Dieser Artikel ist für alle, die sich fragen: warum? Was macht mir wirklich Spaß? Was gibt meinem Leben Halt, Sinn? Ich habe danach gesucht und nie etwas gefunden. Zum Glück! Dafür etwas viel Besseres: echtes, ungeplantes, undurchdachtes Leben. Jeder kann sich sofort erfüllt fühlen – sogar ganz ohne Alkohol und Drogen, versprochen.

Frustriert? Ratlos? Glückwunsch! Dann ist der Weg frei!

Ich habe für mich gelernt, dass ich mir die Frage nach dem Sinn nicht stellen darf. Nicht will. Wie auch immer. Sie führt ins Nichts, die Frage nach dem Warum. Antworten darauf werden immer nur kurz zufrieden machen. Zumindest war das bei mir so. Ohne einen ausgedachten Sinn zu leben, macht hingegen frei und vielleicht sogar glücklich. Ein Appell an alle, die noch nach dem Sinn des Lebens suchen: ihn nicht zu suchen.

Ich kann den Sinn des Lebens nicht mit meinem Verstand erfassen. Weil Sinn ein menschliches Konzept ist. Leben findet aber einfach statt. Und wir Menschen sind ein Teil des Ganzen. Wir schwimmen mit und können uns über die vermeintliche Sinnlosigkeit beklagen, oder einfach versuchen, so viel Freude wie möglich zu empfinden.

„Kenne dein Warum“ – dieser Tipp macht nicht immer glücklich

Klar hätte ich mir ein großartiges Motiv suchen können. „Die Welt zu einem besseren Ort machen“. „Glücklich sein und anderen Menschen Gutes tun“. „Meinen Kindern einen besseren Planeten überlassen.“

Aber diese Werte, so motivierend sie klingen, fühlten sich für mich so willkürlich an. Leer. Es waren nur Worte. Mich packte nichts davon. Es hätte alles sein können. Und überhaupt: ich war und bin selbstständiger, Unternehmer. Ich war ausgebrannt und es ging verdammt noch mal darum, meine Miete zu bezahlen und dabei etwas zu tun, das mich nicht abstieß oder frustriere. Sondern etwas zu tun, das mir Spaß machte und das wirklich richtig und wichtig war. Was immer dieses Richtig und dieses Wichtig sein sollte.

Wer alles nur als Mittel zum Zweck tut, kann nicht glücklich sein

Ich war es so gewohnt, wie eine Maschine zu arbeiten und hatte einen Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr konnte. Meine Ratlosigkeit ging also viel weiter und mündete in einer Depression:

In mir stiegen befremdliche Gedanken auf. Zum Beispiel: Was bringt es mir, glücklich zu sein? Und konsequent zuende gedacht, hatte ich doch eigentlich Recht: Warum eigentlich glücklich sein? Was bringt mir das am Ende, wenn ich dann doch irgendwann sterbe? Was mache ich mit diesem Glück?

Diese Fragen kreiste in meinem Verstand. Es fühlte sich an, als würde ich von ihnen in ein Loch gerissen. Ein Loch, das direkt ins Nichts, in den Tod führte. Noch jetzt, während ich darüber schreibe, spüre ich die düstere, schwere und trostlose Wirkung dieser Frage. Wie sich meine Brust zusammenzieht und sich die Energie aus meinem Körper verabschiedet. Was bringt es mir, glücklich zu sein? Was kommt danach? Nichts.

Ich war es so gewohnt, Dinge wegen eines bestimmten Grundes zu tun. Aber das Leben hat keinen Grund. Und den braucht es auch nicht.

Der Unterschied zwischen Glück und Unglück

Ich kenne zwei Arten zu leben:

1. Einfach tun, was ich mag, ohne groß darüber nachzudenken. Zum Beispiel schreiben oder Musik machen. Spazieren gehen. Saugen, abwaschen, zur Arbeit fahren. Sich mit einem Freund unterhalten.

2. Nachdenken, was ich tun soll. Nachdenken über den Sinn und das wirklich Wichtige im Leben. Um damit etwas zu finden, was ich vermeintlich mag. Das Leben ist dann reine Theorie. Ich laufe nicht los, sondern grüble. Und ich tue Dinge, die weit unter meinen Möglichkeiten liegen, denn das wirklich gute Leben existiert ja nur in meinen Gedanken. Scheiß Gegenwart; ein Hoch auf die tolle Zukunft! Die Hoffnung auf die Zukunft ist das einzige, was mich dann antreibt. Eine ständige Enttäuschung.

Wenn ich einfach tue, was ich liebe, brauche ich mich nach dem Sinn des Lebens nicht zu fragen. Erst wenn das Leben keinen Spaß macht, wird die Sinn-Frage aktuell.

Viele beantworten sie sich dann mit etwas, das außerhalb von ihnen liegt. Dem Job, der Karriere. Der Religion. Freunden. Familie. Etwas, das ihnen Halt zu geben scheint.

Bei mir war das Warum der Job. Darin fand ich ein Zuhause. Und ich bin heute dankbar, dass sich meine Illusion in Rauch aufgelöst hat, mein Job würde mich glücklich machen.

Alles im Leben kann plötzlich verschwimmen, wegschwimmen, weg sein, sich verändern. Und früher oder später verändert sich alles. Was passiert, wenn das plötzlich nicht mehr da ist, was mir diesen Halt gegeben hat?

Panik. Leere.

Ich mache nie wieder etwas oder jemanden zu meinem Warum

Als Schüler habe ich voller Energie als ehrenamtlicher Redakteur gearbeitet. Das war richtig geil. Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe zwar als 16-Jähriger schon gewusst, was Büro-Stress und 14-Stunden-Tage heißen. Aber es war großartig.

Es war meine Leidenschaft, aber nicht mein Warum. Ich hatte kein Warum. Ich war einfach neugierig und enthusiastisch. Kontaktfreudig. Ja, ein Nerd. Ein Online-Gamer, der Berichte über Computerspiel-Turniere schrieb.

Aber den Sinn habe ich erst später in meiner Arbeit angefangen zu suchen. Ich habe angefangen zu definieren, wie meine Arbeit laufen sollte, anstatt sie einfach weiter zu machen.

Wie meine Firma sein sollte, anstatt sie einfach zu gestalten.

Wie mein Leben werden sollte, anstatt es zu leben und abzuwarten, was kommt.

Und ich habe angefangen, mein Leben diesen Zielen unterzuordnen. So wie ich es schon früher anderen Dingen untergeordnet hatte. Meinen Beziehungen zum Beispiel.

Ich bin immer schneller gelaufen, weil ich so dringend ankommen wollte, und habe die Welt links und rechts von mir nicht mehr wahrgenommen. Aber nichts im Leben ist unwichtig. Alles bringt mich weiter, wenn ich nur aufmerksam bin.

Alles war mir wichtiger als ich selbst

Ich dachte, ich arbeite für mich. Dabei habe ich irgendwann nur noch für eine Vorstellung gearbeitet, in 70-Stunden-Wochen meine Freude am Schreiben verloren und sogar meine Freude am Leben verloren.

Was half? Nur ein Zusammenbruch, gefolgt von einer Depression, der Unfähigkeit weiter an einem Schreibtisch zu sitzen. Ich hatte es noch nicht verstanden, aber mein Körper und alles in mir sagte: Stopp! So, wie du lebst, geht es keinen Schritt weiter. Mein Verstand zog dann nach und kapierte nach ein paar Monaten auch, was hier los war.

Das Leben nicht mehr aufschieben

Alles andere als JETZT das Leben zu genießen, ist Aufschieberei. Ich schiebe das Leben auf. Das Glücklichsein. Auf eine bessere Zukunft, mit Hoffnung auf eine perfekte Karriere, eine geile Beziehung, ein geiles Leben voller geiler Dinge.

Aber wer nur fürs Wochenende lebt, hasst Montag bis Freitag. Dem Leben einen bestimmten Sinn zu geben, macht es eng. Kleiner, als es ist.

Deprimiert? Sehr gut!

Den Sinn nicht zu sehen, ist also keine Sackgasse, sondern eine Chance. Ich habe vor einigen Jahren angefangen, ein neues Leben zu leben, habe mich von alten Vorstellungen verabschiedet. Habe einfach jeden Tag einen Fuß vor den anderen gesetzt. Und die neuen Geschenke kamen nach und nach, die das Leben schön machen. Auch ohne diese Dinge habe ich gelernt, mit meinem Leben zufrieden zu sein. Geholfen haben mir dabei vor allem die vier Fragen von The Work.

Aber da findet jeder seinen eigenen Weg. Man muss nur loslaufen.

PS: Erzähl mir gerne von deinem (Leidens)Weg in den Kommentaren oder stell mir eine Frage. Vielleicht kann ich dir ein bisschen von meiner bescheidenen Erfahrung weitergeben.

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