themen, die wieder kommen, wenn sie wieder weniger Reflektiert. Ist ja auch einfach zu verlockend, ein paar Serien zu schauen oder ein Buch zu lesen anstatt Arbeitsblätter auszufüllen 😀

      Deswegen finde ich Katies Spruch so gut: Mach The Work zum Frühstück.

      Liebe Grüße,
      Gidon

      Antworten
  10. Anette
    Anette sagte:

    Ich frage mich immer für was 🤔 und komme überhaupt nicht in die Pötte. Fühle mich total unnütz und kann mich nicht mehr erinnern wann ich mich mal so richtig gefreut habe und weinen geht auch nicht mehr

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Anette,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Jede Antwort auf Deine Frage „Für was?“ kann nur ein kleines Stück vom Kuchen des Lebens sein. Heute denke ich: DESWEGEN tu ich alles. DAS ist mir wichtig. Morgen habe ich es vielleicht schon vergessen und denke etwas anderes.
      Die Suche nach dem Sinn des Lebens führt uns immer nur im Kreis unserer Gedanken. Wir geben dem Leben einen Sinn, oder nicht. Da ist nichts, wenn wir es nicht benennen!
      Ich frage mich kaum noch, warum ich tue was ich tue. Ich mach es einfach. Ich mache das, was Spaß macht. Wie ein Kind. Und das hält mich fern von Depression, das lässt mich in die Pötte kommen. Manchmal mehr, manchmal mit weniger Energie.

      Für mich ist Frieden wichtiger als helle Aufregung und manisches Freuen über etwas. Klar ist es schön, sich über die Dinge, Menschen und Momente im Leben zu freuen. Aber erst muss der Frieden kommen. Ich war jahrelang im Krieg mit der Welt und bin es zum Teil immer noch. Was ich über andere und mich glaube, hält mich fest im finsteren Tal. Solange ich da bin, kann ich nicht ich selbst sein. Der, der ich wirklich bin. Der, der ich wirklich bin, tief in mir drin, ist schon jetzt zufrieden und glücklich. Glück ist die Abwesenheit jedes NEINS zum Leben. Ein bedingungsloses JA zum jetzigen Moment, der ja eh schon da ist und an dem ich sowieso nichts ändern kann.

      Die Scham und der Frust über die eigene Depression lässt uns nur noch mehr leiden. Wann hast du dir das letzte Mal verziehen dafür, wie du dich fühlst? Du bist nicht allein mit deinen Gefühlen und Gedanken und es ist in Ordnung. Es ist nichts falsch mit dir. Es ist im Gegenteil alles so richtig, wie es nur sein kann. Du bist zu 100 Prozent so, wie du sein sollst. Jeder ist unglücklich, wenn er denkt… es macht alles keinen Sinn, etc. Wenn du dir dafür verzeihst, wie es dir geht und was du tust (oder nicht tust), kommt die Freude vielleicht dann ganz von selbst.

      Liebe Grüße,
      Gidon

      Antworten

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