Ich habe mir heute morgen ein paar Videos angesehen zum Stichwort Selbstbewusstsein und wie man es stärkt. Schließlich drehe ich selber Videos zum Thema . Ich war nach kurzer Zeit wie erschlagen von scheinbar unendlich vielen Tipps, die mir ein paar sehr spannende Menschen mit vielen verschiedenen interessanten Sichtweisen gegeben haben. Aber die meisten verfehlen den Kern des Problems. Wenn dir die vielen Tipps nicht helfen, findest du in diesem Artikel den wahren Grund für schwaches Selbstbewusstsein – und eine Lösung.

 

Beim Anschauen der Tipp-Videos habe ich mich gefragt: soll ich hier wirklich weitermachen? Braucht die Welt mich als Autor, der Menschen erzählt, wie sie ihr (wahres) Selbstbewusstsein finden? Wenn doch schon allein das Netz so vollgestopft mit Tipps ist. Ja! Ganz einfach, weil die wenigsten von dem sprechen, was für unsere Ängste wirklich verantwortlich ist.

Nur ein paar Titel dieser Tipp-Oasen:

  • “9 Sprachtricks, die dein Selbstbewusstsein sofort stärken werden”
  • 30 Affirmationen für Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein
  • “Mehr auf bewusste Entscheidungen achten, die das Selbstbewusstsein stärken”
  • “NEIN sagen lernen!”
  • „3 geile Tipps für massives Selbstbewusstsein“
  • 5 Tipps, um den Glauben an dich zu erneuern“
  • Selbstbewusstsein stärken sofort mit dieser NLP Technik

Lauter gute und gut gemeinte Tipps. Ich kenne sie inzwischen alle, habe alles schon mal gehört. Aber:

  • Ich bin in der Öffentlichkeit nicht unsicher, weil ich zu wenig lächle – auch, wenn Lächeln hilft
  • Mit fehlt kein Selbstbewusstsein, weil etwas mit meiner Körperhaltung nicht stimmt – auch, wenn eine Aufrechte Haltung helfen kann
  • Mein Selbstvertrauen ist nicht verschwunden, bloß weil ich nicht oft genug meine Meinung oder einfach NEIN sage
  • Meine Angst, auf Menschen zuzugehen habe ich nicht, weil ich zu wenig Sport mache
  • Ich habe kein schwaches Selbstbewusstsein, weil ich zu wenig Dinge bewusst tue – sondern andersrum: ich tue Dinge, die ich eigentlich gar nicht will, weil ich gar nicht weiß, WER ICH BIN und was ich wirklich will. Auch wenn bewusste Entscheidungen helfen können.

Es gibt unendlich viele saumäßig gute Tipps da draußen. Und die meisten davon können auch dabei helfen, das Selbstbewusstsein zu stärken. Sich besser zu fühlen.

Aber sie umschiffen das eigentliche Problem:

 Wer wenig Selbstbewusstsein hat, sorgt laufend selbst dafür, dass das Selbstbewusstsein klein bleibt: mit seinen Gedanken. Unschuldig. Ohne es zu wissen. Das kann man sofort ändern. 

Tipps können also höchstens eine Hilfe sein auf dem Weg zum Selbstbewusstsein. Jeder muss für sich erkennen, wie er sich selbst verunsichert.

Es gibt nur einen Grund für schwaches Selbstbewusstsein

Es gibt nur EINEN GRUND, warum ich mich Dinge nicht traue, kein Selbstbewusstsein habe. Meine Gedanken. Genauer: Meine Überzeugungen. Diese Gedanken lösen die Gefühle in mir aus, die mich zurückschrecken lassen und mir jede Zuversicht nehmen.

Das Denken beliebig zu ändern, indem ich einfach neue Dinge denke, ist aber schwer und eigentlich unmöglich.

Positives Denken ist, als würde ich mitten in der Nacht laut Musik auflegen, um die Party des Nachbarn zu übertönen und schlafen zu können. Ich überlagere den alten Gedanken einfach. Beispiel: “Ich bin schön” oder “Es ist nicht wichtig, was die anderen über mich denken”. Die Empfehlung sehr vieler Blogger lautet:

  • Einfach so oft wie möglich das Positive denken, dann glaubt man es irgendwann.
  • Oder: Einfach ein neues Mindset zulegen, eine neue Identität definieren, sich ein Bündel neuer Gedanken zulegen.

Jetzt kommt das große Aber – und gleichzeitig die ultimative Chance

 Ein Gedanke ist nur dann stark, wenn ich ihn glaube. Und ob ich ihn glaube, hängt ganz davon ab, ob er mit meiner Erfahrung übereinstimmt. 

“Es ist wichtig, was andere über mich denken” ist so ein starker Satz in meinem Kopf, weil ich mein ganzes Leben danach ausgerichtet habe.

Ich verhalte mich so, spreche so, denke so, seit meiner Kindheit, habe mein ganzes Leben an den vermeintlichen Gedanken anderer über mich ausgerichtet. Mein Leben ist der Beweis dafür, dass mein Gedanke wahr ist. „Ich fühle mich unsicher in der Gegenwart anderer, und da haben wir den Beweis! Was die Leute denken, ist eine Bedrohung für mich!“

Das ist wie der Mann, der auf der Straße steht und immer wieder in die Hände klatscht – als eine Frau ihn fragt, was er da mache, antwortet er: ich vertreibe die Elefanten. Sie entgegnet ihm, ich sehe keine Elefanten. Da sagt der Mann: Na, sehen Sie? Es klappt!

Und wegen solcher Gedanken traue ich mich zum Beispiel nicht, im voll besetzten Bus eine junge Frau anzusprechen. „Sie wird mich abblitzen lassen und dann denken die anderen von mir…“

Wir liefern uns unsere Beweise für belastende Gedanken auch noch auf andere Weise, nämlich über unsere Vorstellung:

Wenn ich mich darüber Sorge, was andere denken, stelle ich mir zum Beispiel eine peinliche Situationen vor, wie ich dumm dastehe vor anderen. Auch diese Bilder sind Beweise für mich, dass mein Gedanke war ist.

Das Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden zwischen einem vorgestellten und einem echten Ereignis! Deswegen läuft mir das Wasser im Mund zusammen, wenn ich mir vorstelle, in eine gelbe, süßlich duftende Zitrone zu beißen. Deswegen bekomme ich Höhenangst und weiche Beine und ein flaues Gefühl im Bauch, wenn ich mir nur vorstelle, auf dem Dach eines Hochhauses zu stehen und nach unten zu sehen.

Die Lösung: Es geht also einzig und allein um unser Denken

Lächeln, aufrecht stehen oder einfach so tun, als ob (etwa, indem ich in der Fußgängerzone Fremde Leute gezielt anspreche, um meine Nervosität abzubauen) sind also Tipps, die helfen können. Man braucht viel Willenskraft dafür und muss sich in der Öffentlichkeit überwinden. Sie lösen das Problem aber nicht an der Wurzel.

Es geht darum, unsere Beziehungen zu gesunden

  • Es geht darum, WARUM wir Angst vor anderen Menschen haben.
  • WARUM wir nicht lächelnd und erhobenen Hauptes durch die Gegend laufen.
  • WARUM wir uns klein machen.
  1. WEIL wir überzeugt davon sind, dass mit uns etwas nicht stimmt.
  2. Weil wir die Anerkennung, Liebe und Wertschätzung der anderen haben wollen. Das haben wir in der Kindheit gelernt. Wir haben gelernt, dass wir auf eine bestimmte Weise sein müssen, um akzeptiert zu werden.

 Wir sind Spezialisten darin, uns laufend zu verunsichern. Das tun wir unbewusst. Aber diese Angewohnheit kann man wieder verlernen. 

Als Erwachsener geht es darum, das wieder zu verlernen. Sonst bleiben wir so abhängig, wie wir es als Kinder von unsern Eltern waren. Sonst lernen wir nie, uns selbst lieb zu haben, sondern warten immer nur auf die Liebe von anderen. Sonst halten wir uns zurück, um bloß nichts falsch zu machen. Und wenn die Liebe oder Wertschätzung ausbleibt, sind wir verletzt, unsicher, deprimiert.

Dieses Verlernen kann man mit oben beschriebenen Übungen unterstützen. Mir selbst hilft es auch, ein Lächeln zu bewahren. Aber der direkte Weg (und einzig anhaltend wirksame Weg, den ich kenne) ist, Gedanken wie “Es ist wichtig, was die anderen von mir denken” zu hinterfragen. Das kann der menschliche Verstand nämlich zum Glück. Ich nutze dafür die Technik The Work, um die es auch in meinem Buch “Dein Weg zum Selbstbewusstsein” geht.

Wie du die Technik anwendest, habe ich in diesem Artikel über The Work beschrieben.

Also, für mich gibt es einerseits diese vielen tollen Übungen:

  • So tun, als ob (Fake it until you make it)
  • Komfortzone bewusst vergrößern
  • Lächeln
  • In der Fußgängerzone etwas machen, das man normalerweise nicht macht und das Aufsehen erregt
  • Aufrechte Körperhaltung bewahren
  • Sich auf eigene Stärken konzentrieren, sie aufschreiben
  • Erfolge bewusster wahrnehmen, auch sie aufschreiben
  • Dankbarkeit
  • Und viele, viele mehr

Diese Übungen sind wie Sport fürs Selbstbewusstsein. Sie können dafür sorgen, dass ich mich besser fühle, und natürlich passiert dadurch mit der Zeit auch eine Veränderung im Kopf und im Körper.

Aus meiner Erfahrung sind diese Wege aber zäh und funktionieren nur bei denen, wie einen eisernen Willen und genug Zeit haben. Sonst wird man bald wieder auf Tipp-Suche sein, was zu einer richtigen Ratgeber-Sucht werden kann.

Oder man wird nur halb glücklich, behält einen Teil seiner Unsicherheiten, und lebt einfach nur ein Leben bei 50 Prozent der eigenen Möglichkeiten.

Auf der anderen Seite gibt es den zentralen Knotenlöser: Das bewusste Auflösen von Gedanken, die mich belasten.

Das geht zum Beispiel so:

  • Beobachten der Gedanken (am besten für diesen Zweck aufschreiben, was ich denke.
    • Zum Beispiel einen Brief schreiben, den ich nicht abschicke
    • Oder eine Liste von Dingen machen, die ich über mich und andere glaube
    • Indem du deine Gedanken beobachtest und aufschreibst, kommen sie zur Ruhe. Du erkennst auch, wer du wirklich bist: NICHT deine Gedanken. Du bist nicht der Denker, sondern der, der die Gedanken wahrnimmt.
  • Meditation (im Grunde ist Punkt 1, das „Beobachten der Gedanken“ eine Meditation)
  • Eine besondere Form der Meditation, die noch recht unbekannt aber extrem wirksam ist, heißt The Work von Byron Katie, die ich oben bereits kurz erwähnt habe.
    • Dabei schreibe ich meine Gedanken auf und frage mich selbst vier einfache Fragen zu diesen Gedanken:
    • 1. Ist das wahr?
    • 2. Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist?
    • 3. Wie reagiere ich auf den Gedanken?
    • 4. Wer wäre ich ohne den Gedanken.

Zum Schluss finde ich Beweise dafür, inwiefern das Gegenteil meiner belastenden Gedanken ebenfalls wahr ist. Zum Beispiel: „Es ist nicht wichtig, was andere über mich denken“. Ja, das ist wahrer, weil es mir viel wichtiger ist, die junge Frau im Bus jetzt anzusprechen, egal, was jemand anderes über mich denkt. Weil ich nur diese eine Gelegenheit dazu habe, JETZT.

Und weil das, was andere über mich denken, keinen Unterschied macht. Das schlimmste vorstellbare Ergebnis wäre, dass sie über mich lachen. Und wie wahrscheinlich ist das, dass der ganze Bus plötzlich über mich lacht? Viel wahrscheinlicher ist, dass ich MICH blöd fühle, wenn die junge Frau mir einen Korb gibt, weil ich vor den anderen als Gewinner dastehen möchte. Weil ich ihre Anerkennung will!

Wenn belastende Gedanken einfach nicht mehr auftauchen…

So spielen Gedanken wie “Es ist wichtig, was andere über mich denken” immer weniger eine Rolle für mich. Weil ich der Wahrheit auf die Spur komme. Ich muss mich gar nicht anstrengen, etwas anderes zu denken.

Ich brauche keine einfachen Psychotricks, um mich selbst zu manipulieren.

Ich muss nicht wochenlang üben, in der Öffentlichkeit irgendwelche peinlichen Sachen zu machen. Wenn der Gedanke nicht mehr auftaucht, bleibt ein Stückchen schönes Leben mehr übrig. Ich sehe einen Teil der Welt plötzlich ganz anders!

Ich vergesse meine Ängste. Ich habe einen Teil meiner Angst verloren, und einen großen Teil meines Selbstbewusstseins wiedergefunden. Und dann merke ich, wie ich mich in Situationen plötzlich andere verhalte und mich besser fühle, ganz von selbst.  Und es warten noch viele tolle Überraschungen auf mich, je mehr belastende Überzeugungen ich mir auf diese Weise ansehe.

Die Technik ist zweitrangig!

Das soll keine Werbung für die Technik The Work sein. Aber ein Plädoyer, in dir nachzuschauen, was dich wirklich unsicher macht und dich mit deinen Gedanken liebevoll zu beschäftigen. Du kannst Gedanken nicht abschalten oder wegdrücken. Sie tauchen einfach nicht mehr auf, wenn du Beweise dafür findest, dass sie nicht wahr sind.

Finde Beweise dafür, warum mit dir alles ok ist, so wie du bist. Warum du nichts falsch gemacht hast.

Warum du die Anerkennung und Liebe schon längst hast, die du von anderen haben willst.

Lerne von den Rezepten erfolgreicher Menschen

Wenn du dein Selbstbewusstsein stärken willst und schon lange auf der Suche nach einer Lösung bist, empfehle ich dir einen Blick in mein Buch „Dein Weg zum Selbstbewusstsein“. Darin findest du Rezepte erfolgreicher Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, was ihr Selbstvertrauen stärkt. Was ihnen Selbstbewusstsein und innere Stärke gibt.

 Das Ziel des Buches ist, dass du deinen eigenen Weg findest! 

Dass du Einstellungen, Übungen, Erkenntnisse und Gewohnheiten findest, die etwas grundlegend in dir verändern und dir wirklich weiterhelfen.

Denn deinen Weg können dir all die Tipps da draußen nicht geben; den findest du am besten selbst. Dann brauchst du bald keine Tipps und Ratschläge anderer mehr. Du erkennst, dass du sie schon jetzt nicht brauchst, wenn du nicht mehr glaubst, dass mit dir etwas nicht stimmt.

Du glaubst endlich an dich, weil du erkannt hast, wer du bist. Wenn du dir deiner Selbst bewusst bist, dann bist du dir selbst dein bester Ratgeber und dein eigener Guru. Viel Glück und Spaß dabei!

Mehr zum Thema auf Herz bis Kopf: Hör auf, an dir zu arbeiten – sondern fang an, dich zu lieben

Link-Tipp zu diesem Artikel:

Mein Blogger-Kollege Roland Kopp-Wichmann beschreibt das Problem ähnlich. Hier kommt ein lesenswerter Artikel von ihm zum Thema: “Selbstbewusstsein kann man nicht trainieren. Aber was dann?

Bild: https://pixabay.com/de/kleeblatt-stra%C3%9Fe-gr%C3%BCn-hellgr%C3%BCn-3336774/
Bild 2: Filip Federowicz under cc (Changes were made)
Bild 3: Georgie Pauwels under cc (Changes were made)
Bild 4: laura ammons under cc (Changes were made)

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