Wie respektiere ich mich selbst? Selbstachtung lernen in 30 Minuten

Wenn wir uns selbst nicht achten, fällt uns meist zuerst das respektlose Verhalten anderer auf. Ob andere uns respektieren, hängt aber davon ab, was wir über uns selbst denken. Wenn wir unser Selbstbild korrigieren, verstehen wir die Häme des anderen vielleicht als Anerkennung. Wenn das Selbstbild stimmt, respektierst dich wieder selbst und ärgerst dich nicht mehr über andere.

Ein Beispiel: Kürzlich fragte jemand dieser wenig vertrauten Freunde auf Facebook, ob wir anderen ihm einen Rat geben können. Er wolle sich über eine autarke Solaranlage informieren. Ich hatte mir erst Videos über das Thema angesehen und antwortete, ich sei mit meinen Recherchen so weit, dass er um Batterien nicht herum komme.

Ich vergaß den Post und schaute nach ein paar Tagen wieder rein; stolperte über seine Antwort: „Ach was? Ich brauche Speicher für eine autarke Anlage!? (lachendes Emoji)“

Wer meinen Blog liest, weiß, dass ich mein Denken oft und genau reflektiere. Trotzdem stieg die Wut unkontrolliert in mir auf und Gedanken wie „Er macht sich über mich lustig“. „Er macht mich vor allen lächerlich“. Eine verzweifelte Selbstreflexion und 30 Minuten wütendes Joggen später, musste ich über meinen Anfall schmunzeln.

Wir legen dem anderen in den Mund, was wir über uns selbst denken

Wer sagt mir, dass er sich über mich lustig machen will? Woher weiß ich, was er über mich denkt? Wir kennen uns aus der geschäftlichen Welt und er weiß vermutlich von meiner nicht unbekannten Firma. Kann ich also sicher sein, dass er mich nicht respektiert?

Ich habe keine Ahnung, was andere über mich denken

Vielleicht fühlt er sich mir sogar unterlegen und macht deswegen diese ironische Bemerkung. Oder, genauso möglich: Vielleicht denkt er, ich mache mich über ihn lustig – nicht ahnend, dass für mich dieses Wissen um Batterien schon ein echter Fortschritt ist, für ihn aber eine Selbstverständlichkeit. Hätte ich in Physik mal besser aufgepasst!

Aber mal im Ernst: Erst, als ich mir selbst wieder auf die Schultern klopfe und etwas Stolz in mein Denken bringe, komme ich auf die Möglichkeit, dass der Spott des anderen genauso viel Anerkennung enthalten könnte.

Das Verhalten anderer ist ein Geschenk und zeigt uns, ob wir uns selbst respektieren

Als ich die Perspektive wechsle, fühle ich mich auf einmal nicht mehr herabgesetzt. Ich fühle mich wieder wohl in meiner Haut. Und ich nehme die vermeintliche Kritik plötzlich nicht mehr vernichtend wahr. Und das nur, weil ich eine andere Perspektive, einen neuen Gedanken zugelassen habe.

Wie es bei mir ankommt, ist meine Sache

Was ich mit größerer Sicherheit sagen kann: Meine Hilfe zum Thema Solaranlagen brauchte er nicht. Besser gebe ich wohl auf technische Fragen keine Ratschläge mehr, bleibe hier bei meinen Psycho-Themen, und reflektiere weiter mein Denken.

Übung für deine Selbstachtung

Vorab: Verlagere deine Aufmerksamkeit auf dein eigenes Denken, weg vom Verhalten anderer. Du kannst andere nicht ändern, da bist du machtlos. In deinem Denken, in deinen Angelegenheiten kannst du etwas bewegen.

  • Nimm dir eine halbe Stunde nur für dich Zeit und suche dir eine Situation, in der du dich von anderen nicht ernst genommen fühlst.
  • Wenn du die Meditation The Work kennst und praktizierst: Füll in dieser Situation ein Arbeitsblatt mit The Work aus oder stell dir die einfache Frage: Er/sie macht sich über mich lustig – kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Oder: Er/sie respektiert mich nicht – kann ich das absolut sicher wissen?
  • Achte darauf, ob du über dich selbst genauso kritisch denkst, wie du es dem anderen vorwirfst – wenn ja, schreib diese Gedanken auf und reflektiere, ob das wahr ist.
  • Achte in alltäglichen Situationen darauf, wie du mit dir selbst innerlich sprichst. Zum Beispiel, wenn dir etwas nicht gelingt oder du denkst, dass du einen Fehler gemacht hast. Was sagst du zu dir? Sind das freundliche Worte, oder sprichst du in einem scharfen, genervten Ton mit dir?
  • Versuch nicht, deine Gedanken zu ändern oder zu unterdrücken. Indem du dir dieser Muster in deinem Denken bewusster wirst, verlieren die Stress-auslösenden Gedanken an Kraft.

Beitrag zum Thema: Hör auf, an dir zu arbeiten – sondern fang an, dich zu lieben

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.