Alle reden von Change. Klingt wie Chance. Etwas muss sich ändern, da sind sich alle einig. Die anderen Menschen. Wir selbst. Die Wirtschaft. Die Politik. Die Welt. Aber das tut weh. Es tut weh, zu glauben, dass die Welt nicht okay ist. Dass ich nicht okay bin. Und es verhindert sogar, dass sich irgendetwas zum Guten ändert, wie wir es uns vorstellen. 

Unzufriedenheit ist heilbar

Wir denken, wir sind frustriert wegen der Dinge. Wegen uns. Was wäre aber, wenn alles genau richtig wäre, wie es ist? Wenn nur unser andauernder Wunsch nach Veränderung das Problem wäre. Was wäre, wenn ich mich genau so annehmen würde, wie ich bin? Wenn ich nicht mehr auf eine bessere Zukunft hoffe? Dann wird die Gegenwart zum Paradies. Nichts hätte sich verändert – und trotzdem hätte sich alles verändert.

Wir leben im Paradies

Wie stellt man sich das Paradies vor?

Richtig: Man hat dort alles, was man will. Nichts fehlt, alles ist perfekt. Und wo ist der Unterschied zwischen einem Mensch, der im Paradies lebt und einem Mensch der im Dreck lebt, aber nicht mehr will, als er hat? Dieser Mensch hat alles, was er will. Er lebt in seinem eigenen Paradies.

Ein anderer mag in einer grünen, sauberen Stadt wohnen und ist unzufrieden, weil er kein Auto hat. Weil er alleine lebt. Weil er nicht mehr in seine neue Hose passt. Weil seine Freunde sich nur für sein Geld interessieren. Weil ihm langweilig ist. Was auch immer! Es wird immer etwas geben, das dieser Mensch sich vorstellen kann und noch haben will.

Ich bin perfekt, bis ich etwas anderes glaube

Ich ist eine Vorstellung. Wer wir wirklich sind, ist viel großartiger als man es sich vorstellen kann.

Woher weißt du eigentlich, dass es besser wäre, wenn dein Leben anders wäre? Wenn du reicher wärst? Wenn dein Körper anders wäre? Dicker, dünner, kleiner, größer?

Schon als Kind dachte ich mir jeden Abend: Morgen, da werde ich besser sein. Da werde ich Hausaufgaben machen und in der Schule nicht stören. Ich werde meine Eltern nicht mehr traurig machen. Ich werde keine Fehler mehr machen.

Aber ich würde wieder Fehler machen. Und ich werde Fehler machen. Und gleichzeitig gibt es keine Fehler. Falsch ist ein Konzept, eine Idee, ein Schatten im Lichte des Verstandes, der sich vorstellt, wie es sein sollte. Und SOLLTE macht immer unglücklich. Die ganze Kacke mit Persönlichkeitsentwicklung verfehlt ihr Ziel: Wer denkt, er sollte anders sein, der wird niemals zufrieden sein können. Wer hart an sich arbeitet, schaufelt sich sein eigenes Grab.

„Könnte besser laufen“ – ganz sicher?

Wie oft hab ich mir das schon gesagt?

 Und dann denke ich daran, dass ich das Privileg habe, ohne Hitler aufzuwachsen. 

Kann ich sicher sein, dass es besser laufen könnte?

Irgendwas kann man sich zumindest immer noch besser denken. Und es ist nichts falsch daran, sich weiterzuentwickeln, sich vorzustellen, wie der Garten aussehen könnte und dann mit dem Pflanzen zu beginnen. Es ist nichts falsch daran, die Gesellschaft und sich selbst zu kritisieren und dann etwas anders zu machen.

Aber Zwischenschritte in der Entwicklung als schlecht zu bezeichnen, das ist eine Falle, die unseren Blick für das Gute versperrt.

Wenn ich an einem Lied arbeite, bin ich nie fertig. Ich finde immer noch etwas, das ich dazu nehmen oder verändern könnte. Aber ist der Song deswegen schlecht? Er gefällt mir in jeder seiner Entwicklungsstufen. Wenn ich ihn schlecht finde, dann verliere ich meine Kreativität. Dann kann ich nichts Gutes mehr erschaffen.

Ein paar Stichpunkte zusammengefasst, warum du dich nicht verändern musst:

  1. Du wärst anders, wenn du anders sein solltest. Das Universum macht keine Fehler. Du warst schon im Urknall festgelegt. Das ist eine Tatsache. Nur in deiner Phantasie gibt es einen Klon, der besser ist als du.
  2. Wohin würde es führen, wenn du ein anderer Mensch wärst? Was würdest du bekommen? Mehr Geld? Bessere Beziehungen? Deinen Traummann, deine Traumfrau? Wen hat sowas schon mal auf Dauer glücklich gemacht? WEN?
  3. Du kannst dich gar nicht verändern. Du bist einmalig du und niemand anders kann so sein, wie du. Andersrum kannst du so tun, als wärst du jemand anders, aber dadurch bleibst du immer noch du selbst. Nur vielleicht weniger glücklich, unsicherer, gestresster.
  4. Du weißt nicht, wer du bist. Ich weiß es zumindest nicht. Ich sehe in den Spiegel und sehe mein Gesicht, meinen Körper. Ich sehe, wie ich aus ungefähr einem Meter Entfernung ausschaue. Ich ignoriere dabei, wie es sich anfühlt, ich zu sein, hier auf der anderen Seite des Spiegelbilds. Ich erinnere mich an die letzten 30 Jahre und sehe so viele unterschiedliche Persönlichkeiten in diesem Spiegel. Ich war so viele unterschiedliche Menschen. Verantwortungslos, verantwortungsvoll, aggressiv, friedlich, glücklich, traurig. Ich bin all das. Und das macht mich zu einem großen Fragezeichen. Ich habe keine Ahnung, wer ich wirklich bin, also weiß ich auch einen Dreck darüber, wie ich sein sollte. Das ist befreiend. Gott sei Dank: Ich muss es nicht wissen. Ich darf einfach sein.

Mehr zum Thema: Warum unglückliche Menschen so viel über sich selbst sprechen (und nachdenken) und: Du brauchst NICHTS, um glücklich zu sein – außer das, was du jetzt hast

PS: Update

Leserin N. hat mir auf Facebook geschrieben und ich möchte den Dialog hier aufgreifen. N. schreibt: Es sei nicht richtig, dass man sich nicht ändern sollte wenn Unzufriedenheit da ist. Leben sei Veränderung. Leider haben viele Menschen nicht den Mut und die Kraft, sich zu verändern, schreibt N. weiter. Eine Veränderung sei das, was Zufriedenheit bringt. Glücklich könne man außerdem nicht immer sein. Menschen, die immer glücklich sein wollen, haben es ihrer Meinung nach schwer. Zufrieden, liebend und gesund, das seien Ziele, die man erreichen kann.

Liebe N., vielen Dank für deine Nachricht!

Meine Antwort hat N. besser gefallen als mein ganzer Artikel, deswegen möchte ich sie euch hier nicht vorenthalten:

Ja, Leben ist Veränderung. Und wenn ich unzufrieden bin, werde ich auf jeden Fall etwas ändern. Nur was genau? Werde ich wild die Steine verrücken, oder in Ruhe die Situation ansehen und wirklich hinsehen? Ohne meine festgefahrene, vorgefertigte Meinung?

Ich bin jahrelang zum Beispiel immer schneller gerannt, habe immer härter gearbeitet, weil ich dachte, ich müsste schneller vorwärts kommen. Dann habe ich gemerkt, dass Ruhe für mich der eigentliche Fortschritt ist, Ruhe vom andauernden Grübeln und Stress. Unzufriedenheit hat mich blind vor Wut und Angst gemacht. Erst, als ich meine Sicht auf die Dinge ein wenig verändert hab, konnte ich etwas wirklich Gutes für mich ändern.

„Alles ist Scheiße“ bringt mich kein Stück weiter. Ich sehe dann nur noch das Problem, nicht die Lösung.
Fragen wie „Was ist gut und was will ich noch mehr in mein Leben bringen?“ richten den Blick wieder auf das, was mir Kraft für Veränderungen gibt.

Und Unzufriedenheit mit mir selbst wirft mich immer zurück. Weil ich dann das Problem bin.

Wenn ich zum Beispiel traurig bin und mich daran störe, macht mich das nur noch trauriger.
Aber in dem Moment, wo ich auch nur einen Funken Freude in mir finde und mich darauf konzentriere, wächst die Freude. Die Traurigkeit schrumpft.

Trotzdem gehört die Traurigkeit zu meinem Weg. Der ganze Mist, der passiert, gehört zu meinem Weg. Wenn ich das anerkenne, ist es kein Mist mehr rein. Alles kann mich weiterbringen, solang ich mich liebevoll mit meinem Leben beschäftige.

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