Flirten in Zeiten von WhatsApp kann ganz schön anstrengend sein. Es ist schön, mit jemandem hin und her zu schreiben und zu merken, dass der andere Interesse an mir hat. Aber was, wenn die gewünschten Antworten ausbleiben? Frustration. Unsicherheit. Unzufriedenheit. Wie ich Beziehungen ohne das Verlangen nach Bestätigung aufbaue – und warum nie der andere die Quelle für meine Frustration sein kann.

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

Deprimierend kann eine ausbleibende Antwort vor allem sein, wenn ich von meinem „Gesprächspartner“ mehr will, als bloß ein bisschen hin und her schreiben. Ich will eine aufregende Unterhaltung, ein bisschen digitale Liebesbriefchen schreiben oder einfach bis zum nächsten Treffen den Kontakt halten. Was im anderen vorgeht, kann ich dabei nie genau wissen.

Alles, was ich habe, sind ihre oder seine Nachrichten. Ich fange an, nachzudenken: Habe ich etwas Falsches geschrieben? Was soll ich schreiben? Worauf könnte der andere anspringen?

 

Sie schreibt nicht zurück – Was soll ich schreiben?

Um Himmels Willen, nur das, was du wirklich meinst, denkst und fühlst.

Klingt wie eine Selbstverständlichkeit? Für mich nicht: Ich habe in solchen Situationen oft nur geschrieben, um eine Antwort zu bekommen.

Aber würde ich selber solche Nachrichten bekommen wollen, Aussagen, die eigentlich gar keine sind sondern nur darauf abzielen, dass ich etwas sage? Möchte ich nicht viel lieber eine ehrliche Botschaft, ein ehrliches Wort vom anderen bekommen?

Und möchte ich nicht auch selber am liebsten frei von der Leber schreiben, anstatt nur irgendwas, um eine Reaktion zu bekommen? Stattdessen: Warten… kommt etwas zurück? Nach ein paar Stunden folgt mein nächster Anlauf:

Die nächste belanglose Frage oder Mitteilung, die mich eigentlich gar nicht interessiert, aber vermeintlich eine Antwort verspricht.

Zwischenfrage: Warum sollte der andere eigentlich auf mich eingehen, wenn ich selber so wenig auf mich eingehe, was mich bewegt und was ich ehrlich meine?

„Sie schreibt mir nicht“: Stimmt nicht! Sie sagt mir, dass sie gerade nicht will oder kann

Du schreibst und schreibst und denkst, du bekommst keine Antwort. In Wirklichkeit hast du schon längst das, was du willst, nämlich eine unmissverständliche Rückmeldung: „Ich kann gerade nicht oder ich will gerade nicht antworten“.

Warum sollte ich von jemandem Zuwendung bekommen wollen, der gerade nicht will oder kann?

Wegen meines Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Dass mir das die andere Person nicht geben kann, wird klar, wenn ich merke, dass die Zuneigung aus (Liebes-)Beziehungen nie wirklich genug ist, um mich dauerhaft gut zu fühlen.

Wie bei einer Droge, nach der ich süchtig bin, brauche ich immer mehr und mehr davon, immer wieder einen Schuss, der mir das Gefühl gibt: sie mag mich, er mag mich. Dann bin ich high vor Liebe und glücklich.

 Also: Ich habe meine Antwort bekommen. Er oder sie sagt mir mit seinem Schweigen, dass er oder sie gerade nicht kann oder nicht will. Das Problem ist also nicht das Verhalten des anderen. Es hat einfach nichts mit der anderen Person zu tun, dass ich unbedingt eine bestimmte Antwort möchte. Ich bin mit mir selbst unzufrieden. 

Mit wem willst du wirklich Kontakt haben? Mit der tatsächlichen Person, die gerade nicht schreibt oder nicht anruft, oder mit einer Person, die nur in deiner Fantasie existiert; die du dir vorstellst und dabei bestimmst, wie sie sein sollte, wie sie jetzt reagieren sollte; und die dir gefälligst Zuneigung schenken sollte, weil du sonst nicht glücklich sein kannst.

 

Ehrlich kommunizieren: Das Gegenteil von der Suche nach Bestätigung

Wenn sie oder er mir nicht antwortet, ist das eine ehrliche (wenn auch stumme) Antwort. Und Ehrlichkeit ist das, was ich bekommen und geben will.

Bin ich ehrlich, dann suche ich keine Reaktion, verstelle mich nicht, sondern bin ganz ich selbst. Weil ich dann wirklich das sage, was ich meine, und nicht bloß Feedback haben will. Das ist liebevoller Umgang mit mir und dem anderen. Zu sich selbst stehen und sich finden ist Liebe. Ich dachte, ich brauche dazu jemand anders, aber das stimmt nicht. Ich wertschätze damit automatisch, wer ich bin.

Geht es mir bloß um eine Reaktion, entferne ich mich von mir selbst und hoffe, die Liebe von jemand anders zu bekommen. Ich mache mir selbst gegenüber die Aussage: Ich bin nicht ok und brauche noch etwas. Um zu bekommen, was ich will, muss ich etwas tun und mich wenn nötig verstellen.

Wenn ich mit dem Ziel „gib mir Bestätigung“ auf jemanden zugehe, dann schreibe oder spreche auch ich nicht wirklich mit ihm. Weil ich nicht das auf den Punkt bringe, was mir wichtig ist und was ich wirklich meine, sondern nur eine positive Reaktion des anderen haben will. Ich verlange etwas von ihm, das ich selber nicht bereit bin zu geben. Ich schlüpfe gedanklich in seine Haut und überlege, was ich tun muss, um etwas von ihm zu bekommen.

So erkenne ich, dass mein Problem gar nichts mit dem anderen zu tun hat.

Ganz im Gegenteil: Von meinem Gesprächspartner bekomme ich oft viel mehr ehrliche Worte; spontan und ungefiltert.

Oder eben gar keine Antwort, was wie erwähnt auch sehr ehrlich ist. Ehrlicher, als sofort zu reagieren, nur um zu zeigen, wie wichtig mir die andere Person ist. Wie kann ich von jemand anders erwarten, dass er sich mit mir offen beschäftigt, während ich mich gar nicht wirklich mitteile und nur etwas von ihm will?

Ich verlange von ihm etwas, das ich mir selber verweigere: Denn wenn ich finde, ich bin bedürftig, ich brauche seine oder ihre Liebe, schreibe ich mir da im übertragenen Sinne selber gerne? Mag ich mich da? Würde ich mit diesem Wissen gerne mit mir selbst Kontakt haben? Nein. Ich bin dann wie ein Bettler, der dem anderen in die Taschen greift anstatt mit ihm etwas zu teilen; Spaß haben zu wollen.

Solange ich denke, dass ich die Bestätigung eines anderen brauche, bleibe ich unglücklich

Sie oder er schreibt mir nicht: Mag sein. Ich „schreibe mir selber“ aber genauso wenig; ich will nichts mit mir zu tun haben und mein Leben durch die Aufmerksamkeit der anderen Person aufwerten.

Klingt das zu hart, um wahr zu sein?

Dass das so ist, beweist die Tatsache, dass ich mit mir alleine – ohne die andere Person und ihre Aufmerksamkeit – gar nicht richtig zufrieden und erfüllt bin. Zumindest denke ich, dass ich den anderen für mein Glück brauche.

Das Ende der Sucht nach Aufmerksamkeit

Ich kann zufrieden damit sein, dass der andere mir nicht schreibt, wenn ich sehe, dass eine ausbleibende Antwort eine ehrliche wenn auch stumme Aussage ist. „Ich schreibe dir gerade nicht.“ „Ich möchte gerade nicht zurückrufen“. Dann verschwindet mein Argument, dass ich unzufrieden bin, weil der andere nicht mit mir spricht. Die Kommunikation fällt nur anders aus, als ich mir das vorstelle. Ich war bloß ein bisschen verwirrt.

Was ich für mein Glück tun kann:

Das auf den Punkt bringen, was ich wirklich meine und fühle. Und wenn es nur ein aufrichtiges „wie geht es dir?“ ist, statt eine vermeintlich beeindruckende Geschichte oder belanglose Statements, auf die der andere jetzt antworten soll. Ich möchte wissen, wie es dem anderen geht, ich möchte ihr oder ihm ein schönes Wochenende wünschen, was auch immer spontan aus mir heraus kommt.

Ich kann nur dann eine gute Unterhaltung mit jemanden beginnen, wenn ich wirklich das sage, was ich meine statt etwas, von dem ich mir etwas verspreche. Wenn das nämlich ausbleibt, werde ich unglücklich und leugne obendrein, wer ich wirklich bin und was in mir vor geht.

Wenn ich ehrlich kommuniziere, ist die Wahrscheinlichkeit außerdem höher, eine echte Beziehung mit jemandem aufbauen zu können – welcher Form auch immer.

Wenn ich wirklich und aufrichtig kommuniziere, ohne eine Erwartung dem anderen gegenüber, dann gebe ich hundert Prozent von mir. Dann sage ich etwas, das von Herzen kommt und echten Wert hat. Oder ich halte einfach mal die Klappe.

Sagen, was ich wirklich meine

Und ich bin nicht traurig, wenn ich auf keine Erwiderung stoße, weil das ja sowieso nicht mein Ziel war. Wenn aber nur ein Funken Erwartung in dem steckt, was ich sage und mache, weiche ich von dem ab, was ich wirklich ausdrücken will und mache mich abhängig von der Reaktion des anderen.

Natürlich freut mich eine Nachricht von jemandem, der mir wichtig ist. Wenn ich aber denke, dass ich ohne diese Zuwendung nicht glücklich sein kann, dann bin ich dabei, eine Beziehung dafür zu missbrauchen, dass ich es mit mir selber aushalte. Das führt wie eingangs bereits beschrieben immer in eine abhängige Beziehung. Gefühle der Zurückweisung. Einsamkeit. Leere. Dabei suchen wir doch alle nur Liebe, und die ist da, wo die Ehrlichkeit ist – in mir. Und ich habe jederzeit Zugriff drauf.

Übung:

Ich sage nichts mehr, was ich nicht wirklich so meine. Ich gebe, was ich gerne gebe, dann steht es dem anderen frei, zu nehmen – oder nicht.

Ich bin nicht mehr ungerecht: Ich erwarte keine Aufmerksamkeit von anderen mehr, wenn ich mit mir selber nicht zufrieden bin; wenn ich mir selber nicht gerne schreiben würde.

Ob ich mit mir selbst etwas zu tun haben möchte, erkenne ich daran, ob ich auch ohne jemand anders zufrieden sein kann; wenn ich damit leben kann, scheinbar nichts zurückzubekommen. Wenn ich mit mir allein zufrieden sein kann, und eine Beziehung die Krönung meines Lebens ist, nicht die Voraussetzung des Glücks.

Den anderen noch besser verstehen

Oft fühle ich mich besser, wenn ich den anderen verstehe und auch sehe, dass sein Verhalten weniger mit mir zu tun hat, mehr mit ihm oder ihr. Sehr schön beschreibt das die Antwort von Kirsten, die diesen Artikel gelesen hat und mir in den Kommentaren schreibt:

Hallo Gidon, zum ersten Mal antworte ich auf einen Internetartikel, weil in mir gefühlt eben beim Lesen ein ganzes Gebirge ins Rutschen kam. Seit vielen Jahren kann ich Kontakte, die mir definitiv nicht mehr gut tun, einfach nicht beenden. Selbst wenn mir ein Mann oder eine Frau nach Monaten oder sogar Jahren wieder schreibt, werde ich schwach und lande am Ende immer wieder im gleichen Drama. Und suche sofort den Fehler bei mir: Ich MUSS antworten. Schweigen ist ganz furchtbar. Und eben lese ich bei dir: Ich DARF schweigen! Das ist ok! Ich bin dir so so so dankbar 🙂 Dass ich Schweigen als Antwortmöglichkeit ausschließe oder mich sehr schlecht dabei fühle, hat leider mit schlimmen Kindheitserfahrungen zu tun. Antworte ich also jemandem nicht, löst das bei mir eine Art Rückkopplungsschleife zu den Erlebnissen von früher aus. Ich kann das nun endlich voneinander trennen! Sagte ich schon, dass ich dir dankbar bin? 😉

Und wir sind dir dankbar, Kirsten. Danke dafür, dass du unsere Sicht auf dieses Thema um so eine wertvolle Perspektive geweitet hast.

Titelbild: Jakob Lawitzki under cc (Changes were made)

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38 Kommentare
  1. NNY
    NNY sagte:

    Hi,

    ich bin überrascht, dass ich hier der erste Kommentator bin. Dein Video und dein Artikel hätten nämlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Ich kenne auch schon andere Videos zu dem Thema, die sich allesamt irgendwo gleichen; dein Ansatz habe ich so noch nicht gehört und er hört sich wirklich richtig an. Eigentlich weiß man das auch tief im Inneren, aber trotzdem braucht es manchmal jemanden, der es ausspricht. Mit dieser Herangehensweise kann man tatsächlich viel entspannter umgehen.

    Die einzige Frage, die ich mir stelle, ist, wie man es schafft, dass es umgekehrt läuft. Also, dass nicht ich es bin, der “die stille Antwort” bekommt, sondern sie.

    VG

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo!

      das freut mich!
      Wenn du diese Einsicht hast, ist das schön, und es ist deine Einsicht. Was dein Partner denkt und empfindet, wird immer seine / ihre Sache bleiben. Und woher weißt du, dass sie diese “stille Antwort” nicht schon längst bekommen hat? Jetzt, in diesem Moment? Aus meiner Erfahrung kommen solche Einsichten, wenn es an der Zeit dafür ist. Davor ist es noch zu früh.

      Wenn du den anderen nicht verletzen willst, kannst du für dich das Richtige tun. Aber wie deine Antwort (oder Nicht-Antwort) beim anderen ankommt, liegt einfach nur in seiner Macht. Für mich ist das eine Erkenntnis, die mir viel Last abnimmt.

      Liebe Grüße,
      Gidon

      Antworten
  2. Katrin
    Katrin sagte:

    Das war so wie beschrieben auch mein Problem über viele Jahre . Ich habe auch allmählich endlich erkannt was dahinter steckt , nämlich das was du hier schreibst . Ein Problem weniger 🙂

    Antworten
  3. Lotte
    Lotte sagte:

    Wow. Was mich schon so lange beschäftigt – und auch belastet – bringst Du hier gnadenlos auf den Punkt. Auch ich kommuniziere insbesondere mit einer Person nicht um der aufrichtigen Kommunikation Willen. Sondern weil ich den Gedanken nicht ertrage, dass diese Person vielleicht gerade – oder auch ganz grundsätzlich – kein Bedürfnis danach hat. Also zwinge ich mich ihr auf. Besser als nix. Was eh schon traurig genug ist. Aber zu allem Überfluss bin ich dann auch noch fassungslos, wenn die erhoffte Reaktion ausbleibt. Und die Interpretationsspirale geht los – und dreht sich natürlich in die von mir gewünschte, immer falsche, aber dafür nicht ganz hoffnungslose Richtung. Erschreckende Abhängigkeit von einer Aufmerksamkeit, die es nur freiwillig geben kann.
    Tut gut, die eigenen, gerne verdrängten Gedanken mal schonungslos schwarz auf weiß vor sich zu sehen…

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Schön 🙂 Ja, und wir müssen nicht für immer glauben, wir brauchen die Aufmerksamkeit. Ich kann immer sehen: Nein, ich brauche es nicht. Wenn ich genau hinsehe…

      Antworten
    • Tulpe
      Tulpe sagte:

      @Lotte: Habe ICH das gerade geschrieben? Genau das gleiche bei mir. Absolute Abhängigkeit von seiner Reaktion… kam auszuhalten und nicht gesund. Ich werde den Beitrag ausdrucken und jedes mal lesen, wenn ich wieder schreiben möchte. Habe gerade für mich einen Schlussstrich gezogen, Nummer gelöscht, innerlich Abschied genommen. Was nun kommt, muss freiwillig kommen. Oder eben gar nicht. Das ist meine Antwort und ist ganz allein SEIN Ding und hat mit mir nichts zu tun.

      Antworten
  4. Pegas
    Pegas sagte:

    Ein wirklich bemerkenswerter und treffender Beitrag der mich zum Nachdenken anregt weil ich im Moment etwas Ähnliches durchlebe. Ich dränge mich unbewusst einer Person auf, die mir wichtig ist, und merke überhaupt nicht wie sehr ich mein Gegenüber einschränke. Ich erwarte eine permanente Verfügbarkeit und bin gekränkt, wenn Nachrichten gelesen und nicht zeitnah beantwortet werden. Wenn tagelang eine Reaktion ausbleibt. Dabei habe ich doch eine, wenn auch unbefriedigende Antwort. Warum unbefriedigend? Weil die notwendige Bestätigung ausbleibt. Ich bringe mich in ein Abhängigkeitsverhältnis und mache mein Wohlbefinden von den Aktionen des Gegenübers abhängig. Würde man sich selber schreiben wollen? Nein. Ich bettle und verlange Aufmerksamkeit. Und das ist nicht in Ordnung. Man sollte sein Leben, wie du schon sagtest, nicht von etwas Externem beeinflussen lassen. Wer die entsprechende Sichtweise hat, lebt deutlich besser und strahlt das auch nach außen aus.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Pegas, danke für Deinen Beitrag. Du schreibst: „…Und das ist nicht in Ordnung“. Ich würde sagen, „…und das tut mir nicht gut“. Wer bestimmt, was in Ordnung ist? Du hast Deine Gründe. So wie ich damals. Wenn wir uns hier besser verstehen, sehen wir, dass wir nicht anders konnten. Und wenn wir dieses Spielchen ganz durchschauen, merken wir, dass wir die Aufmerksamkeit jetzt nicht mehr brauchen. Das Leiden, der Schmerz waren Alarmsignale, die uns darauf aufmerksam gemacht haben:

      „Hey, hey, hier passiert etwas, das dich verleugnet! Du denkst, du brauchst die Aufmerksamkeit, und das ist nicht wahr. Wach auf!

      Gute Nacht, Pegas

      Antworten
  5. Stephie
    Stephie sagte:

    Hallo Gidon,

    ich habe mir deinen Beitrag hier zu Gemüte geführt und finde es auch einen interessanten Ansatz, der mir beim intensiven Nachdenken und Hinterfragen meines eigentlichen Bedürfnisses auch schon so in den Sinn kam.
    Ich kann mich mit diesem Ansatz allerdings nicht immer identifizieren und differenziere hier nach „Ich schreibe jemanden an“ und „Ich frage etwas“ (z.B. um etwas zu klären) bzw. bin gerade mit jemandem im Chatgespräch und bekomme plötzlich keine Antwort mehr.
    Gerade beim 2. und 3. Fall empfinde ich es als geringschätzig, wenn ich keine Antwort bekomme. In einem Gespräch face2face drehe ich mich doch auch nicht einfach um und gehe oder antworte einfach nicht. Man kann doch auch offen kommunizieren mit einem „Ich möchte mich gerade nicht damit beschäftigen“, „Ich weiß nicht“ oder „Habe gerade keine Zeit“. Das finde ich respektvoll.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Manchmal bewundere ich Leute, die das können: Einfach eine Unterhaltung beenden, wenn sie ihnen nicht mehr gefällt, wenn sie ihnen vielleicht nicht mehr gut tut. Aber wer weiß, wie es dem anderen in dem Moment geht? Wenn sich jemand einfach umdreht und geht. Vielleicht hat er gerade eine Panikattacke.

      Ein guter Freund antwortet mir oft nicht. Er macht mir damit jedes mal ein großes Geschenk. Denn ich lerne jedes Mal, mit mir selbst einverstanden zu sein und mich eben nicht von seinem Verhalten abhängig zu machen.

      Behandelst Du mich gut? Mit dieser Frage meine ich doch viel mehr: Bin ich okay? Magst Du mich?
      Und wenn ich finde, dass ich okay bin, dann darf der andere einfach gehen. Und ich kann Gründe finden, warum das gerade vielleicht das beste ist.

      So, das sage ich jetzt und rede mich leicht. Mal sehen, wie ich mich fühle, wenn mir das das nächste Mal passiert. Dann darf ich mich an meine eigenen Worte erinnern und üben, mich selbst gern zu haben 🙂

      Antworten
  6. Heiderose
    Heiderose sagte:

    Deinen Beitrag habe ich gelesen und stimme Dir zu. Keine Antwort auf eine Nachricht zu erhalten ist in diesem Fall eine Antwort. Ich habe den Fall auch erlebt und habe ebenfalls diesen dieses Ergebnis für mich gezogen. Ich kann nur jedem anraten, in diesen Fällen, nicht weiter nachzufassen und weitere Nachrichten zu versenden. Im Grundsatz finde ich aber, dass die Nichtbeantwortung von Nachrichten einfach unhöflich ist. Wenn man nicht mehr kontaktiert werden möchte, warum auch immer, sollte man auch den Mut besitzen, die klar zu kommunizieren und nicht via „Schweigen“ auszusitzen.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Heiderose, vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich versuche immer in meinen Angelegenheiten zu bleiben und nicht für andere zu entscheiden, was richtig ist. Ich würde, wie du, gerne immer ehrlich zurückschreiben. Ob ich es im Fall der Fälle kann, werde ich sehen. 🙂

      Antworten
  7. Robin (weiblich)
    Robin (weiblich) sagte:

    Hi Gidon, vielen Dank für deinen Artikel. Du hast völlig Recht und es tut sehr gut, zu lesen, dass ich nicht allein bin. Gerade habe ich mich mal wieder ordentlich aus dem Fenster gelehnt und von einem Mann, der eigentlich MIR seine Zuneigung gestanden hat, Aufmerksamkeit gefordert. Als keine Reaktion kam, habe ich noch mal einige Nachrichten hinterher geschickt, nur um ihn doch noch „aus der Reserve zu locken“. Wir haben auch schon mal darüber gesprochen u ich denke, er weiß ganz genau, wieso ich das mache u er möchte mir an diesem Punkt einfach nicht das geben, was ich einfordere, da es dabei eigentlich nicht um ihn geht. Wenn ich daran denke, dass er versucht mich zu „erziehen“ macht mich das natürlich wütend bzw. ist es wohl auch die ausbleibende „Belohnung“, die mich frustriert. Wie du gesagt hast, es ist wie eine Droge u ich habe oft das Gefühl, dass es nach einem „Alles oder Nichts“ Prinzip funktioniert. Ein Mittelweg fällt mir oft schwer. Einmal „geködert“ will ich mehr davon. So ist das – aber ich werde versuchen jede zukünftige „Nicht-Antwort“ als Challenge zu sehen, an der ich Wachsen kann! Und dennoch finde auch ich es manchmal (meistens) einfach unhöflich, wenn Menschen nicht reagieren. Dennoch ist Unhöflichkeit natürlich auch ehrlich.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Robin (was für ein schöner Name für eine Frau!)

      Ich finde es toll, aus wie vielen verschiedenen Blickwinkeln Du Deine Situation betrachtest. Und es gibt noch viel mehr Perspektiven, aus denen Du es anschauen kannst, da bin ich mir sicher.

      Ein Freund von mir reagiert oft einfach nicht. Sogar, wenn ich vor ihm stehe. Und wie da oft die Wut in mir hochkommt, und wie unfreundlich ich das oft finde. Aber wie schaut es bei mir aus? Wie unfreundlich bin ich zu ihm, wenn ich ihn zwingen will, wenn ich ihn moralisch verpflichte, mir zu antworten? Und wie schlecht bin ich zu mir selbst, wenn ich mich wie ein Idiot „fühle“. Ich „fühle“ mich gar nicht wie einer, ich denke, dass ich einer bin. Ich denke, dass er das von mir denkt. Und ich merke einfach nur, wie abhängig ich noch von der Anerkennung anderer bin.

      Wie ein undichter Becher. Wenn nicht ständig einer was nachfüllt, fühle ich mich leer.

      Aber kein Problem, solange ich das erkenne. Wenn ich mal kurz abstand von meinem Urteil nehme, kann ich (wie Du) mein Problem auf andere Weise sehen. Und ich kann tiefer gehen und schauen, was mich wirklich verletzt:

      Was sagt das über mich aus, wenn er unfreundlich zu mir ist?

      – Dass ich dumm dastehe / dass ich der Schwächere bin?
      – Dass ich ihm nicht viel wert bin? Dass ich nichts wert bin?
      – Dass ich alleine bin?

      DIESE Urteile tun mehr weh als jedes Verhalten meines Gegenübers. Und diese Urteile nur als Urteile zu erkennen und nicht die Wahrheit, das befreit mich.

      Weil ich kann doch sofort sehen: Er antwortet nicht und deswegen bin ich nichts wert – stimmt das? Fühlt sich das wahr an?

      NEIN.

      Ich bin alles, was ich habe denn ich kann alles verlieren, außer mich selbst. Wie könnte ich wertlos sein?

      Uund so weiter.. so bearbeite ich diese Knoten in meinem Hirn 🙂

      Antworten
  8. Franka
    Franka sagte:

    Ich habe einen Selbstständigen kennengelernt, er kam durch die vermittlung von Vereinskameraden zu uns in den Verein. Wir wurden Trainingspartner. Nach ein paar Wochen des zusammen Trainings wurden wir vertrauter, dann intim und seit 9 Monaten sind wir so eine Art Freunde plus…das ist der nüchterne Status, den man wohl ziehen muß. Ich bin recht verliebt in ihn, er hält mich auf Distanz, ein gemeinsamer Kurzurlaub ergab für ihn, daß wir angeblich nur gestritten haben, was objektiv nicht stimmt. Intimitäten alle paar Wochen, es geht auch nie von ihm aus, er sucht auch die körperliche Nähe nie, um mir etwas Gutes zu tun, sondern nur, um tröstend in den Arm genommen zu werden. Beim Frühstück legt er seine Beine noch immer auf meinen Schoß, ein Ritual aus der Anfangszeit, aber ansonsten keinerlei liebevolle Zuwendung. Wenn wir uns streiten, bin immer ich es, die wieder den Kontakt sucht, die ihm gesichtswahrend eine Brücke baut, er gibt nie Fehler oder Fehlverhalten zu. Unser letzter Streit ist jetzt über eine Woche her, er hüllt sich in Schweigen, reagiert auf meine Nachrichten nicht, in denen ich meine Sicht, meine Gefühle und Gedanken schildere, beim Training verhält er sich so, als sei alles normal und als wenn der Konflikt ausgeräumt sei. Laut seiner vielen Erzählungen fühlt er sich von seiner Familie nicht anerkannt, von seinen Eltern nicht geliebt, aber immer ausgenutzt. Aber ich bin weder der Prellbock noch der Therapeut für ihn, zumal er weder im Verein noch gegenüber seinem sozialen Umfeld zu mir als Freundin steht…sollte ich mich trennen? Und zwar von ihm als „Partner“ UND Partner oder nur von dem intimen Partner?

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Franka, ich sage es mal in den Worten meiner Interview-Partnerin Barbara Grafinger in meinem Buch „Dich finden, dich lieben, dir vertrauen“:

      Barbara sagt: „Heimliche Wünsche werden unheimlich selten erfüllt“. Und: „Ich gebe nur das, was ich gerne gebe“.

      Wenn Du weißt, was du willst und was du gerne gibst, dann wirst du nur noch das tun und sagen. Im Moment lese ich aus Deinem Text heraus, dass du sein Verhalten versuchst zu verstehen. Was ist, wenn er es selbst nicht einmal versteht?

      Ich versuche herauszufinden, was ICH will. Und ich arbeite daran, nur noch das zu tun, was ich wirklich will. Nur das zu geben, was ich geben will. Dann wird das Leben sehr einfach.

      Es gibt viele Gründe, warum wir Dinge tun, wie wir gar nicht wollen. Weil wir geliebt werden wollen. Weil wir nicht alleine sein wollen. Wahrer wäre aber zu sagen: Weil wir vergessen haben, wie gern wir uns selbst haben. Weil wir vergessen haben, wie gern wir allein sind, anstatt uns nicht gut behandeln zu lassen. Wenn wir uns erinnern, wie sehr wir uns lieben, trifft uns auch das Verhalten des anderen nicht mehr so. Und wir können klarer entscheiden, was wir wollen, nicht wollen, was wir tun und lassen.

      Solltest du dich also trennen? Ja, wenn du das willst. Nein, wenn du das nicht willst. Wenn du dich (noch) nicht getrennt hast, dann willst du es noch nicht. Sobald du es tust, willst du es. Und ich empfehle dir, genauer herauszufinden, was das ist. Ich weiß es oft selbst nicht, was ich wirklich will. Weil mein Hirn so voll ist mit Anschuldigungen, Verwirrung, Ängsten und Hoffnungen, Bildern und Vorstellungen. Woher soll ich wissen, was ich will, wenn ich mich eh nie trauen würde, das dann in die Tat umzusetzen? Ich muss also schauen, wovor genau ich Angst habe. Dann verstehe ich, was mich antreibt. Was mich abhält, für mich einzustehen.

      Angst haben wir immer vor einer Vorstellung, vor einem Ding, einer Situation, die noch nicht passiert ist. Vor etwas, das gar nicht da ist. Was aber da ist, ist mein Glauben daran, dass es passieren wird. Ich werde einsam sein! Ich werde keine Freude mehr am Leben haben! Ich bin nichts ohne seine Liebe! Diese Gedanken, diese ungeprüften Theorien über mein Leben sind es, die mich klammern lassen an etwas, das mir vielleicht nicht gut tut. Diese Theorien lassen mich nicht in der Freiheit in einer Beziehung leben, wie ich sie haben könnte.

      Vielleicht findest du deine eigenen Antworten ja hier im Blog oder in meinem Buch, aus dem ich oben zitiert habe. Es geht über den Weg zum Selbstbewusstsein, in dem Antworten auf deine Fragen auf der Hand liegen, weil du dich besser kennenlernst (und lieben und vertrauen): https://herzbiskopf.de/shop/buch-selbstbewusstsein-dich-finden-dich-lieben-dir-vertrauen/

      Liebe Grüße,
      Gidon

      Antworten
  9. Gaby weber
    Gaby weber sagte:

    Hallo Gidon, klasse Artikel, stecke gerade in der gleichen Situation, die ich vorher noch nie hatte. Mein neuer Freund hat ein Problem zu lösen verursacht von dessen erwachsenem Sohn. Als ich Tage ohne seine Liebesbriefe und Treffen war kam die Antwort: er muss sich um seinen Sohn kümmern nichts weiter. Ich habe 3 Wochen geschwiegen und dann über App geschrieben, 2 mal, jedoch ohne Kommentar zurück obwohl online. Habe mich vor einigen Tagen von ihm versbschiedet und wieder keine Reaktion. Er nimmt also eine Trennung in Kauf wortlos, obwohl ich Verständnis hätte dass er eine Auszeit bräuchte, so habe ich ein Kopfkino und denke alles war Lug und Trug. Vielen Dank und liebe Grüße

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Gaby, wenn ich über dich und deine Beweggründe nachdenke, bin ich verloren. Woher soll ich wissen, was in dir vorgeht? Selbst, wenn du mir schwörst, es sei so oder so – woher soll ich wissen, dass das stimmt? Am Ende zählt doch nur, was ich (dir) glaube. Wenn ich denke, du willst nicht oder du kannst nicht, dann bin ich bei meiner eigenen Wahrheit. Gut! Dann bleiben wir doch noch etwas bei der eigenen Wahrheit: Warum hänge ich so am anderen? An jemandem, von dem wir kein Wort hören? Denke ich, er ist in Not? Dann würde ich die Rettung rufen. In Wirklichkeit bin ich in Not. Ich habe noch nicht gelernt, mir zu antworten, hier zu sein, während der andere dort ist. Ich bin ein Hauch von Nichts, ein Schatten der Reaktionen des anderen. Ein Bettler.

      Aber ein reicher Bettler: Ich leide freiwillig. Ich glaube, ich brauche den anderen. Ich glaube, es ist besser mit ihm. Ich befürchte, er liebt mich nicht. Ich fürchte mich vor seiner Gleichgültigkeit, davor, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ich tue aktiv etwas dafür, um so arm und bedürftig zu bleiben. Ich strenge mich an, mich blooooß nicht zu sehr mit mir einzulassen, der Fernseher ist ein billiger Ersatz für meine Partnerin, sie selbst ist weit weg und ich bin hier und warte auf sie. Das ist meine Geschichte von warten auf Antworten, von dasitzen und mich selbst wie einen Idiot behandeln. Dutzende Male. Langsam reichts mir. Ich lerne, dieses Gefühl von „ich bin da“ zu genießen – egal, ob jemand da ist, antwortet oder nicht.

      Und ich mag es immer lieber, dieses Gefühl von „hier bin ich“ zu spüren, ohne dass jemand da ist. Vielleicht ändert sich das, wenn ich lerne, bei diesem Gefühl von „aaach, hier bin ich, ich bin da, alles ist gut“ zu bleiben auch wenn jemand mit mir spricht oder um mich herum ist.

      Wenigstens behandle ich mich nicht mehr wie einen Idiot. Ein recht einsamer Reicher, der in Gesellschaft oft bettelarm war. Und jetzt langsam lernt, die Zeit mit anderen zu genießen, ohne wieder süchtig zu werden: nach der Liebe, Anerkennung und Wertschätzung der anderen. Zuneigung der anderen, von denen wir oft nicht mal sicher wissen, dass sie wirklich so gemeint ist. Warum fühlen wir uns aber trotzdem so gut? Weil wir sie uns in Wirklichkeit selbst geben; die Liebe, die Wertschätzung, die Achtung.
      Ich erlaube mir, mich zu lieben, wenn du mich auch liebst. Was für ein krummer Deal mit mir selbst und mit dir 😉

      Antworten
  10. Andi
    Andi sagte:

    „Deprimierend kann eine ausbleibende Antwort vor allem sein, wenn ich von meinem ‚Gesprächspartner‘ mehr will, als bloß ein bisschen hin und her schreiben.“ Von der Frau in die ich mich verliebt habe hatte ich mir dies erhofft und habe genau dieses auch ausgesprochen: Einfach die Sache auf den Punkt bringen, Gefühle anvertrauen und Wünsche offen gestehen. Das geht mangels Alternative auch per WhatsApp. Eine Antwort blieb aus und auch die bis zu diesem Punkt üblichen Belanglosigkeiten. Schweigen heißt abzulehnen, mit jemandem zu sprechen, nicht anzuerkennen was jemand sagen möchte, sich distanzieren und ausdrückliche Wünsche ignorieren. Für mich ist es der Ausdruck von Unreife, Bösartigkeit oder einem Mangel an emotionaler Intelligenz. Eine Person zu ignorieren bedeutet, dass sie nichts wert ist, dass sie keine Rolle spielt. Die Dinge werden noch verletzender, wenn man sie nicht zu deuten weiß. Du hast Recht, es ist eine sehr klare Antwort. Aber ich muss sie nicht „gut finden“.

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Andi. Du musst sie nicht gut finden. Vielleicht ist sie ja weder gut noch schlecht. Vielleicht ist sie einfach das, was sie ist. Eine ausbleibende Antwort. Vielen Dank für Deine Sicht und alles Gute! Gidon

      Antworten
  11. M. N.
    M. N. sagte:

    Toller Artikel! Ich liege seit 2 Tagen krank im Bett und warte auf eine Antwort von einer Person. Die Person reagiert aber nicht. Ich merke gerade, wie idiotisch das ist. Aus meiner Sicht ist es auch sehr unhöflich Fragen nicht zu beantworten oder auf eine Nachricht nicht zu reagieren. Aber wie heißt es so schön? Keine Antwort ist auch eine Antwort. Ich wünschte nur, dass ich mehr Selbstliebe hätte. Ich kann von anderen Menschen keine Bestätigung erwarten. Aber es fällt mir schwer diese Angewohnheit abzugewöhnen. 🙁

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Vielen Dank! Ja, du triffst den Nagel auf den Kopf, unsere Suche nach Liebe und Anerkennung ist eine Angewohnheit. Eine sehr gute Hilfe beim Entwöhnen ist die Frage: Was denken die anderen über mich? Was sollen sie nicht denken? Was sollen sie denken? Jede einzelne dieser Lügen macht uns süchtig. Es sind Lügen, denn was die anderen tun und denken ist ihre Sache – zum Glück. So wie es unsere Sache ist, was wir denken und tun. Zum Glück. Wir tragen für uns selbst schon genug Verantwortung. Die Lügen als solche zu enttarnen ist die ultimative Entwöhnung von der Suche nach Bestätigung. Ich habe heute erst Liegestütze an einer Bushaltestelle gemacht. Dabei ging mir durch den Kopf.. was denken die anderen jetzt wohl von mir? Sie halten mich für einen Angeber. Sie finden mich lächerlich. Und dabei hätte ich fast vergessen, warum ich die Übung gemacht habe. Ich musste mich etwas bewegen, nach 5-6 Wochen ohne Sport. Er holt mich raus, ist ein Gegengewicht zum vielen Nachdenken und geistigen Arbeiten. Das alles zählt. Nicht, was die anderen denken. Danach habe ich ein kleines Gedicht darüber geschrieben und hier veröffentlicht: https://herzbiskopf.de/du-darfst-ueber-mich-denken-was-du-willst/ Liebe Grüße, Gidon

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  12. Biene1986
    Biene1986 sagte:

    naja da wird aber immernoch vergessen das wir menschen rudeltiere sind
    soziale wesen die einander brauchen und sehr wohl von der zuwendung anderer abhängig sind,
    es soll ja menschen geben die alleine glücklich sein können, als eremit oder mit irgendeinem familien-ersatz
    wie einen hund….aber das ist nunmal nicht bei allen so und auch völlig natürlich
    ohne andere menschen hätte der autor niemals diesen text verfassen können
    denn dann könnte er nichtmal lesen oder schreiben….er könnte nichtmal auf zwei beinen gehen!

    Antworten
  13. Anneliese
    Anneliese sagte:

    Hallo Gidon,

    Ich war das erste Mal auf der Suche nach einer solchen Frage und ich finde wie du es siehst einfach nur großaratig. Ja es hat alles mit mir zu tun. Wieviel Aufmerksamkeit schenke ich mir? Was will ich grade nicht sehen oder auch nicht aushalten wenn ich mich im äusseren beschäftige, mit den Dingen die ich null ändern oder beeinflussen kann. Ich kann nur mich ändern 🙂 meine Einstellung, meine Reaktion auf etwas. Alles andere ist interpretiert. Wenn jemand nicht antwortet können viele Dinge sein…keine Zeit, keine Interessen, Gosthing, eben alles mögliche. Geht es nicht auch darum mich selbst zu lieben wie ich bin mit all meinen Ecken, Kanten, Rundungen. Kann ich bedingungslos lieben oder stelle ich Forderungen, wie … wenn dann….
    Es heißt ja auch wenn dich jemand kritisiert sind es 30% von Dir und 70% von ihm selber 🙂
    Doch was wäre denn wenn der andere auf einmal nichts mehr falsch macht?

    Danke für deinen Impulse
    Beate

    Antworten
  14. Carlotta
    Carlotta sagte:

    Hallo Gidon!
    (Ich hatte meinen Kommentar an der falschen Stelle eingefügt. Deshalb nun nochmal… ;,-))
    Dein Artikel trifft den Nagel auf den Kopf!
    Ich schreibe ihm immer wieder, „erfinde“ immer wieder neue Vorwände in der Hoffnung auf eine klitzekleine Reaktion.
    Aber egal was ich schreibe: es kommt NICHTS zurück.
    Ob es eine Nachricht zum Geburtstag oder ein Neujahrsgruß ist. Nichts! Kein „Danke“ und kein „wünsche ich dir auch“.
    Ich bin darüber sehr traurig. Immer wieder! Obwohl ich ja eigentlich weiß, dass ich keine Reaktion erhalten werde.
    Er sagte mir vor gut einem Jahr, dass er beschlossen hat, dass es besser ist, wenn wir keinen Kontakt mehr haben.
    Es war eine komplizierte Sache (ähnlich einer Affäre).
    Er hält sich seitdem daran. Ich schätze ihn sehr als Menschen, er fehlt mir als Freund in meinem Leben.
    Aber das haben wir wohl vermasselt.
    Leider wurde nie offen darüber kommuniziert. Vermutlich kann ich deshalb nicht loslassen.
    Gidon, du bringst es mit diesem Artikel wirklich auf den Punkt. Vielen lieben Dank dafür!
    Ich wusste im Grunde bevor ich die Nachricht anschickte, dass ich wieder traurig sein werde, dass es mir schlecht gehen würde.
    Trotzdem habe ich es nicht sein lassen in der Hoffnung auf ein kleines „dir auch ein gutes neues Jahr“.
    Natürlich blieb dies aus.
    Er liest die Nachricht, aber antwortet nicht.
    Ich muss es endlich akzeptieren. Es ist so schwer.
    Viel Kraft allen hier!
    Wer mag, kann mich gerne kontaktieren

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Hallo Carlotta, vielen Dank für Deine Nachricht und Deine Erfahrungen. Wir heben uns auf für unsere Freunde und Beziehungen. Mit ihnen wollen wir lachen, auf der Couch sitzen und den Tatort schauen, mit ihnen unsere tiefsten Gedanken und Gefühle teilen, uns mit ihnen verbünden, verbinden.

      Und wenn wir alleine sind, heben wir uns auf für sie. Wir schauen stundenlang fern, statt unseren tiefsten Gedanken und Gefühlen nachzugehen. Wir langweilen uns, anstatt mit uns zu lachen, auf der Couch zu sitzen und mit uns Tatort schauen. Wir warten auf die Reaktion anstatt uns mit uns selbst zu verbinden.

      Eine sehr gute Freundin von mir ist seit einiger Zeit nicht mehr mit einem ebenfalls sehr guten Freund von mir zusammen. Wir haben uns fast 10 Jahre lang mehrmals pro Woche gesehen, es war fast, als würden wir zusammen wohnen. Seit ihrer Trennung sehen wir uns nicht mehr; naja, ein-zwei mal pro Jahr. Es klappt einfach nicht mehr.

      Wenn ich denke, „wie schade, ist ihr unsere Freundschaft gar nichts wert?“ dann bin ich enttäuscht.
      Wenn ich denke, „ich bin ihr egal“, werde ich wütend.
      Wenn ich denke, „wie schön war es früher und jetzt ist es vorbei“, werde ich traurig.

      Oder ich frage mich, ob das stimmt, was ich glaube. Vielleicht ist ihr unsere Freundschaft viel Wert, wahrscheinlich sogar. Nur kann sie vielleicht einfach nicht mehr so wie früher neben mir sitzen, als wäre nichts gewesen; als wäre die Zeit stehengeblieben. Als wäre ihre Beziehung mit meinem guten Freund nicht vorbei, als würden wir uns wie immer am Sonntag-Abend bei ihnen zuhause treffen. Als wäre der Schmerz nicht mehr da, den sie vielleicht noch immer spürt.

      Nein, ich kann nicht sicher wissen, was in ihr vorgeht. Wahrscheinlich bin ich ihr nicht egal, sondern im Gegenteil. Es hat einen Grund, warum wir keinen Kontakt mehr haben.

      Und: War es wirklich immer schön? Und: ist es jetzt nicht auch schön? Ich kann viele Beispiele finden, warum ich froh bin, dass die Zeit vorbei ist. Ich saß neben meiner Freundin, aber mit Sorgen, mit Ängsten, mit all meiner Panik, von der ich nun befreit bin.

      Vielleicht ist eine Freundschaft dazu da: gewesen zu sein, was sie war. Und wer weiß, was morgen passiert? Jetzt sitze ICH hier, mein Herz schlägt; nur für mich, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin mir ein Freund. Und ich bin es für andere.

      Nur in meinen Gedanken, mit meiner Erinnerung und in meiner Vorstellung vom Leben, wie es sein sollte, nur da bin ich traurig. Nur da bin ich allein. Nur da bin ich um meine beste Freundin gebracht.

      Antworten
    • Hum
      Hum sagte:

      Auch ich habe einen Freund, den ich täglich treffe und der mein Leben sehr bereichert. Manchmal antwortet er nicht und sofort ziehe ich unsere gesamte Freundschaft in Zweifel. Von 0 auf 100. Ich denke dauernd er belügt mich oder zwingt sich, mit mir zusammen zu sein. Er sagt immer, wenn ich da bin ist es schön wenn nicht, dann ist es aber auch gut. Ich empfinde diese Neutralität verletzend. Sollten wir für unsere Freunde nicht einfach was Besonderes sein und es sollte ein Unterschied machen ob wir da sind oder nicht?
      Du sagst….. Er gibt die Antworten durch sein Verhalten ohne Worte. Kann ich mir denn selber glauben, wenn ich sein Verhalten interpretiere?
      Ich unterstelle ihm, nicht ehrlich zu mir zu sein. Oder kein Interesse zu haben. Bedeutet das alles, ich denke über mich, dass ich nicht liebenswert bin und als Mensch nicht genüge?
      Dann wären das wohl meine neg. Glaubenssätze! Wie würdest du diese auflösen? Warte gespannt auf eine Antwort, grins (ach ne…. Da ist wieder die Erwartungshaltung…. Ein Teufelskreis, lach

      Antworten
      • Gidon Wagner
        Gidon Wagner sagte:

        Hallo Hum, danke für deine Fragen. Meiner Erfahrung nach ist nichts was wir denken die absolute Wahrheit. Das sagt sich so leicht, und muss ich in jedem Fall wieder neu erfahren, sonst tappe ich selbst immer wieder in die Falle. Ich empfehle, Überzeugungen zu hinterfragen. Ich benutze dabei die Technik „The Work“, in der ich mich auch als Coach habe ausbilden lassen. Jeder kann sie einfach anwenden, mit etwas Routine auch im Alltag. Hier findest du mehr Infos über The Work: https://herzbiskopf.de/the-work-eine-einfache-selbsthilfe-technik-fuer-jedes-problem/

        Antworten
  15. Kirsten
    Kirsten sagte:

    Hallo Gidon, zum ersten Mal antworte ich auf einen Internetartikel, weil in mir gefühlt eben beim Lesen ein ganzes Gebirge ins Rutschen kam. Seit vielen Jahren kann ich Kontakte, die mir definitiv nicht mehr gut tun, einfach nicht beenden. Selbst wenn mir ein Mann oder eine Frau nach Monaten oder sogar Jahren wieder schreibt, werde ich schwach und lande am Ende immer wieder im gleichen Drama. Und suche sofort den Fehler bei mir: Ich MUSS antworten. Schweigen ist ganz furchtbar. Und eben lese ich bei dir: Ich DARF schweigen! Das ist ok! Ich bin dir so so so dankbar 🙂 Dass ich Schweigen als Antwortmöglichkeit ausschließe oder mich sehr schlecht dabei fühle, hat leider mit schlimmen Kindheitserfahrungen zu tun. Antworte ich also jemandem nicht, löst das bei mir eine Art Rückkopplungsschleife zu den Erlebnissen von früher aus. Ich kann das nun endlich voneinander trennen! Sagte ich schon, dass ich dir dankbar bin? 😉

    Antworten
    • Gidon Wagner
      Gidon Wagner sagte:

      Liebe Kirsten,

      das ist eine sehr schöne Nachricht. Vielen Dank! Ich freue mich, dass sich in Dir beim Lesen diese Einsicht geregt hat. Toll 🙂 viel Spaß beim nicht Antworten! Hihi. Ich werde Deine Antwort zusätzlich in den Artikel einfügen, weil ich sie SEHR hilfreich finde, vielleicht für jemanden, der sich gerade über eine ausstehende Antwort wundert.

      Liebe Grüße
      Gidon

      Antworten
      • Kirsten
        Kirsten sagte:

        Lieber Gidon, danke für deine Antwort und die Aufnahme meines Kommentars in deinen Artikel! Ich freue mich sehr darüber. Ich kenne natürlich auch die andere Perspektive sehr gut. Also darauf zu warten, dass jemand antwortet, von dem ich mir eine Nachricht, tja sind wir ehrlich, erhoffe. So ging es mir bis vor einigen Monaten noch. Ich wollte und konnte mich mit dem Schmerz und anderen Gefühlen und Emotionen nicht verbinden, die ich durch das Schweigen des anderen in mir aufkommen spürte. Doch im Laufe der Zeit und weil ich immer an all diesen Themen dranblieb, verstand ich etwas. Ja gut, da entscheidet sich ein mir oder weniger nahestehender Mensch für das Schweigen. Das ist seine ganz eigene Entscheidung, die erstmal mit mir persönlich nichts zu tun hat. Dann habe ich die WAHL, wie ich mit dieser äußeren Situation umgehe: Lasse ich es zu, dass ICH SELBST das Schweigen als Kränkung empfinde (warum eigentlich?) oder akzeptiere ich die Situation? An dieser Stelle lasse ich auch meine Gefühle bewusst zu. Spüre ich Traurigkeit, weil ich mich über eine Antwort freuen würde, lasse ich sie zu. Und dann ist auch wieder gut. So komme ich mittlerweile sehr gut zurecht. Das hat schon für viel Entspannung in meinen Beziehungen gesorgt (z. B. zu meinen Geschwistern), weil ich sie nicht mehr mit Erwartungen belaste. Der Weg dahin ist zugegeben nicht immer leicht.
        Liebe Grüße

        Antworten

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