Ich steige am Olympia-Einkaufszentrum aus der U-Bahn und auf der Rolltreppe fällt alles in mir zusammen. Was für eine hässliche, trostlose Gegend. Hier war der Münchner Amoklauf. Graue Häuser. Alle eilen nur von A nach B. Mehr Spuren auf der Straße als Bäume am Straßenrand. Ich fühle mich so unwohl hier. Ich fühle mich klein, ausgeliefert. Aber an diesem Tag lerne ich etwas: Ich kann mich Zuhause fühlen, da, wo ich gerade bin. Ich kann mich wohl fühlen, wo ich früher fast in Panik ausgebrochen bin.

Ich fühle mich unwohl unter Menschen – aber nur, wenn ich über sie urteile

Ich kaufe etwas im Musikgeschäft ein. Nette Leute hier, das macht Spaß. Auf der Rückfahrt ist meine Stimmung trotz Betonwüstenplattenbaulandschaft besser. Mir geht es gut. Meine Gedanken sind viel „heller“ als auf der Hinfahrt. Vielleicht liegt das auch an der netten Kassiererin im Music Store. Aber ist hier nicht noch alles genau gleich hässlich wie davor, nur dass ich jetzt tolle Gerätschaft in einer großen Einkaufstüte und angenehme Eindrücke der netten Laden-Beratung dabei habe? Nur dass ich jetzt gut gelaunt bin?

 Nein, die ganze scheinbare Trostlosigkeit verliert sich in meiner Akzeptanz und Zufriedenheit. Ich habe kein Problem mehr ohne meine negativen Urteile. 

Zehn Minuten später sitze ich im Bus. „Das ist ein ungemütlicher Ort, ist das wirklich wahr?“, frage ich mich und fühle in mich hinein. 

Würde ich mich hier nicht wohl fühlen, wenn ich gerade nach Jahren der Gefangenschaft als Insel-Gestrandeter unter wilden und gefährlichen Tieren endlich zurück in der Zivilisation wäre? 

Wäre ich nicht dankbar für diesen Teil der Stadt, und dankbar dafür, andere Menschen zu sehen, auch wenn ich in ihnen die Härte des Lebens zu erkennen glaube? Welche Härte soll das schon sein? Meine Zeit auf der einsamen Insel, vom ewigen Regen durchnässt, zwischen Bären, tödlichen Quallen und giftigen Schlangen, ohne Arzt und ohne Einkaufszentrum, ganz ohne andere Menschen, die war wesentlich härter. 

Ich kann finden: Mein Denken ist ein ungemütlicher Ort. Ich sehe den Menschen und grauen Häuserfronten ins Gesicht, begegne dabei aber vor allem meinen düsteren Gedanken über diesen Ort. Und sehe nichts außer das. Sehe nicht meine Dankbarkeit. Den Überfluss, in dem ich lebe. Den ich immer dabei habe.

Das Wetter ist in den anderen Stadtteilen genauso verregnet. Niemand hat mir hier etwas getan, während ich den Weg zum Musikgeschäft suche. Und was ist hier ungemütlich? Ich hätte mich einfach irgendwo an die Straße setzen können und entspannen. 

Stattdessen bin ich gehetzt durch die vielen Menschen zwischen McDonald’s, U-Bahn und funktionalen Einkaufsbunkern gelaufen und wollte nur weg hier. Dabei geben diese großen Häuser so vielen Menschen ein Zuhause. Lassen sie in Wärme durch sie durch laufen, vielleicht etwas kaufen. Was für ein freundlicher, gemütlicher Ort! Die breiten Straßen geben mir genug Platz, um die Gemütlichkeit in mir selbst zu finden. Sie lenken mich nicht von mir selbst ab, mit schönen bunten Häusern oder idyllischen Wegen durch grün bedachte Adern wohlhabenderer Stadtteile. Nichts gegen das! Aber hier begegne ich meiner eigenen Trostlosigkeit, von der ich in der Idylle wenig spüre.

Als ich das sehe, als sich meine Welt auf den Kopf stellt, spüre ich eine angenehme Wärme in meinen Armen, während der Bus mich etwas ruppig von Halt zu Halt schüttelt. Alles atmet auf in mir. Und ich atme tief ein und fühle ein altes, vertrautes Gefühl. Ein Gefühl von Zuhause sein, da, wo ich bin.

Mein Vortrag für tiefes Selbstbewusstsein: „Selbst, bewusst und glücklich“:

  

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Bild: Pixabay

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