Dieser Artikel ist für alle, die sich fragen: warum? Was macht mir wirklich Spaß? Was gibt meinem Leben Halt, Sinn? Ich habe danach gesucht und nie etwas gefunden. Zum Glück! Dafür etwas viel Besseres: echtes, ungeplantes, undurchdachtes Leben. Jeder kann sich sofort erfüllt fühlen – sogar ganz ohne Alkohol und Drogen, versprochen.

Frustriert? Ratlos? Glückwunsch! Dann ist der Weg frei!

Ich habe für mich gelernt, dass ich mir die Frage nach dem Sinn nicht stellen darf. Nicht will. Wie auch immer. Sie führt ins Nichts, die Frage nach dem Warum. Antworten darauf werden immer nur kurz zufrieden machen. Zumindest war das bei mir so. Ohne einen ausgedachten Sinn zu leben, macht hingegen frei und vielleicht sogar glücklich. Ein Appell an alle, die noch nach dem Sinn des Lebens suchen: ihn nicht zu suchen.

Ich kann den Sinn des Lebens nicht mit meinem Verstand erfassen. Weil Sinn ein menschliches Konzept ist. Leben findet aber einfach statt. Und wir Menschen sind ein Teil des Ganzen. Wir schwimmen mit und können uns über die vermeintliche Sinnlosigkeit beklagen, oder einfach versuchen, so viel Freude wie möglich zu empfinden.

„Kenne dein Warum“ – dieser Tipp macht nicht immer glücklich

Klar hätte ich mir ein großartiges Motiv suchen können. „Die Welt zu einem besseren Ort machen“. „Glücklich sein und anderen Menschen Gutes tun“. „Meinen Kindern einen besseren Planeten überlassen.“

Aber diese Werte, so motivierend sie klingen, fühlten sich für mich so willkürlich an. Leer. Es waren nur Worte. Mich packte nichts davon. Es hätte alles sein können. Und überhaupt: ich war und bin selbstständiger, Unternehmer. Ich war ausgebrannt und es ging verdammt noch mal darum, meine Miete zu bezahlen und dabei etwas zu tun, das mich nicht abstieß oder frustriere. Sondern etwas zu tun, das mir Spaß machte und das wirklich richtig und wichtig war. Was immer dieses Richtig und dieses Wichtig sein sollte.

Wer alles nur als Mittel zum Zweck tut, kann nicht glücklich sein

Ich war es so gewohnt, wie eine Maschine zu arbeiten und hatte einen Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr konnte. Meine Ratlosigkeit ging also viel weiter und mündete in einer Depression:

In mir stiegen befremdliche Gedanken auf. Zum Beispiel: Was bringt es mir, glücklich zu sein? Und konsequent zuende gedacht, hatte ich doch eigentlich Recht: Warum eigentlich glücklich sein? Was bringt mir das am Ende, wenn ich dann doch irgendwann sterbe? Was mache ich mit diesem Glück?

Diese Fragen kreiste in meinem Verstand. Es fühlte sich an, als würde ich von ihnen in ein Loch gerissen. Ein Loch, das direkt ins Nichts, in den Tod führte. Noch jetzt, während ich darüber schreibe, spüre ich die düstere, schwere und trostlose Wirkung dieser Frage. Wie sich meine Brust zusammenzieht und sich die Energie aus meinem Körper verabschiedet. Was bringt es mir, glücklich zu sein? Was kommt danach? Nichts.

Ich war es so gewohnt, Dinge wegen eines bestimmten Grundes zu tun. Aber das Leben hat keinen Grund. Und den braucht es auch nicht.

Der Unterschied zwischen Glück und Unglück

Ich kenne zwei Arten zu leben:

1. Einfach tun, was ich mag, ohne groß darüber nachzudenken. Zum Beispiel schreiben oder Musik machen. Spazieren gehen. Saugen, abwaschen, zur Arbeit fahren. Sich mit einem Freund unterhalten.

2. Nachdenken, was ich tun soll. Nachdenken über den Sinn und das wirklich Wichtige im Leben. Um damit etwas zu finden, was ich vermeintlich mag. Das Leben ist dann reine Theorie. Ich laufe nicht los, sondern grüble. Und ich tue Dinge, die weit unter meinen Möglichkeiten liegen, denn das wirklich gute Leben existiert ja nur in meinen Gedanken. Scheiß Gegenwart; ein Hoch auf die tolle Zukunft! Die Hoffnung auf die Zukunft ist das einzige, was mich dann antreibt. Eine ständige Enttäuschung.

Wenn ich einfach tue, was ich liebe, brauche ich mich nach dem Sinn des Lebens nicht zu fragen. Erst wenn das Leben keinen Spaß macht, wird die Sinn-Frage aktuell.

Viele beantworten sie sich dann mit etwas, das außerhalb von ihnen liegt. Dem Job, der Karriere. Der Religion. Freunden. Familie. Etwas, das ihnen Halt zu geben scheint.

Bei mir war das Warum der Job. Darin fand ich ein Zuhause. Und ich bin heute dankbar, dass sich meine Illusion in Rauch aufgelöst hat, mein Job würde mich glücklich machen.

Alles im Leben kann plötzlich verschwimmen, wegschwimmen, weg sein, sich verändern. Und früher oder später verändert sich alles. Was passiert, wenn das plötzlich nicht mehr da ist, was mir diesen Halt gegeben hat?

Panik. Leere.

Ich mache nie wieder etwas oder jemanden zu meinem Warum

Als Schüler habe ich voller Energie als ehrenamtlicher Redakteur gearbeitet. Das war richtig geil. Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe zwar als 16-Jähriger schon gewusst, was Büro-Stress und 14-Stunden-Tage heißen. Aber es war großartig.

Es war meine Leidenschaft, aber nicht mein Warum. Ich hatte kein Warum. Ich war einfach neugierig und enthusiastisch. Kontaktfreudig. Ja, ein Nerd. Ein Online-Gamer, der Berichte über Computerspiel-Turniere schrieb.

Aber den Sinn habe ich erst später in meiner Arbeit angefangen zu suchen. Ich habe angefangen zu definieren, wie meine Arbeit laufen sollte, anstatt sie einfach weiter zu machen.

Wie meine Firma sein sollte, anstatt sie einfach zu gestalten.

Wie mein Leben werden sollte, anstatt es zu leben und abzuwarten, was kommt.

Und ich habe angefangen, mein Leben diesen Zielen unterzuordnen. So wie ich es schon früher anderen Dingen untergeordnet hatte. Meinen Beziehungen zum Beispiel.

Ich bin immer schneller gelaufen, weil ich so dringend ankommen wollte, und habe die Welt links und rechts von mir nicht mehr wahrgenommen. Aber nichts im Leben ist unwichtig. Alles bringt mich weiter, wenn ich nur aufmerksam bin.

Alles war mir wichtiger als ich selbst

Ich dachte, ich arbeite für mich. Dabei habe ich irgendwann nur noch für eine Vorstellung gearbeitet, in 70-Stunden-Wochen meine Freude am Schreiben verloren und sogar meine Freude am Leben verloren.

Was half? Nur ein Zusammenbruch, gefolgt von einer Depression, der Unfähigkeit weiter an einem Schreibtisch zu sitzen. Ich hatte es noch nicht verstanden, aber mein Körper und alles in mir sagte: Stopp! So, wie du lebst, geht es keinen Schritt weiter. Mein Verstand zog dann nach und kapierte nach ein paar Monaten auch, was hier los war.

Mehr Selbstbewusstsein hat mich gerettet – hier spreche ich über meine Erfahrungen und wie dir das helfen kann

Das Leben nicht mehr aufschieben

Alles andere als JETZT das Leben zu genießen, ist Aufschieberei. Ich schiebe das Leben auf. Das Glücklichsein. Auf eine bessere Zukunft, mit Hoffnung auf eine perfekte Karriere, eine geile Beziehung, ein geiles Leben voller geiler Dinge.

Aber wer nur fürs Wochenende lebt, hasst Montag bis Freitag. Dem Leben einen bestimmten Sinn zu geben, macht es eng. Kleiner, als es ist.

Deprimiert? Sehr gut!

Den Sinn nicht zu sehen, ist also keine Sackgasse, sondern eine Chance. Ich habe vor einigen Jahren angefangen, ein neues Leben zu leben, habe mich von alten Vorstellungen verabschiedet. Habe einfach jeden Tag einen Fuß vor den anderen gesetzt. Und die neuen Geschenke kamen nach und nach, die das Leben schön machen. Auch ohne diese Dinge habe ich gelernt, mit meinem Leben zufrieden zu sein. Geholfen haben mir dabei vor allem die vier Fragen von The Work.

Aber da findet jeder seinen eigenen Weg. Man muss nur loslaufen.

PS: Erzähl mir gerne von deinem (Leidens)Weg in den Kommentaren oder stell mir eine Frage. Vielleicht kann ich dir ein bisschen von meiner bescheidenen Erfahrung weitergeben.

Lass dich inspirieren und begleiten in meinem kostenlosen Newsletter.

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„Dich finden, dich lieben, dir vertrauen

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38 Kommentare
  1. Viktoria
    Viktoria sagte:

    Ich bin einfach von Leben erschöpft. Jeden Tag ist es ein Kampf. Ich hab das Gefühl, dass egal was ich mache es sich nicht ändert. Ich hab auch das Gefühl, dass ich die falschen Entscheidungen treffe. Nichts macht Spaß und Sinn.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Viktoria, danke für Deinen Beitrag. Möchtest Du an Deiner Situation etwas ändern? Ich frage so doof, weil ich selbst jahrelang nicht wirklich etwas ändern wollte, sondern einfach nur ein ganz schlechtes Bild von mir hatte. Ich habe mich nicht entschieden: Jetzt reicht es, ich werde nicht mehr leiden, ich entscheide mich dafür, glücklich zu sein.

      Wie ist es bei Dir? Brauchst Du noch Zeit oder willst Du loslegen? Wenn ja, kann ich Dir nur empfehlen, Dich achtsamer mit Deinen Gedanken und Gefühlen zu beschäftigen und vielleicht mal die Selbsthilfe-Technik auszuprobieren, die ich für mich wöchentlich und manchmal täglich anwende (The Work). Du findest dazu etwas in meinem Artikel: https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/

      Antworten
  2. Unbekannt
    Unbekannt sagte:

    Dein Beitrag ist der beste und treffsicherste Beitrag den ich jemals gelesen habe. Ich werde ohne mir jetzt noch weitere etliche Male durchlesen. Mein Problem ist das ich Dinge oft tue um anderen zu gefallen, deswegen hinterlasse ich dir diesen Gruß ohne ein Wort darüber zu verlieren wer ich bin. Um dich und nicht nicht zu bereichern…
    Danke für diesen tollen Artikel.

    Antworten
  3. Carmen Süßmilch
    Carmen Süßmilch sagte:

    Ich finde das irgendwie einen guten Ansatz, aber ich hab jetzt trotzdem keine AHnung was ich tun soll. Im Moment mache ich meine Fachhochschulreife doch weil ich ständig verschlafe, Angst vor den Mitschülern hab und mich auch nicht mehr aufs Lernen konzentrieren kann, bin ich die ganze Woche noch nicht dort gewesen. Zuhause hätte ich auch eine Menge zu tun, Rechnungen überweisen, aufräumen, meinen Kram sortieren, oder endlich mal wieder lernen. Aber ich mache einfach nichts. Ich liege nur im Bett und tippe irgendwas in meinem Handy rum in der Hoffnung, dass ich etwas finde das mir Antrieb gibt. Ich wohne im Moment mietfrei in einem Pfarrhaus, das habe ich mir erarbeitet, dass ich hier wohnen kann, doch un fühle ich mich wie ein Schmarotzer wenn ich währenddessen meinen Pflichten nicht nachkomme. Der Beitrag hat mir jetzt leider auch nicht wirklich geholfen, denn es muss ja irgendwie irgendwann auch mal wieder weiter gehen! Aber wie?

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Carmen, danke für deinen tollen und offenen Kommentar.

      „Es muss irgendwann und irgendwie weitergehen“ – ist das so? Wenn ich mir denke, dass es weitergehen muss, dann habe ich Angst. Dann verkrampfen sich meine Arme und Beine. Ich habe ein dumpfes, drückendes Gefühl im Bauch. Ich setze mich selbst unter Druck und sehe vor meinem inneren Auge, was ich alles noch tun muss und was ich stattdessen die letzten Tage gemacht habe.
      Carmen, ich bin völlig aufgelöst, wenn ich das denke. Wie es ist bei Dir? Wenn Du willst, schau mal, was diese Geschichte mit dir macht. Es muss weitergehen.

      Ohne diesen Gedanken, würde ich hier auf der Couch sitzen und hätte Spaß daran. Ich wäre zufrieden damit, wo ich gerade bin und was ich erreicht und nicht erreicht habe. Mein Körper fühlt sich kraftvoller an und ich habe auch mehr Lust, aufzustehen und etwas zu tun, das mir Freude macht.

      Es MUSS eben nicht irgendwie weitergehen, weil das für mich vielleicht gar nicht der richtige Weg ist. Es muss nicht weitergehen, weil es vielleicht schon in genau die richtige Richtung läuft. Weil ich gerade vielleicht auch einfach mal eine Pause brauche. Weil ich vielleicht einfach Sport machen will. Oder GAR NICHTS.

      Zu denken, dass es weitergehen muss und ich eine faule Sau bin, die nichts auf die Reihe bringt, das lähmt mich. Das setzt mich erst unter Strom und dann hänge ich da, wie ein Kalb, das sich im Elektrozaun verfangen hat.

      Freiheit gibt mir Kraft. Und die Freiheit von diesem inneren Druck, irgendwo hinkommen zu müssen, gibt mir Kraft. Vielleicht laufe ich dann wirklich los und sehe mir selbst dabei zu, wie ich Dinge tue, die echt cool sind.

      Zum Beispiel habe ich diesen Blog gestartet, ohne groß darüber nachzudenken. Nachdem ich monatelang alles vorbereitet habe für eine andere Website, und mir mein Geschäftsparnter nach diesen Monaten die Zusammenarbeit gekündigt hat.

      Ich habe direkt mit diesem blog angefangen und gesagt: okay, dann mache ich es alleine. egal, wie. mal schauen. und jetzt lesen das hier tausende menschen, nicht mal ein jahr später.

      Wenn ich darüber nachgedacht hätte, wie das nur alles wird und dass ich jetzt am Arsch bin ohne diesen cleveren Typen, dann hätte ich GAR NICHTS gemacht 🙂 Wer weiß, wie es gelaufen wäre.

      Hier noch eine echt tolle Geschichte, die mich sehr weitergebracht hat und Mut macht. Vielleicht ist sie auch dir eine Inspiration:

      https://www.youtube.com/watch?v=i73y9we0YpQ

      Antworten
      • Alex
        Alex sagte:

        ,,Und was soll ihr das bringen?“
        Oder viel eher…
        ,,wie soll ihr das zu machen was sie gerne macht und wofür ihr Körper ihr Kraft gibt, ihr mit dem weiterhelfen was sie tun muss um Obdach und Gehalt zu erhalten um zu wohnen und zu essen, wenn nichts von alledem was sie für letzteres tun muss zu dem gehört welches ihr Gehirn mit Freude, Spaß, Energie und Gesundheit belohnt?“ lautet die Frage.

        Ich vermute mal sie würde gerne etwas machen wie Malen, Fotografieren, eventuell Reisen oder Freunde treffen. Und das würde sie eventuell mit viel Kraft und Freude erfüllen und ihr wieder das Gefühl geben lebendig zu sein und ihr ermöglichen das Leben zu genießen.
        Doch das wird ihr nicht Gelingen da sie gewisse Anforderungen zu erfüllen hat, in ihrem Falle für die Schule zu lernen, den alltäglichen Anforderungen nachzukommen und wer weiß was noch, was sie scheinbar nur tut weil sie glaubt zu müssen. Erst Schule, dann Ausbildung, dann arbeiten. Obgleich ihr vermutlich nichts davon Spaß machen wird, die Leere in ihr nur weitere Bereiche innerhalb ihres Bewusstseins einnehmen lassen und ihrer Glieder noch schwerer machen wird.
        Oder sie schafft was du sagst. Sie schafft es trotz ihrer logischen Angst vor den Konsequenzen. Sie macht sich keinen Druck mehr, sie wird nicht mehr lernen wenn es gerade nicht geht und sie sich nur durch Eigenzwang dazu bewegen kann und auch den Anforderungen nicht mehr nachkommen, sie wird nurnoch dass machen was sie möchte und eine schöne Zeit haben… Sie wird auch nicht mehr weiter zu Schule gehen…
        Bis sich die Schule meldet, bis sich ihr Umfeld meldet, bis sie von der Schule fliegt, bis sie aus dem Pfarrhaus fliegt. Bis sie wieder solch starke Angst bekommt oder solch große Not droht dass sie sich wieder zwingt mit der Leere weiterzuleben statt obdachlos zu werden…

        Wie ich Pessimist darauf komme?
        Weil es nach logischen Überlegungen vermutlich so laufen wird. Weil du Geld brauchst um zu leben, weil du Arbeiten musst um Geld zu bekommen und weil du keine andere Wahl hast als dich durch die Arbeit zu quälen um Geld zu verdienen und zu leben wenn du niemanden hast der dich finanziert sodass du frei sein kannst oder keine Kenntnisse und Fähigkeiten hast um einen Job auszuüben welcher dir nicht die Lebenskraft raubt und es auch nicht schaffst diese zu erwerben weil es entweder dein momentanen Umstände nicht zulassen oder du es schlicht einfach nicht schaffst.
        Und weil es mir genau so ergangen ist.
        Mit 13 wurde ich Videospielsüchtig. Mit 18 habe ich selbstständig erkannt das etwas mit mir los ist, dass ich mein Leben verachte, es mich unglücklich macht und ich etwas ändern möchte und muss. Dass ich lieber rausgehe und etwas natürliches unternehmen möchte, eventuell dabei Freunde finde, mich wieder um meinen Körper kümmere und vieles weitere sowie mich beruflisch mit irgendwas befassen möchte, denn ich muss auch irgendwann auf eigenen Beinen stehen, und Geld verdienen. Ich muss.. Ich, du und sie. Wir alle. Es gibt leider Dinge die wir müssen. Unzwar irgendwoher Geld generieren, oder wenn man auf der Straße lebt, Essen, Trinken und Unterschlupf…
        Wir müssen also Dinge tun

        Jedenfalls habe ich mich zusammengerauft und mein Fachabitur angefangen, ich habe das Videospielen seingelassen und den Drang danach bekämpft. Sanft. Mit Entwöhnung, eigenem Zuspruch und versuchter Selbstumprogrammierung. Ich wollte etwas lernen, Spaß am Lernen haben, ein guter Schüler sein, Freunde finden und dabei etwas machen das mir für die Zukunft hilft. Ohne mich dabei zu stressen.
        Das Fachabitur habe ich geschafft. Gerade so. Über die letzten 3 Monate habe ich mich nurnoch geschleppt und bin in eine heftige depressive Phase gerutscht, habe schlecht geschlafen, kaum etwas gefühlt außer Bedrängnis und Niedergeschlagenheit und bin die Treppen teils nurnoch hinaufgekrochen. Meine Konzentrationsfähigkeit schwand, meine Persönlichkeit ging ein, Begraben unter dieser tiefen Niedergeschlagenheit. Das Videospielen wurde immer weniger. Dafür ersetzte ich es durch Serien, Filme und Pornografie.
        Ich gewann etwas Lebensfreude durch die Leute aus dem Sportverein welchem ich damals ca. gen Ende des ersten Halbjahres beigetreten war. Zum ersten mal seit längerem hatte ich wieder Freunde und konnte tatsächlich sogar Spaß haben außerhalb der endorphinverseuchten Videospiel-, Serien- und Filmwelt. Durch den Sport und durch den Sozialkontakt. Das Berühren, das Kabbeln, das Feixen und Lachen. Ich konnte jedoch nicht zum Sport wie ich es wollte oder die Termine vorgaben. Sondern immer nur so wie mein Körper es mir gerade erlaubt hat. Wenn ich also nicht gerade quälend schlapp, niedergeschlagen und energielos war.

        Dann hatte ich ein Jahr frei.
        In dieser Zeit bin ich wieder etwas aufgeblüht. Ich habe mich etwas von der Zeit im Abitur erholt, viel Sport gemacht, an meinen Charakter und an meinen Schwächen gearbeitet und versucht mich nicht davon runterziehen zu lassen dass ich nichts fand was ich machen wollte und konnte um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Hier zu erwähnen: Ich konnte auch Dinge nicht, die ich wollte… Und ich wollte teils nicht, weil ich nicht konnte…
        Immerhin konnte ich glücklich sein. Immerhin ging es irgendwo voran. Meine Ängste schwanden etwas. Ich wurde wieder mutiger, freier, wieder mehr ich. Wieder mehr der Mensch der ich war bevor ich eingeschult wurde – Damals… immer mehr in mich versank und emotional abrutschte weil mich das Sitzen, das Lesen und die enge mich gefühlt einsperrende Kleidung die ich von da an trug unsagbar belasteten(vorher viel bequemes, viel Jogginghosen etc. von da an Jeans etc.) und ich dann zusätzlich ab der dritten Klasse durch meine „über“korrekte Denkweise und philosophische nachdenkliche, liebe und teils wohl „zu“ kindische Art aneckte, zum Ziel von Spot, Missgunst oder einfach genervter Abneigung wurde, mich dem nicht erwehren konnte, zum Außenseiter wurde und sich meine Psyche zusätzlich zu meiner Anfälligkeit für Reize und damit einhergehenden Belastungen Stück für Stück demontierte und ich zu einem ängstlichen emotional verkrüppelten Menschen wurde – und ich hatte eine schöne Zeit.
        Doch nur weil ich mir alle Mühe gab zu Verdrängen bzw. mich nicht davon beeinflußen zu lassen dass ich keine Perspektive hatte in der Lage zu sein zum bestreiten von Lebensunterhalt und allgemein einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Also vor einem essentiellen Problem stand, mit 20, 21 und auch 22 noch zu Hause wohnte und eigentlich mein Erolg nur darin bestand glücklich zu sein, nicht mehr Videospiele zu spielen(Serien und Filme konsumierte ich ab da dann auch immer weniger. Jedoch mit immer wieder kehrenden Rückschlägen in denen ich teils 2,3,4 Tage nur rumlag, glotzte und aß wenn mein Hungergefühl so stark wurde dass es mir die Erfahrung des Serien und Film Schauens trübte) und nicht auf der Straße zu leben.
        Btw. Selbiges Phänomen was mich auf belastende einschränkende Weise schmerzlich empfänglich für eig. harmlose Reize wie ein stickiger Raum, enganliegende Klamotte und z.B. Hintergrundgeräusche während ich versuche mich zu Konzentrieren macht und mich negative emotionen unverhältnisgemäß stark und einschränkend Empfinden lässt, war jenes welches mir den regelmäßigen Schulgang zur Qual machte und eig. alles bei dem ich wenig Ruhe, Rückzug, Zeit zum Verarbeiten und die Möglichkeit bekam mir die Dinge so einzuteilen wie ich es brauche. Kurz. Es mir unmöglich machte im System so wie wir es haben bzw. im Leben und seinen Anfroderungen zu bestehen.

        Dieses Glück wurde immer wieder durchbrochen von depressiven Phasen in denen ich es nicht schaffte mich von meiner düsteren Zukunft abzuwenden. Doch es ging. Ich machte, ich tat und ich entwickelte mich, wurde etwas belastbarer und machte „normale“ für mich substanzvollere Dinge, lernte etwas in dem Sport in dem ich tätig geworden bin statt nur rumzuliegen und zu konsumieren, mich und meinen Schmerz betäubend und mich vor der für mein Empfinden grausamen/schmerzhaften „Welt“ zurückziehend. Und ich arbeitete weiter an mir, versuchte durch positives Denken, Affirmation, Umgewöhnung, Konditionierung und anderem meine Psyche, mich, zu stärken und ungesundes Verhalten zu finden und abzulegen.
        Bis der Punkt kam an dem es hieß ,,du machst jetzt eine Ausbildung oder du fliegst raus“ und ich so devot wie ich einst noch war augenblicklich zustimmte. Auch weil ich meiner Mutter gegenüber eine große Schuld empfand und mir selbst gegenüber weil ich die Zeit nicht genutzt hatte um mir etwas vernünftiges zu suchen sodass ich vor Scham nur kopfnickend alles akzeptierte und versuchte mich in das Setting hineinzurenden sowie wer weiß was mich da noch geritten hatte. So landete ich dann in einer Ausbildung mit WG außerhalb Berlins. Diese konnte ich nicht beziehen da sich Jobcenter und Bafög-Amt gegenseitig das Geld abzwackten und nicht einmal genug Geld fürs Schulgeld blieb. Ein guter Freund meiner Mutter sprang ein und finanzierte mir den Rest des Schulgeldes.
        Ich zog die Ausbildung durch. Von Berlin nach Brandenburg pendelnd. Um 5 auf. 1 1/2 Stunden hin, Schule, 2 Stunden zurück. Zwei Jahre lang. Dazu eine Dreckschule. Ein dieser Fallen die sich Schule nennen den Schülern aber nur halbe Scheiße vorlegen um ans Bafög zu kommen und ein Klientel anlockend welches sowieso nichts lernen möchte etc. etc.
        Nun habe ich eine Ausbildung. Habe mit 1,5 abgeschloßen. Ich habe mich in den zwei Jahren noch zusätzlich weiterentwickelt weil ich zusätzlich zum Emotionalen auch an meiner körperlichen Belastbarkeit gearbeitet hatte(wodurch ich die Ausbildung überhaupt überstehen konnte) und mir meine Freunde und die Arbeit im Verein Kraft gab.
        Doch ich habe kaum gelernt, denn der Unterricht und der Stoff war kaum zu gebrauchen und alles was ich gelernt habe, war nur für den Test und unter großer Anstrengung durch den Schlafmangel und die Belastung hindurch aufgenommen, im Test wiedergegeben und verloren denn schon kam der nächste Teil, der nächste Block, der nächste Test.
        (btw. es war ein Sportberuf. Keiner meiner Mitschüler arbeitet nun im Sportbereich. Nicht einer..)

        Ich habe nun 2 Jahre in denen ich Leistungsfähiger wurde für eine Ausbildung genutzt die mir nichts bringt und bin durch diese Zeit so beschädigt dass ich nicht die Kraft habe noch einmal irgendetwas zu machen. Weder eine weitere Ausbildung, ein Studium oder reguläre Arbeit.
        Mein Schlaf ist nicht mehr erholsam, ich kann mich weniger konzentrieren den je, habe kaum noch Kraft. Körper und Kognition versagen langsam immer mehr. Es wirkt womöglich nicht so…
        Obgleich ich momentan nur 2 Tage die Woche arbeite.

        Ich bin so ziemlich am Ende und gen November droht mir die Obdachlosigkeit. Denn dann werde ich vor die Tür gesetzt. Bis dahin soll ich einer geregelten Tätigkeit nachgehen und mich selbst finanzieren können.
        Einfach leben und das tun was ich brauche, mir gut tut und mir wenigstens etwas Kraft und Freude verleiht hilft mir nicht weiter. Die Zeit läuft und Geld wächst nicht auf den Bäumen.
        Zumal ich so fertig bin das selbst der Alltag mir schon zu viel ist. Allein darüber nachzudenken was ich nun heute kochen könnte bereitet mir Kopfschmerzen da mein Gehirn nachhaltig überlastet ist + vieles weiteres.

        Weshalb schreibe ich das jetzt?
        Ich habe keine Ahnung
        Bringt es dir oder ihr etwas?
        Vermutlich eher weniger… *lach* Im Gegenteil

        Ich schreibe vermutlich weil es mich irgendwo mit Wut erfüllt wenn ich Ratschläge höre wie ,,mach einfach was dir gut tut, verzeihe dir deine Fehler und arbeite an dir“ und die Realität dass es Menschen gibt die schon an den Dingen die sie zum Überleben tun MÜSSEN zugrunde gehen außen vor gelassen wird. Denn diese Dinge können sie nicht einfach mal so liegen lassen.
        Deshalb dachte sich etwas in mir wohl einmal etwas dazu zu sagen und hat dann gleich noch meine Lebensgeschichte dazugerotzt…

        I dont know.

        Mir gefällt dennoch das du scheinbar anderen Menschen helfen möchtest und ich möchte nicht sagen du sollst aufhören. Ich habe jedoch das Bedürfnis dir zu wiedersprechen und die Gelegenheit auszunutzen um einmal mein Leid in die Welt hinauszutragen

        LG

        Antworten
        • Gidon Wagner
          Gidon Wagner sagte:

          Hallo Alex,

          danke für Deinen Kommentar, den ich mir gerade durchgelesen habe.
          Ich habe keine Ratschläge für Dich oder irgendwen anders außer mir. In diesem Blog erzähle ich davon, was mir hilft und wie ich die Welt sehe, nachdem ich sie aus einer neuen Perspektive kennengelernt habe.

          Ich erkenne mich in viel von dem wieder, was Du schreibst. Ich bin oft damit beschäftigt, mir über mich selbst Sorgen zu machen und finde so allerhand „komische“ und „nicht normale“ oder „kranke“ Dinge an mir.

          Ich habe mehrere Jahre mit täglichen Panikattacken gelebt. In dieser Zeit stand ich vor der Wahl, irgendwie zugrunde zu gehen, oder mir selbst zu helfen. Und habe mich für letzteres entschieden. Habe nicht mehr drauf gehört, was mir andere empfohlen haben, sondern immer mehr auf mich selbst. Und ich bin noch lange nicht dort, wo ich ganz ich selbst bin, wo ich frei vom Verlangen bin, anderen zu gefallen.

          Ich war auch ein chronischer Wahrsager: Ich wusste eines immer ganz sicher – etwas Furchtbares wird mit mir geschehen. Der ständige Blick in die schreckliche Zukunft hat mir Panik gemacht, und zwar jeden einzelnen Tag, ständig konnte es losgehen und ich völlig neben mir stehen. Ich hatte Angst, verrückt zu werden, einfach tot umzufallen, nichts mehr zu spüren, passiv zu werden, eingesperrt im eigenen Körper.

          All diese Ängste, all diese Sorgen, all diese Probleme können JETZT verschwinden, wenn ich aufhöre, sie zu füttern. Wenn ich aufhöre, mich schon tot, verrückt, obdachlos und allein vorzustellen. Wenn ich wieder anfange, in der Realität zu leben.
          Hier sitzt jemand, der hat Wünsche, Träume, Ängste. Manche würden für drei Selbstmorde reichen. Andere machen mich rastlos und ausgebrannt. Andere einfach nur unglücklich.

          Aber ich habe eine ganz wichtige Sache gelernt: Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht das, was ich denke. Nicht das, was ich befürchte, mir wünsche, was ich will oder nicht will.
          Diese Gehirnfürze bin nicht ich.

          Und ich mache mich jeden Tag ein bisschen mehr frei davon. Und dann kann das Leben wieder passieren, frei von den Schatten, die mir einen Großteil meines Lebens folgten, immer über mir, immer zuständig dafür, dass ich das Leben kontrollieren wollte, weil ich es so furchtbar angsteinflößend fand. Diese Kontrolle und dieser Blick aufs Leben ließ mich nicht mehr das Schöne sehen. Und wenn ich das Schöne nicht sehe, kann ich gleich sterben gehen. Mein Leben in Angst war nicht lebenswert und wenn ich keinen Ausweg gefunden hätte, weiß ich nicht, ob ich heute hier schreiben würde.

          Ich war so am Ende, dass ich offen war für neue Perspektiven aufs Leben. Allem voran die Frage: Wer bin ich wirklich?
          Alex, auch ich schleppe mich nicht selten durchs Leben. Ich vergesse, wer ich bin, und bin in meinen Emotionen gefangen, reagiere nur noch, bin die Wut, bin die Depression. Und dann nehme ich mich einen stillen Moment Zeit und komme wieder mit mir in Kontakt. Und mein größter Wunsch ist, das leben zu können. Nicht nur zuhause zu sitzen und schlau daher zu reden oder zu schreiben, sondern wirklich zu LEBEN, wer ich bin.

          Viel mehr als das Produkt von Gesellschaft, Schule und Familie. Sondern ein Bewusstsein, das sich selbst in allem und jedem anderen Menschen erkennen kann. Durch das das Leben passiert. Ein Bewusstsein, das sich nicht mehr als traurige und erbärmliche und verletzliche Figur wahrnimmt, sondern als die Quelle des Lebens erkennt, die Quelle jeder Figur, die Basis, stiller Teil der Natur, Lebensfreude, Liebe.

          Ich schreibe diesen Blog nicht als Ratgeber. Ich schreibe ihn für mich und mit dem Ziel, dass meine Worte und Gedanken vielleicht anderen eine Inspiration, eine kleine Hilfe für den eigenen Weg raus aus Angst, Sorgen und Kraftlosigkeit sein können.

          Wenn das nicht so ist, dann tut es mir aufrichtig leid, Deine Zeit zu verschwenden. Und ich möchte mir nicht anmaßen, das Recht und die Weisheit zu besitzen. Ich kann nur für mich sprechen. Aber ich möchte etwas schaffen, das anderen weiterhilft.

          Ich möchte etwas tun, das Sinn macht. Und Sinn macht für mich nur, anderen eine Hilfe zu sein – so wie mir selbst. Dann fühle ich mich verbunden und als Teil eines Ganzen, nicht allein und isoliert. Dann bin ich, wer ich wirklich sein will.

          Antworten
          • Lara
            Lara sagte:

            Hey Gidon, hey Alex. Ich mach es kurz weil man ja durch diese textverschiebung kaum mehr was lesen kann. Eure Offenheit hat heute einem Menschen (mir) den Tag etwas erträglicher gemacht. Man ist nicht alleine, das ist viel wert… vielen Dank!

          • Gidon Wagner
            Gidon Wagner sagte:

            Hi Lara, danke vielmals für deinen Kommentar! Es ist schön zu wissen, dass du hier antworten für dich findest. 🤗

            Gibt es denn noch etwas, das du gerne wissen möchtest, auf das ich vielleicht noch etwas sagen kann? Magst du uns dein Problem schildern oder etwas fragen?

            Liebe Grüße,
            Gidon

          • Joe
            Joe sagte:

            Hallo, deine Worte machen mir Mut. Ich habe jeden Tag Angst und Panikattacken durch jahrelange schwere Belastungen. Seid zwei Jahren nun auch körperlich sehr krank und dadurch gesteigerte Ängste. Ich pendel zwischen kämpfen, leben wollen und es dann nichtmehr auszuhalten. Ich vergesse wie man läuft, die einfachsten Dinge tut, werde steif, totensteif, bewegungslos, bekomme Krampfanfälle…ect.. Aber der Körper spricht, er sagt mir irgendwas, mit irgendwas muss ich aufhören…ja, mit diesem inneren Leistungsdrang, alles perfekt und für jeden gut und richtig zu machen…es ist hart so darauf gestossen zu werden…zu schauen was will ich wirklich….was macht mir spass, denn im moment ist da nichts…im moment weiss ich nicht mehr wer ich bin…ich will gern sovieles machen können, aber mein körper spielt mir immer streiche…plötzlich nicht reden können…wieder 4 jahre zu sein…nicht zu wissen wo man ist….dann die körperlichen beschwerden…ja, aber dein text macht mir etwas mut. danke und dir alles gute!

          • Gidon Wagner
            Gidon Wagner sagte:

            Lieber Joe, vielen Dank für Deinen Kommentar, leider finde ich erst jetzt die Ruhe, Dir zu antworten. Vieles klingt so vertraut, was Du schreibst. Vor ein paar Jahren gab es mehr Dinge als ich zählen konnte an mir, die mir Sorgen gemacht haben, die mir Angst gemacht haben. Ich dachte, ich werde verrückt. Ich dachte. Ich dachte und dachte und das lähmte mich, das brachte mich jeden Tag aufs Neue fast um, deswegen lief ich weg vor dem was ich dachte, ich lief und lief, jeden Morgen, jeden Abend, rannte durch den Park und versuchte, die Angst auszuschwitzen. Eine einfache Frage brachte mich heim: Kann ich absolut sicher wissen, dass es wahr ist, was ich da denke? Und ja, da war und ist viel in mir, was ich denke, leisten zu müssen. Und ich entdecke jeden Tag etwas Neues, was nicht stimmt und in mir für Unruhe sorgt. Ich wünsche dir viel Erfolg, viel Glück dabei, dich besser und besser zu verstehen. Wenn Du Hilfe brauchst, bin ich hier und du kannst dich jederzeit bei mir melden – vielleicht kann ich etwas Hilfreiches beisteuern. Auf meiner Kontakt-Seite ganz unten findest Du Drähte zu mir: https://herzbiskopf.de/ueber-herz-bis-kopf/ Dir alles Gute und liebe Grüße, Gidon

        • Matthias Strobl
          Matthias Strobl sagte:

          Hi Alex mir ergeht es momentan auch nicht anders, dieses stetige Wechselspiel von sein und nicht-sein und wie dieses Gedankengut überhaupt konditioniert ist.
          –> Die stetige Sinnfrage und das Suchen nach „Stimmungsaufhellern”, welche nur für einen bestimmten Moment da zu sein scheinen, dass man wieder nach neuer Ablenkung bzw. Euphorie-erregenden „Drogen” ausschau hält, um sich selber umzuprogrammieren (Eigenmanipulation).
          –>Durch die Festelleung der Eigenmanipulation in Bezug auf deinen Tatendrang (Es muss was „sinnvolles” passieren und es sollte nach deinem Persönlichkeitsbild freiwillig passieren) -„Cogito ergo sum” (René Descartes)

          Sobald sich eine akribisch anmutende Person, welche das Bestmögliche aus ALLEM herausholen möchte, den Gedanken behandeln möchte ein Netzwerk aus Logik auszubauen, dann kommen diese meist an die Grenzen der ertragbaren Wahrnehmung. Es wird „gefahrenpräventiv” vorgegangen und hintergefragt, um ja kein Gift zuzulassen, was dich an deinen Vorhaben beeinflussen bzw. dein persönliches Idealbild (SINN) zerfressen könnte.

          Du wirst nicht mehr empfänglich für Überraschungen, da es immer Konsequenzen geben wird und immer misstrauischer wirst, weil dich der Gedanke stets begleitet (da draußen ist etwas , was dich negativ beeinflussen könnte)

          Und auf einmal solltest laut deiner Umgebung Dinge anders auf dich wirken „lassen”. Falls das „Lassen” nicht klappen sollte, kommt die Entscheidung des Müssens. Die Zeit und der daraus resultierende Druck versucht dich zu Ersticken, obwohl dir jeder sagt, dass du noch jung seiest und du Dir keinen Kopf zu machen brauchst. Entspannung kannst du plötzlich nicht mehr als normal Normal definieren, sondern betrachtest es vielmehr als eine Phase in der du nicht mehr Produktiv sein sollst, um später wieder produktiv sein zu können.

          Grundproblem ist die Ursachenfindung bzw. Logik
          Gegen Depressionen und und viele Krankheiten gibt es Medikamente.
          Es könnte einem vorübergehend gut gehen und dann kommt das Rezidiv einer Krankheit, insbesondere, wenn deine Psyche sich auf den nächsten Zusammenbruch vorbereiten soll. Immer ist von „professionellen” Ansätzen die Rede. Man möchte Ursachenfindung betreiben, aber immer erdrückt dich die Zeit bzw. andere können sich keine Zeit nehmen. Langzeittherapie und Ursachenfindung. Viele Jahre Qualen bis zur Adaption deiner Psyche an die temporären Gegebenheiten bzw. ein langfristige Droge und Maske zugleich, bis es wieder anfängt.
          Diesmal weißt du was letztes Mal anders war und dann ist es wieder eine andere Ursache und fängst wieder an wie eine Vase zu zerspringen.
          Du brauchst wieder deine „Pseudo-Droge”, um funktionieren zu können.

          Antworten
  4. Sandra
    Sandra sagte:

    Hallo Gidon, ich stecke auch fest in der Antriebslosigkeit, Depression, Ängste, Isolation und leide unter dem Helfersyndrom. Ich bin glücklich wenn ich jemandem helfen kann, aber oft ist es einfach zu viel und die anderen wollen das gar nicht. Ich suche nach Wertschätzung und Anerkennung, nach Liebe. Gibt es nichts wo ich helfen kann oder werde sogar abgewiesen, zieht mir einer den Stecker, habe keine Energie und Kraft mehr, völlig antriebslos und schlapp. Ich habe keinen Spaß mehr am Leben und fühle mich alleine und nutzlos. Meine Beziehung endete mit den Worten: Tolle Frauen lachen! und Putzfrauen sind unattraktiv! – nur weil ich versuchte alles zusammen zu halten, Haus, Garten, Job, Nebenjob und Kind. Ergo: Ich hatte mich vergessen! So geht es mir ständig. Ich leiste etwas um geliebt zu werden, wird das nicht wertgeschätzt oder sogar kritisiert, werde ich völlig depressiv und finde an nichts mehr Spaß. Ich arbeite schon lange an Selbstliebe und Selbstwert, doch es gelingt mir nicht, wahrscheinlich wie Du oben schon beschrieben hast, mit zu viel Druck. Einfach ich sein versuche ich ja, trotzdem fehlt mir die Energie und Lust zum leben. Was mir jetzt Auftrieb gibt, am Wochenende kommt mein unheilbar erkrankter Freund zu mir der sehr viel Hilfe braucht und auch dankbar dafür ist, gleichzeitig aber auch meine Ängste schürt – schaffe ich das? Es ist zum verrückt werden. Ich leide sehr. Ich war jetzt 2 Wochen krank geschrieben wegen Depressionen, Montag muss ich wieder ran und habe gar keinen Antrieb. Wenn ich nur an meinen langweiligen Schreibtischjob denke, geht mir meine Energie direkt flöten. Ich bräuchte einen neuen Job, aber in meinem Zustand sich bewerben? Alles Sch …. gerade.

    Liebe Grüße Sandra

    Antworten
  5. krishan
    krishan sagte:

    Es ist schon erstaunlich, wie vielen Menschen es genau so geht. Es ist aber auch beruhigend, wenn man wie ich auf der Suche aus Verzweiflung auf deine Seite kommt, Gigeon und dort von vielen anderen liesst, was einem selbst in endlosen Gedankenschleifen durch den Kopf geht. Zweifel, Verzweiflung, Angst vor dem Scheitern, Panik, unerfüllbare Ansprüche, Träume, die Sehnsucht, gesehen oder gebraucht zu werden, Liebe, Gedanken daran, alles zu beenden…halt das ganze Leben-das beschäftigt nicht nur mich….Oft erwischt es die Sensibelen, diejenigen, die sich sowieso Fragen stellen. Es kann eine Chance sein aber es ist nicht einfach. Manche schaffen es nicht und geben auf. Ich selbst arbeite seit mehr als einem Jahr an der Selbstliebeund Akzeptanz. Es ist keine einfache Sache, der man sich da stellt, denn es ist ja das eigene Leben. Da ist dann nicht nur ein Hebel unzuschalten oder eine Tablette zu nehmen, damit alles wieder gut wird. Sondern, es wird viel arbeit, denn meistens hat sich einiges angesammelt…und die Energie, die Zweifel und Verzweiflung zu übertuschen und sich selbst und die Umgebung zu täuschen, hat alle Energie verbraucht.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Vielen Dank, gut auf den Punkt gebracht! Mich uns die anderen interessiert sicher, was du für dich tust! Wie findest du Selbstliebe und Akzeptanz? Bzw. was hat dich davon weggebracht und was tust du, um zurück zu finden?

      Antworten
  6. Sinnsuche
    Sinnsuche sagte:

    Hallo Gidon,
    danke für die Gelegenheit, mit dir u. anderen über diese Dinge in Austausch zu kommen. Ich habe sonst vor allem nur bei meinem Mann Gelegenheit über solche Dinge zu sprechen. Sonst kann ich maximal noch bei meinem Bruder, meiner Mutter, einem Freund und einer Freundin, – die ich leider viel zu selten sehe über so tiefgreifende/gefühlsmäßige Sachen offen reden. Eine andere gute Freundin, die mich in vielem versteht, wohnt weit weg und wir sehen uns nur ca. 1 x pro Jahr, sie ist auch sehr busy. Eine weitere Freundin hält sich derzeit fern auch wenn sie im selben Ort lebt. Die war auch schon immer busy und hat sich schon immer sehr zurückgezogen, hat selten Zeit und ist ständig überarbeitet und gleichzeitig auf maximale Freiheit aus.

    Ich habe auch Alex‘ Post gelesen und konnte mich irgendwie gut hineinversetzen. Ich teile seine Meinung dass man halt weitermachen muss, dass man nicht einfach der Arbeit o.Ä. fernbleiben darf und man durchhalten sollte bis man z.B. im Urlaub mal Gelegenheit bekommt für sich auf Reset zu drücken. Am Abend bin ich jetzt aber schon mal am gucken ob ich es mit neh Ehrenamt probiere. Das würde ich dann schon als eine Art „Sinn“ verstehen, anstelle dass mein Sinn wäre die Dinge einfach laufen zu lassen (dann wäre ich wohl eher vor der Glotze).

    Viel Grüße
    Sinnsuche

    Antworten
  7. Benni
    Benni sagte:

    Hey,
    Ich freue mich hier jemanden gefunden zu haben wo ich das Gefühl habe mich versteht jemand! Ich bin noch junge 16 Jahre alt! Ich gehe auf ein Gymnasium bin normalerweise mega kommunikativ und liebe Musik. Es gibt nichts was mir mehr Spaß macht als Menschen kennenzulernen oder auf Konzerte zu gehen oder z.B eine Messe wie (auch nächste Woche wieder) die Gamescom zu besuchen und da Leute kennenzulernen. Doch seit ein paar Monaten kreist in mir immer dieser Zweifel warum ich solche Sachen tue Vorallem in der Hinsicht Geld. Ich frage mich andauernd ob es das Geld wert ist was ich tue und fühle mich sofort schlecht wenn ich etwas ausgebe.Warum fahre ich auf diese Messe? Ist es das Geld wirklich wert? Das macht mir den Spaß kaputt ich habe ein schlechtes Gewissen und hinterfrage warum man sowas überhaupt macht? Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll bzw. ich kann es einfach nicht beschreiben…

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Benni, wir können alles infrage stellen, auch den Wert einer Messe oder eines Spiels.

      Ich habe mich zum Beispiel in meiner tiefsten Depression gefragt: „Was bringt es, glücklich zu sein?“

      Tja, Benni, ich kann dir auch heute noch nicht sagen, was es bringt. Was soll ich darauf auch für eine bescheuerten Antwort finden außer: glücklich sein bringt glücklich sein. Was soll danach schon groß kommen?

      Wir können also alles hinterfragen. Du könntest dich beim nächsten Mal genauso fragen:
      „Ist es das Geld wert, da nicht hin zu fahren?”

      Diese Frage könnte dir helfen aber solange du tief in dir glaubst, dass „es“ oder „du“ das Geld nicht wert seid, wirst du diese Zweifel und damit verbundenen Gefühle haben.

      Es geht also darum, deinem Verstand, deinem Gehirn genügend Gegenbeweise zu liefern. Dabei hilft es aufzudecken, dass der ursprüngliche Gedanke (der dich ins Zweifeln gebracht hat) nicht wahr ist. Welcher Gedanke ist das bei dir? Welche Gedanken (es sind meistens mehrere)? Wo ist dein Beweis, der Grund, dass das Event das Geld nicht wert ist?

      Die Beweise / Gründe schreibst du auf und machst dann „The Work“ damit, die Selbsthilfe-Technik, mit der ich solche stressigen Gedanken und Gefühle auflöse. Du findest mehr Infos zu The Work in diesem Artikel von mir: https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/

      Antworten
  8. Claudia
    Claudia sagte:

    Hallo, ich habe mich ebenfalls im Leben verfangen. Habe seit 5 Jahren einen Freund und er möchte schon länger den nächsten Schritt machen. Hausbau, Kinder, Hochzeit. Keine Ahnung warum, aber ich kann es nicht. Vegetier hier zu Hause oft vor mich rum und fühl mich nur unter Druck gesetzt. Aber in Wirklichkeit ist es aufschieberei. Ständig die Gedanken, dass es noch einen besseren Typen geben würde… aber ich glaube wenn er weg wäre würde für mich eine Welt zusammen brechen. Hab das Gefühl, ich leb in meiner Gedankenwelt und bekomme die Realität nicht auf die Kette.

    Antworten
  9. Liz
    Liz sagte:

    Hallo Gidon,
    Ich bin gestern in meiner Verzweiflung auf Deine Website gestossen und habe gerade diesen Artikel zuende gelesen. Vielen Dank dafür.
    Warum überrascht es mich nicht, dass irgendwann „The Work“ als Stichwort fiel ? 😉 Bin gerade selber jeden Tag dabei, zu worken , war diesen Sommer sogar in der School. Absolut „mindblowing“. Trotzdem gibt es noch was zu tun , sonst würde es mir jetzt nicht so schlecht gehen. Ich finde die Idee, sich von einem „Sinn“ im Leben zu verabschieden und ganz einfach dem eigenen Enthusiasmus (oder wie Katie sagen würde „follow the simple directions“) zu folgen so unglaublich entlastend.
    Liebe Grüße
    Liz

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Liz,

      ich habe ein halbes Jahr lang täglich „geworkt“. Und in Phasen mach ich das immer noch so häufig. Langsam bin ich darin auch so routiniert, dass ich nicht mehr jedes Thema aufschreiben muss, sondern einzelne Themen auch mal im Kopf bearbeiten kann. Zum Beispiel beim Spazieren gehen, beim Sport machen, beim Aufräumen, beim Duschen, oder wenn ich gerade mal daliege und nichts mache.

      Das „Geheimnis“ ist dranbleiben und immer tiefer graben. Und GENAU sein. Das hab ich in meiner Ausbildung zum Begleiter gelernt. So GENAU und präzise wie möglich das Arbeitsblatt ausfüllen und auch ganz genau auf die Fragen antworten. Nichts mehr unentdeckt lassen, keinen gespenstischen Glaubenssatz mehr unbemerkt für Unglück sorgen lassen. Wie ein Detektiv mit genauem, strengem Blick hinschauen, was weh tut. Und trotzdem dabei freundlich zu mir selbst bleiben. Mich zu nichts zwingen und wenn ich müde oder erschöpft bin auch mal Pause machen. The Work ist harte Arbeit, aber das brauche ich Dir nicht erzählen nachdem Du bei einer „School for the Work“ warst. 😉

      Du bist auf jeden Fall nicht allein damit. Eine Freundin war glaube ich auf drei Schools und hat trotzdem ihre Themen, die wieder kommen, wenn sie wieder weniger Reflektiert. Ist ja auch einfach zu verlockend, ein paar Serien zu schauen oder ein Buch zu lesen anstatt Arbeitsblätter auszufüllen 😀

      Deswegen finde ich Katies Spruch so gut: Mach The Work zum Frühstück.

      Liebe Grüße,
      Gidon

      Antworten
  10. Anette
    Anette sagte:

    Ich frage mich immer für was 🤔 und komme überhaupt nicht in die Pötte. Fühle mich total unnütz und kann mich nicht mehr erinnern wann ich mich mal so richtig gefreut habe und weinen geht auch nicht mehr

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Anette,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Jede Antwort auf Deine Frage „Für was?“ kann nur ein kleines Stück vom Kuchen des Lebens sein. Heute denke ich: DESWEGEN tu ich alles. DAS ist mir wichtig. Morgen habe ich es vielleicht schon vergessen und denke etwas anderes.
      Die Suche nach dem Sinn des Lebens führt uns immer nur im Kreis unserer Gedanken. Wir geben dem Leben einen Sinn, oder nicht. Da ist nichts, wenn wir es nicht benennen!
      Ich frage mich kaum noch, warum ich tue was ich tue. Ich mach es einfach. Ich mache das, was Spaß macht. Wie ein Kind. Und das hält mich fern von Depression, das lässt mich in die Pötte kommen. Manchmal mehr, manchmal mit weniger Energie.

      Für mich ist Frieden wichtiger als helle Aufregung und manisches Freuen über etwas. Klar ist es schön, sich über die Dinge, Menschen und Momente im Leben zu freuen. Aber erst muss der Frieden kommen. Ich war jahrelang im Krieg mit der Welt und bin es zum Teil immer noch. Was ich über andere und mich glaube, hält mich fest im finsteren Tal. Solange ich da bin, kann ich nicht ich selbst sein. Der, der ich wirklich bin. Der, der ich wirklich bin, tief in mir drin, ist schon jetzt zufrieden und glücklich. Glück ist die Abwesenheit jedes NEINS zum Leben. Ein bedingungsloses JA zum jetzigen Moment, der ja eh schon da ist und an dem ich sowieso nichts ändern kann.

      Die Scham und der Frust über die eigene Depression lässt uns nur noch mehr leiden. Wann hast du dir das letzte Mal verziehen dafür, wie du dich fühlst? Du bist nicht allein mit deinen Gefühlen und Gedanken und es ist in Ordnung. Es ist nichts falsch mit dir. Es ist im Gegenteil alles so richtig, wie es nur sein kann. Du bist zu 100 Prozent so, wie du sein sollst. Jeder ist unglücklich, wenn er denkt… es macht alles keinen Sinn, etc. Wenn du dir dafür verzeihst, wie es dir geht und was du tust (oder nicht tust), kommt die Freude vielleicht dann ganz von selbst.

      Liebe Grüße,
      Gidon

      Antworten
  11. Dennis
    Dennis sagte:

    Hallo,
    Es ist immer wieder Balsam für die Seele, wenn man merkt, dass man nicht der einzige im Leben ist, der mit dieser Situation konfrontiert wird/wurde. Für mich ist das Leben derzeit grau. Ich lache, ich weine, ich vertreibe sogar gute Stimmung und bin bei Vielen ein gern gesehener Gast. Jedoch fühle ich innerlich nichts – gar nichts. Noch nie in meinem Leben hat mich Gleichgültigkeit und emotionale Kälte so sehr erfüllt, wie in diesem Jahr. Mein Leben – vergleichbar mit einem Schauspiel – besteht eigentlich nur noch aus drei Dingen:

    1. Abliefern in einem Job, der mich nicht interessiert
    2. Grübeln Grübeln Grübeln
    3. Mich gegenüber anderen so zu verstellen, dass Ich nicht mehr Ich bin.

    Jedoch bin ich vor kurzem auch an einem Punkt angekommen, an dem ich für mich erkannt habe: „Halt! So geht es nicht weiter! Ich muss etwas tun!“
    Seitdem merke ich, wie die innerliche Eiskönigin langsam schwindet.

    Es ist gut und wichtig, dass es Menschen wie dich gibt, die so etwas öffentlich ansprechen. Danke dafür!

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Dennis, danke für Dein Kommentar. Und schön zu lesen, dass Du die Kehrtwende gemacht hast. Ab jetzt wird es nur noch besser, glaube ich! 🙂

      Antworten
  12. Potschochter
    Potschochter sagte:

    Hi
    Ich bin Potschochter
    Ich bin verheiratet. Ich bin 44. Bin gelernte Radiologietechnologin.
    Habe zwei Kinder, die 16 und 18 sind. Bin nach der Geburt der ersten daheim geblieben.
    Ich befinde mich in einer Ausbildung zum Mechatroniker. Es ist ein zweijähriges Kolleg.
    Im Oktober 2020 stehen die Diplomprüfungen an und ich sollte auch eine Diplomarbeit schreiben.
    Fakt ist. Ich weiß überhaupt nicht mehr warum ich das überhaupt angefangen habe.
    Erkenne langsam, dass das echt nichts für mich ist.
    Da muss man gescheit sein und wissen was man tut. Also: EHHH nix für mich.
    Ich weiß überhaupt nicht, warum ich überhaupt des morgens aus dem Bett steige.
    Nunja, ein wenig Feiertagslethargie kommt hinzu.
    Aber ich denke diese Feiertage sind auch dazu da
    einmal etwas inne zu halten im Leben sozusagen eine Zäsur einzulegen.
    Ich stehe einfach an. Es sind soviele Erwartungen an mich, die niemand ausspricht aber, die ich spüre.
    Ja, auch ich selber habe Erwartungen an mich, die ich aber unmöglich erfüllen kann.
    Ich kann und will die Ausbildung nicht abbrechen.
    Was wäre ich für ein Vorbild für die Kinder? Noch dazu hat meine Älteste heuer Matura!
    Die Jüngere macht L17!. Das ist auch nicht gerade einfach für sie und mich und uns alle.
    Was bin ich? Was kann ich, was soll ich tun?
    Vielleicht entspringt das alles einem vorgezogenen Leere-Nest-Syndrom, obwohl die Kinder noch daheim sind?
    In einer Sekunde denke ich, das wird alles irgendwie gehen. Die nächste Sekunda drauf,
    falle ich wieder in ein Loch, um die nächste Sekunde drauf wieder festzustellen, dass die Sonne scheint.
    Aber scheint sie auch in meinem Leben? Dann kommt wieder mein Über-Ich und sagt, mir,
    dass ich gefälligst dankbar sein solle.
    Ich wäre gesund, soweit ich das weiß und überhaupt, Ihr habt ein Haus das abbezahlt ist.
    Ja, mag schon alles sein. Aber ich fühle mich so nutzlos und wertlos.
    Ich bewundere meine Ältere mit welcher Konsequenz sie ihre VWA schreibt
    und ich hab meine Diplomarbeit noch nicht mal ordentlich begonnen.
    Ich weiß amittlerweile auch schon warum ich sie noch nicht begonnen habe.
    Nämlich aus Angst, dass alles Scheiße ist, was ich da schreiben werde.
    Wahrscheinlich schwingt auch die Angst mit,
    dass dieses Schülerleben wenn ich es schaffe,
    dann ein Ende haben wird und ich dann auf mich allein gestellt bin.
    Aber Erfahrungen haben gezeigt, dass ich nicht lebensfähig bin.
    Ich kann in der echten Welt einfach nicht überleben.
    Ich brauche eine geschützte Werkstätte, wo ich eine Aufgabe habe, die mich nicht überfordert,
    mich aber auch nicht langweilt, wo ich Zeit en masse habe, um sie zu erledigen.
    Ich kann mich für gar nichts mehr begeistern.
    Ja, ich brauche auch Anerkennung. Aber wofür soll mir jemand Anerkennung geben, wenn ich nichts zusammenbringe?
    Vielleicht durchlebe ich auch eine ausgewachsene Midlife-Crisis?
    Wer kann das schon sagen.
    Das einzige wo ich in meinem Leben wirklich Befriedigung empfunden habe,
    war jedesmal wenn ich einen Text verfasst hatte, der Menschen berührt hatte.
    Sei es nun, dass sie lachten oder nachdenklich wurden. Ja, ich schreibe gerne.
    Aber wahrscheinlich nur um mich auszudrücken und nicht um irgendwelche wissenschaftliche
    Texte zu verfassen die mit Fachtermini gespickt sind.
    Für mich ist Schreiben wie ein Atem-holen der Seele.
    Wohl mehr eine Art Ventil, um mit meinen Zuständen fertig zu werden.
    Was ist nur los mit mir? Wenn ich mir selber etwas vornehme, dann kann ich mich verbeißen, wie ein Rauhaardackel.
    Aber soblad die Anforderungen von Außen kommen, dann bin ich stocksteif vor Angst wie gelähmt.
    Irgendwie bin ich wohl von einem anderen Planeten, nur weiß ich nicht welcher das ist.
    Ich bin 44. Selbst wenn ich diese Ausbildung schaffen würde, wer würde mich überhaupt einstellen?
    Ich habe zwei linke Hände, wie man so schön sagt.
    Ich neige dazu, minutenlang in die Luft zu starren, die Umwelt um mich herum nicht mehr wahrzunehmen.
    Klar habe ich mir diese Ausbildung selber ausgesucht und habe sie auch mit Riesenneugierde und ein gerütteltes Maß an Mut begonnen.
    Jetzt jedoch habe ich das Gefühl fremdgelebt zu werden.
    Auf meiner TO-Do-Liste steht:

    Werkstattprotokoll
    Mathe üben
    MTSA üben
    Informatik Referat recherchieren
    Diplomarbeit in Häppchen aufteilen
    KOP Projekt(Dieses beschissene Ding hängt auch noch wie ein Damoklesschwert über mir.)

    Aber will ich das alles? Was bringt mir das alles für mein Leben?
    Wieviel Macht hat dieses Kolleg über mich?
    Wieviel Macht gestehe ich ihm überhaupt zu. Das ist alleine meine Entscheidung.
    Ich bin ein Mensch mit einem großen Sicherheitsbedürfnis. Unvorhergesehene Dinge machen mir Angst.
    Erschüttern meine nicht vorhandenen Grundfeste.
    Ich beobachte, dass ich mich besser fühle, wenn die Sonne scheint.
    Aber die Sonne schreibt auch nicht meine Arbeiten.
    PANIK ist ein Hilfsausdruck für das Gefühl, das mich befällt, wenn ich an das kommende Jahr denke.
    Ich habe das Kolleg begonnen, um mich kennenzulernen. Um mich auszuprobieren.
    Nun jetzt habe ich meine Grenzen erkannt. Super.
    Ja, ich kenne meine Grenzen. Perfekt! und was jetzt?!
    Mit meinem Mann kann ich darüber nicht sprechen. Er würde das nicht verstehen!
    Er sieht in mir Dinge, die definitiv nicht vorhanden sind. Er glaubt, daran, dass ich das Kolleg schaffen werde.
    Ich will ihn nicht enttäuschen. Wenn ich nur wüsste was ich mit mir und meinem Leben anfangen sollte.
    Die Leute in miener Klasse sind alle wirklich nett.
    Sie scheinen Respekt zu haben, dass ich mir das in meinem Alter noch antue.
    Oder sie sind zu wohlerzogen, um mir die Wahrheit zu sagen. Wie dem auch sei.
    Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
    Das sind alles junge Leute mit einem Ziel vor Augen. Die wissen alle was sie wollen vom Leben.
    Was will ich?
    Ich möchte eine Beschäftigung, die mich in Flowzustände geraten lässt,
    die mir das Gefühl gibt, etwas geleistet zu haben. Etwas das nachhaltig Sinn liefert.
    Aber was könnte das sein? Was bringt im Leben nachhaltig Sinn?
    Was sind meine Begabungen und wo könnte ich sie, wenn vorahnden, einsetzen?
    Wo ist mein Platz im Leben? Ich denke diese Antwort werde ich wohl nie bekommen.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Potschochter, ich habe von dir gelesen, dass dir die Anforderungen anderer Menschen zu schaffen machen. Welche Anforderungen sind das?

      Ich gebe dir mal ein Beispiel von mir selbst, das mich fast verrückt macht. Ein kleines Beispiel, aber für mich ein großes Problem:

      —-

      Wenn ich auf der Autobahn fahre, habe ich das Gefühl, dass ich für die anderen ein Hindernis bin. Die anderen fahren schneller und trauen sich mehr. Sie regen sich über mich auf wenn ich zu langsam fahre. Sie zwingen mich zu etwas.

      Jetzt darüber, wie ich mit solchen Gedanken umgehe. Ich frage mich: Sie regen sich über mich auf, wenn ich zu langsam fahre – kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist?

      Ich versetze mich in eine meiner letzten Fahrten zurück und frage mich in dieser Situation: sie regen sich über mich auf, wenn ich zu langsam fahre – kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist?

      Nein!
      Ich kann es nicht sicher wissen.
      Ich weiß nicht, ob und worüber genau sie sich aufregen. Vielleicht sind sie insgeheim froh, dass auch ich langsamer fahre und sie sich entspannen können, hier auf der rechten Spur.

      Dann gehe ich wieder in die Situation und frage mich: Wie reagiere ich, wenn ich glaube, „sie regen sich über mich auf, wenn ich zu langsam fahre“?

      Ich bekomme Panik! Ich habe das Gefühl, hier gefangen zu sein, ich traue mich weder schneller noch langsamer zu fahren. Ich fühle mich wie auf der Flucht und gleichzeitig eingesperrt. Ich bekomme feuchte Hände und mein Atem wird flach, ich zucke vor Nervosität. Ich spanne meine Arme an.

      Und dann frage ich mich: In dieser Situation auf der Autobahn, ich sitze im Auto: Wer oder was wäre ich ohne den Gedanken, „sie regen sich über mich auf, wenn ich zu langsam fahre“? Ich warte, gehe in mich und warte, was vor meinem inneren Auge erscheint, wenn ich den Gedanken in dieser Situation nicht hätte.

      Ich würde mich ganz um mich kümmern, um mein Auto, um meine Fahrt, um meine Sicherheit. Ich wäre mir so viel mehr wert als meine Sorge um die Stimmung der anderen Autofahrer. Ich wäre entspannter. Ich würde meinen Körper besser spüren, er würde sich lebendiger anfühlen. Das Blut zirkuliert wieder gleichmäßiger durch meinen Körper. Ich wäre auf die Straße konzentriert und ruhiger. Ich hätte mehr das Gefühl, dazuzugehören, hier auf die Straße. Ich würde die Fahrt mehr genießen.

      Als letzten Schritt drehe ich meinen Gedanken um: „sie regen sich nicht über mich auf, wenn ich zu langsam fahre.“ dafür finde ich nun mindestens drei Beispiele.

      1. sie regen sich nicht auf, wie oben erwähnt, weil sie sich vielleicht selbst mehr entspannen können
      2. Sie regen sich nicht auf, weil ich einfach nicht sicher weiß, ob und über was sie sich aufregen
      3. Sie regen sich vielleicht nicht wirklich über mich auf, sondern über ihre Vorstellung, schneller unterwegs sein zu müssen

      Oder, ich drehe den Gedanken zu mir um: „ich rege mich über mich auf, wenn ich zu langsam fahre

      Wieder finde ich drei Beispiele dafür, dass dieser Gedanke genauso wahr sein kann:

      1. ja, ich selbst denke dass ich schneller fahren sollte und dabei keine Angst haben sollte
      2. Ich will den anderen gefallen und ihre Anerkennung – deswegen mache ich mich selbst runter, wenn ich es ihnen nicht recht machen kann
      3. Ich akzeptiere nicht, dass ich einfach nicht mehr geben kann, als ich kann. Und dadurch mache ich es mir sehr schwer.

      Oder die Umkehrung zu den anderen: ich rege mich über sie auf, wenn sie zu langsam fahren. Ok, das ist wirklich schräg, aber aus meiner Erfahrung kann ich immer auch für die schrägsten Gegenteile meiner Befürchtungen Beweise und Beispiele finden.

      1. Wenn jetzt jemand vor mir mit 60 über die Autobahn fahren würde, wurde ich mich vielleicht auch aufregen!
      2. Mir kann es im Leben oft nicht schnell genug gehen, zum Beispiel wenn ich mit anderen Menschen zusammen arbeite, die Dinge langsamer erledigen als ich
      3. Vielleicht habe ich dieses Geschwindigkeitsthema viel mehr im Kopf als die anderen Fahrer. Vielleicht blinken sie einmal auf oder Hupen, aber ich denke, sie verfluchen und hassen mich dafür!
      4. Ich habe meine eigene Definition von zu langsam – sie haben vielleicht auch ein. Vielleicht denken die Hintermänner gar nicht dran in diesem Moment.

      So durchdenke ich meine Annahmen über die Anforderungen und Probleme in meinem Leben. Ich habe gelernt, dass das eine die gedanken meiner Mitmenschen sind. Das andere, das Entscheidende ist aber, was ich glaube!

      Alle Welt kann von mir erwarten, was sie will. Ich werde es nie erfahren. Selbst wenn sie mir sagen, was sie von mir wollen, bekomme ich nie wirklich zu hören, was genau im anderen vorgeht. Ich kenne immer nur mein Bild von den Menschen, mein Bild von der Realität.

      Der Schmerz, die Angst, der Druck kommt immer von dem, was wir denken und glauben.

      Ich schlage vor, dass du dir mal diese Anforderungen auflistest, wie ich es oben getan habe. Und zwar diejenigen, die dir am meisten Kummer oder Sorgen bereiten.

      Ich gehe mit der Methode „The Work“ vor. Du erfährst mehr über die Methode hier: https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/

      Antworten
  13. Sofia
    Sofia sagte:

    Habe Super Job mit hohem Einkommen 4000, – Netto für 14 Monate aufgegeben, bin in Frührente und habe schwere Depression bekommen. Komme nicht raus.Bin jetzt 68 Jahre.

    Antworten
  14. Chris
    Chris sagte:

    Was soll man machen, wenn man eigentlich nicht mehr wirklich leben will, ohne konkret suizidal zu sein? Aber ich will einfach mein Leben nicht.
    Ich bin jetzt fast 48 und habe alles versucht, was nur geht.
    Ich bin in etwa so aufgewachsen, wie es Alice Miller in „Das Drama des begabten Kindes“ beschreibt. Ich „durfte“ meine Gefühle nicht zeigen. Nachdem ich als Junge mit 12 Jahren entführt und missbraucht wurde, konnte ich genau deshalb das Geschehene auch niemandem mitteilen. Ich wurde regelrecht entwertet und dem stand nichts entgegen.
    Dieses Gefühl trage ich im Prinzip bis heute in mir.
    Ich habe nur im Nachtleben existieren können, weit weg von der „normalen“ Gesellschaft.
    Mit 30 wollte ich daran was ändern, holte mein Abi nach und fing an zu studieren. Dann holten mich meine Depressionen wieder ein. Studienabbruch, kein Abschluss. Es folgten Klinikaufenthalt, Reha, Reha-Ausbildung, und Therapien… seit 2005 also fast kontinuierlich Psychotherapien und medikamentöse Behandlungen. Seit 2005 hatte ich keinen Sex mehr, geschweige denn eine Partnerschaft, kein Job. Freundschaften wurden immer weniger. Heute habe ich im Prinzip gar keine Freundschaften mehr. Ich merke auch, ich bin überhaupt nicht mehr sozialkompatibel.
    Ich bin mir selbst so fremd geworden. Ich bin gereizt. Ich bin traurig. Ich bin ungeduldig.
    Jetzt gerade versuche ich nochmal einen Quereinstieg in einen Job.
    Merke aber, dass ich nichts mehr lernen kann, mein Gehirn speichert einfach nichts mehr ab.
    Das Wissen darüber, dass solches bei Depressionen vorkommen kann, nutzt mir auch nichts.
    Heute fühle ich mich alt und bin endlos traurig über ein verpasstes Leben.
    Ich bin so traurig darüber, was mir in meiner Kindheit genommen wurde.
    Und ich komme darüber einfach nicht hinweg. Weil im Grunde mein Leben immer nur bergab ging. Eine Stufe hoch, und dann zwei Stufen wieder runter.
    Ich würde mich selbst nicht kennenlernen wollen.
    Ich habe das Gefühl, ich habe einfach alles ausprobiert. Vieles ist eine Zeit lang aufbauend. Aber nach einiger Zeit ist es dann schlimmer als zuvor.
    Wenn ich 0 % Hoffnung hätte, würde ich den Stecker ziehen. Da ist aber dauerhaft noch eine Resthoffnung.
    Aber was soll noch kommen? Durch Jahrzehnte (!!!), in denen ich krank war, ist nichts für eine Altersvorsorge getan.
    Ich war wirklich mal klug, und hätte vielleicht „was“ werden können. Und jetzt ist alles zu spät und mein Gehirn völlig kaputt. Keine Beziehungen mehr, keine Freunde mehr, kein „Jungsein“ mehr. Keine Zukunft. Alles bedingt sich gegenseitig. Ohne Freunde kommt man auch im Job nicht klar, weil man „andersartig“ wird, ohne Freunde keine Energie, Freude am Tun, ohne Freunde kaum eine Partnerschaft möglich, geschweige denn, dass man überhaupt interessant wäre für jemanden….
    Ich fühle mich einsam und von diesem Leben einfach nicht gewollt. Und das eigentlich schon immer.
    Was soll man da noch machen?
    Ich habe einfach wirklich alles, alles ausprobiert.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Chris, vielen Dank, dass du hier deine Gedanken und das Erlebte mit uns teilst. Ich bin bei mir selbst ein bisschen extrem geworden. Wenn ich mein Leben hasse, dann merke ich das, und dann schreibe ich auf, was ich an meinem Leben hasse. Ich schreibe die ganze Scheiße, den ganzen Mist der mir passiert ist auf und bringe mit Stift und Papier auf den Punkt, was daran für mich konkret so schlimm war (das mache ich mit der Selbsthilfetechnik „The Work“).

      Ich kann mich nur an wenige Momente meines früheren Lebens erinnern, in denen ich wirklich glücklich war. Stattdessen habe ich mir schon früh angefangen, die Sorgen meiner Eltern zu machen. Ich dachte, ich musste stark sein, weil es sonst keiner war. Ich musste die Dinge unter Kontrolle bringen. Ich habe nie wirklich gelernt, Menschen zu vertrauen. Ich fürchte mich vor ihnen, ich habe zu ihnen genauso wenig Kontakt wie ich zu mir selbst habe.

      Ich benutze Freundschaften, um mich gut zu fühlen, ich manipuliere, ich bin ein Stratege. Ich denke nur an mich.

      Aber hey, ich arbeite dran.

      Ich kann mich zum Beispiel fragen, warum ich immer die Kontrolle haben muss. Wann habe ich diesen Gedanken zum ersten Mal gehabt? Vielleicht als ich meine Eltern völlig niedergeschlagen erlebt habe, und Angst hatte, wir würden bald unsere Wohnung verlieren und auf der Straße stehen?

      Vielleicht, als ich mich dafür schämte, was mein Bruder und ich mit einander anstellten (https://herzbiskopf.de/ich-darf-nicht-schwul-sein-wenn-kinder-sich-verbieten-und-verbiegen/).

      Vielleicht als ich immer wieder gemerkt habe (vielmehr geglaubt habe), dass es schwer ist, geliebt zu werden. Dass ich mich anstrengen muss. Dass es etwas wichtigeres als mich gibt in meinem Leben – die Zufriedenheit, das Glück meiner Eltern.

      Ich habe in den letzten Jahren (auch in meiner Ausbildung zum Coach) mit Menschen gearbeitet, denen ähnliches passiert ist wie dir, und kann mir nicht vorstellen, wie es ist. Ich weiß nur, dass es einen Weg da raus gibt.
      Du bist kein Sonderfall, du bist nicht allein, du bist nicht verloren. Was ich lese, sind sehr klar formulierte Gedanken eines sehr intelligenten und wortgewandten Menschen.

      Was ich gelernt habe, ist dass unser eigenes Denken uns immer tiefer in den Abgrund reißt, wenn wir nicht lernen, es anzuhalten, anzusehen, und als etwas zu erfahren, das nur ein Teil von uns ist. Das mehr einem Traum gleicht als der Wirklichkeit. Was ich gelernt habe, ist, dass die eigentliche Krankheit nicht Depression, Angststörung oder Neurose heißt, sondern ungehindertes, ungebremstes, ungefiltertes Nachdenken und Glauben, was uns durch den Kopf geht.

      Du endest deinen Beitrag mit dem Satz, dass du dich einsam fühlst und nicht gewollt. Was man da noch machen soll? Diese Gruselgeschichten mal ein bisschen infrage stellen! Ich habe über dieses Gefühl, dass mich niemand mag, einmal hier geschrieben: https://herzbiskopf.de/niemand-mag-mich-wie-du-das-gefuehl-los-wirst/

      Chris, ich mag dich. Du bist nicht allein. Und du kannst nun nicht mehr behaupten, dass du alleine bist. Es stimmt einfach nicht. Ich mag dich für deine Offenheit, deine ehrlichen Worte und für deine Klarheit in deinem Text. Ich mag dich für deinen Willen, weiter zu machen. Ich mag dich, weil ich mich selbst in dir erkenne und dass wir uns nicht von unseren Geschichten entmutigen lassen. Du klingst übrigens nicht nach einem vernebelten, kaputten Gehirn. Aber ich selbst hatte auch schon oft den Eindruck, dass ich völlig zerstört bin. Was soll das Gehirn auch leisten, wenn es voll mit lauter mentalem Scheiß ist, mit hunderttausenden Lügen über das Leben.

      – Sie lieben mich nicht (soso, woher weiß ich das denn?)
      – Ich bin allein (zusammen mit 7 Milliarden anderen Menschen auf dieser Kugel)
      – Ich bin dumm (aber nicht dumm genug, um nicht mehr über alles dauernd nachzudenken 😉
      – Ich habe alles ausprobiert

      Sorry, Chris, aber das glaube ich dir nicht. Ich glaube, dass du inzwischen ein Profi im Leiden geworden bist, so wie ich lange Zeit (nicht so lang wie du). Und wenn man das Leben aus dem Bewusstsein heraus angeht, ein armer Kerl zu sein der es schwer hatte, dann bleibt das auch so. Ich hoffe, das klingt nicht zu hart. Aber ich bin mit mir selbst da inzwischen recht schonungslos und neige dazu, das auch mit anderen zu sein.

      Es geht hier um unser Leben. Das ist alles, was wir haben. Jeden Tag rausgehen und in der Vergangenheit leben, ist das, was wir meistens daraus machen.

      Wenn du da rauskommen willst, wird es wahrscheinlich harte Arbeit. Aber nicht härter als bisher. Wenn du bereit dazu bist, können wir gerne telefonieren. Ich kann dir anbieten, dich mit The Work zu begleiten, der Selbsthilfe-Technik, mit der ich es geschafft habe, dieses dicke Brett aus mentalen Geschichten und belastenden Glaubenssätzen anzubohren, die mich im Leiden festgehalten haben. Wenn du willst, schau dir mal meinen Artikel zu The Work an ( https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/) und schreib mir, wenn du dich von mir etwas beraten und vielleicht begleiten lassen möchtest.

      Es gibt auch eine kostenlose „Hotline“ mit „Zertifizierten“, die andere mit dieser Technik begleiten. Sie ist wirklich alles, was ich an dieser Stelle zu bieten habe, den alles andere ist nur Gelaber.

      Liebe Grüße und ich freue mich auf Deine Antwort,
      Gidon

      Antworten
  15. Sandra
    Sandra sagte:

    Ich leide unter massiver Unruhe oft auch nachts .
    Ich habe bis vor 7 Wochen noch Mirtazapin genommen.
    Ich möchte aber keine Medikamente nehmen.
    Ich fühl mich nur noch depressiv und unter Strom😞

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Ja. Deine Gedanken zählen, alles andere ist nur bla bla bla und im besten Fall eine Hilfe um Fragen zu klären.

      Antworten

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