„Ich weiß nicht, was ich liebe und wie ich es herausfinden soll. Wenn ich die Augen zu mache und in den Bauch höre, ist da Leere. Wie kann ich meine Bedürfnisse erkennen und diese Leere füllen – ganz konkret?“ Das hat mich Miriam* gefragt. Und ich habe zum Glück eine ganz konkrete Antwort, weil es mir vor ein paar Jahren genauso ging.

Liebe Miriam,

ok, werden wir ganz konkret. Die eigenen Bedürfnisse nicht spüren: Wie lösen wir den Knoten? Jedem helfen andere Dinge. Nimm meine Antwort also bitte nur als einen Weg von vielen.

Schritt 1: Aufschreiben

Also: Du sagst, du weißt nicht, was du liebst. Dann beginnen wir doch mit den Dingen, die du nicht magst und lösen das Problem von hinten durch die Brust ins Auge. Was in deinem Leben macht dir keinen Spaß? Was hasst du? Was magst du nicht? Nimm ein Blatt Papier und mach eine Liste mit diesen Dingen:

Ich mag … nicht, weil …

Also zum Beispiel:

  • Ich mag meinen Job nicht, weil er mich nicht erfüllt.
    • Weil er mir die Kraft raubt.
  • Oder: Ich mag meinen Körper nicht, weil er zu schwach ist.
    • Weil er zu wabbelig ist.
    • Weil er zu unbeweglich ist.

Mach diese Liste mit den verschiedenen ungeliebten Dingen in Deinem Leben so lang, wie du möchtest. Schreib das auf, was dir den meisten Kummer macht. Was dich am meisten belastet. Was dir die Freude raubt. Im ersten Schritt reichen ein paar „große Themen“. Ich mache diese Listen aber regelmäßig und habe sicher schon tausende Überzeugungen zu Papier gebracht.

Warum diese Übung?
Ziel der Übung ist, ein bisschen festzuhalten, was dir das Leben erschwert. Denn aus meiner Erfahrung ergeben sich die Dinge, die wir lieben, brauchen und uns gut tun, ganz von selbst. Aber wir werden abgehalten von den Dingen, die wir nicht mögen. Die uns deprimieren. Sie lenken uns ab. Genauer gesagt: Unsere negativen Gedanken über die Dinge lenken uns ab. Denn unser Gehirn ist dann laufend damit beschäftigt, diese Probleme zu lösen. Und andere Sachen haben keinen Platz.

Liste erstellt? Dann geht’s weiter

Diese Glaubenssätze schlummern also in dir – sie zu hinterfragen, macht frei. Indem du sie aufgeschrieben hast, kannst du sie bewusst anschauen und genauer hinsehen.

Schritt 2: Mich von meinen negativen Überzeugungen lösen

Wie befreie ich nun meinen Verstand aus der Sackgasse? Das kann auf vielen Wegen passieren: Bei einem tiefen Gespräch mit einer Freundin. Oder per Zufall, bei einem besonderen Erlebnis, das mir die Augen öffnet. Oder einfach, indem ich meine Gedanken im Alltag immer stärker beobachte, ohne sie zu bewerten (das wären ja sonst bloß weitere Glaubenssätze über meine Glaubenssätze). Eckhart Tolle ist wohl einer der bekanntesten Lehrer für die „Praxis“, die Gedanken einfach nur zu beobachten.

The Work

Ich selbst LIEBE dafür die Meditationstechnik „The Work“ von der Autorin Byron Katie. Ohne diese Technik wäre ich heute vielleicht nicht hier. Nimm dir dafür die aufgeschriebenen Glaubenssätze und überprüfe sie mit den vier Fragen von The Work. Das hilft dir, dein Leben aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Wie du The Work machst, beschreibe ich in diesem Artikel.

Es gibt aber auch andere Wege, die eigenen negativen Glaubenssätze zu hinterfragen. Nicht jeder kommt mit The Work zurecht. Mein Blogger-Kollege Tim hat dazu zum Beispiel neulich einen Beitrag zum Anhören aufgenommen: Wie du dich von negativen Glaubenssätzen befreien kannst

Schritt 3: Das Leben neu entdecken

Der letzte Schritt ist der wichtigste und auch der schönste: Leb dein Leben weiter mit dem, was du über dich gelernt hast.

Beispiel, wie ich meine Bedürfnisse neu entdeckt habe: Vom Hammer-Muffel zum begeisterten Heimwerker

Ich hatte jahrelang nur meine Arbeit – und die spielte sich an Computern ab, schreibend, nicht schleifend. Und plötzlich, als ich ein Problem nach dem anderen löste, begannen sich neue Dinge in meinem Leben zu zeigen. Ich kam spontan auf die Idee, mein Bett umzubauen. Bis dahin war ich ein Handwerkmuffel mit mehr als zwei linken Händen und hatte noch nicht mal eine Glühbirne ausgetauscht, geschweige denn mit einer Stichsäge ein Bett zerschnitten, gekürzt und neu zusammengesetzt.

Aber dank einer spontanen Idee und Lust, bin ich zum Heimwerker geworden. Das war nicht geplant! Das war das Leben. Ich baue mir, wann immer ich Zeit habe, eigene Möbel oder kleine schöne Gegenstände. Ich verschenke viel und baue gerne etwas für Freunde. Ich weiß gar nicht, wie ich all die Jahre ohne das auskommen konnte. Es ist mein perfekter Ausgleich zur Arbeit am Rechner. Es ist mein Sport für die Hände.

Wie kam die neue Leidenschaft in mein Leben?

Um dahin zu kommen, musste ich aber erst mal ein paar der dunklen Wolken über meinem Kopf zur Seite schieben, die mir die Sicht auf mich und meine Bedürfnisse in meinem viel zu kleinen Schlafzimmer versperrten. Ich hatte bis dahin bereits hunderte meiner negativen Überzeugungen über das Leben, andere Menschen und mich selbst überprüft.

Über ein Jahr lang hatte ich trotzdem akzeptiert, dass mein Bett einfach nicht gut in mein Zimmer passte und hatte Abends immer wieder denselben Balance-Akt in Kauf genommen.

Und auf einmal, als ich anfing, mein Leben mehr zu mögen, da kam dieser Impuls: „Jetzt reichts“. Genug balanciert. Ich stelle mein Bett jetzt quer und dafür werde ich es zersägen und kürzen (von ca. 2,10 metern auf genau zwei Meter). Und so war ein neuer Heimwerker in mir geboren. Nach einem Tag und mehreren Littern Schweiß stand mein Bett endlich dort, wo ich es haben wollte. Und ich stehe seitdem fast jede Woche im Baumarkt und hole mir Holz für ein neues Projekt.

Leidenschaft passt übrigens wortwörtlich, denn ich habe vom vielen Bücken in der Werkstatt Rückenschmerzen – ist mir aber recht so, denn wo gehobelt wird, da verspannen sich eben ein paar Muskeln.

Artikel zum Thema: Ich fühle mich leer – Endlich Platz für Neues!

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