The Work: Eine einfache Selbsthilfe-Technik für jedes Problem

Gidon Wagner | 18. Oktober 2016

The Work ist eine Selbsthilfe-Technik, die jedes Problem lösen kann. Ob im Privatleben, bei beruflichen Fragen, in Beziehungen und emotionalen Herausforderungen. Der Haken bei der Sache: Es ist Arbeit; richtig viel Arbeit. Die gute Nachricht: Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, hält ab dann den Schlüssel in der Hand zu innerem Frieden, Klarheit und Wohlbefinden.

Schon seit über acht Jahren weiß ich, dass es The Work von Byron Katie gibt, aber erst seit ein paar Monaten wende ich die Methode auch wirklich an. Weil ich in einer Einbahnstraße aus Überarbeitung, Unzufriedenheit und Stress gelandet war. Das Ganze garniert mit einer saftigen Portion Depression.

Bis zu diesem Punkt hatte es mir gereicht, die Bücher und Hörbücher der „Erfinderin“ Byron Katie zu lesen und zu hören. Ein paar von vielen Ratgebern eben, die ich in meinem Leben gelesen habe – meistens zum Einschlafen. Des Nachts auf der Suche nach Antworten, warum es mir geht, wie es mir geht, und was mir in dieser oder jener Situation helfen kann.

Immer darauf hoffend, das Geheimnis hinter meinem Stress, meinen Ängsten, Sorgen und Phobien zu lüften. Aber immer mit der Absicht, mir Hilfe und Rat von jemand anderem zu holen, von dem ich etwas lernen kann. Hoffnungslos! Am Ende geht es um die eigene Erfahrung. Aus der lernt man am meisten; lesen, zuhören, sich was sagen lassen, das ist nur das Vorspiel. So wie dieser Artikel. Und über The Work zu lesen und wie sich das Leben damit verbessert, ist nichts im Vergleich dazu, den einfachen Prozess für sich selbst anzuwenden.

Dein eigener Ratgeber werden

Um irgendwelche Weisheiten, die man dann sowieso wieder vergisst, „du solltest dies oder das tun“, komplizierte Konzepte oder positives Denken geht es bei The Work überhaupt nicht: Mit der Technik wird man vielmehr sein eigener Ratgeber. Sie fördert das zu Tage, was wir über uns selbst schon längst wissen, aber ignorieren oder übersehen. Auch das, was man theoretisch schon über sich weiß, kann man mit The Work erfahren und verinnerlichen, um dann danach zu leben. The Work zeigt, wie und wo man sich selbst unglücklich macht und wie es das nächste Mal anders laufen könnte. Sie hilft beim so oft gepriesenen „Loslassen“ von dem, was uns all unser Leid beschert, in welcher Form auch immer. Liebeskummer, Sorgen, Stress, Furcht, Wut, Eifersucht. Die Liste ist lang. Die Methode von Byron Katie zeigt, wie wir auf belastende Überzeugungen reagieren, welche das sind und wer wir ohne diese „Geschichten“ wären.

Freiheit finden mit vier einfachen Fragen und der „Umkehrung“

“Der Nachbar sollte mich grüßen”, “meine Kollegen sollten mich respektieren”, “ich brauche die Liebe meines Mannes”: Ist das wahr? Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Wie reagiere ich auf solche Überzeugungen? Was stellt der Glaube an diese Konzepte mit mir an? Tue ich mir etwas Gutes damit, in den Angelegenheiten anderer herumfuhrwerken zu wollen und mit der Realität zu streiten? Schließlich: Wer wäre ich ohne diese Überzeugungen? Und könnte auch noch etwas anderes wahr sein in der jeweiligen Situation? Oder wahrer? Das nennt Byron Katie die „Umkehrung“. Ganz wichtig dabei: Kann ich für diese Umkehrungen praktische Beispiele finden? Kann ich Punkte finden, wo die Umkehrung meiner ursprünglichen Aussage genauso wahr oder wahrer ist? 

Also: Sollte mein Nachbar vielleicht nicht grüßen, ganz einfach, weil er es nicht tut? Grüße ich vielleicht nur, weil ich etwas vom anderen erwarte? Sollte ich mich selbst mehr respektieren, anstatt drauf zu warten, dass es andere tun? Und wie sieht es mit meinem Respekt für andere aus? Brauche ich nicht vielmehr meine Liebe statt die Liebe anderer? Wo gehe ich selbst mit mir nicht liebevoll um, erwarte aber, dass es mein Partner tut? Wo akzeptiere ich ihn oder sie nicht, fühle mich aber kritisiert? Wo tu‘ ich mir selbst weh mit dem, was ich über mich denke?

Ein tiefgreifender Lernprozess beginnt, wenn man sich auf diese Weise mit seinem Leben, seinen Gedanken über sich, andere und die Welt beschäftigt. Und das tut richtig gut, weil man merkt, woran man in Wirklichkeit leidet: An ungeprüften Überzeugungen, die man seit seiner jüngsten Kindheit einfach und unschuldig glaubt. Und das löst Probleme oft in Gelächter, Tränen und Erleichterung auf. Endlich.

Wie macht man The Work?

Vier einfache Fragen sind der Kern von The Work: 1. Ist das wahr? 2. Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? 3. Wie reagiere ich auf den Gedanken? 4. Wer wäre ich ohne den Gedanken? Du beantwortest die Fragen und siehst, ob der belastende Gedanke tatsächlich wahr für Dich ist. Und wie er (in der Situation) Dein Leben, Verhalten und Deine Gefühlswelt beeinflusst. Wichtig: Es geht nicht um Manipulation oder Veränderung der Gedanken. Alles, was passiert, ist mehr Bewusstsein für die Auswirkungen unserer Glaubenssätze zu gewinnen. Dann findest Du Beispiele, wie das Gegenteil oder andere Versionen des belastenden Gedankens genauso wahr oder wahrer sein können. Eine ausführliche Anleitung findest Du auf thework.com (Deutsche Version).

Das Ergebnis einer Work-Sitzung (bei mir dauert das meistens rund 30 bis 45 Minuten) – ob allein oder mit Anderen – sind neue Erkenntnisse, die von selbst befreiend wirken und Kraft spenden; man muss nichts tun. Man muss sich nicht anstrengen, etwas zu verändern. Wer einmal auf eine heiße Herdplatte gefasst hat, tut das wahrscheinlich nie wieder. Ähnlich ist es mit den Ergebnissen bei The Work. Wenn man erkennt…

  • … wie belastende Gedanken im Detail in uns wirken,
  • … wie und wer man ohne diese Glaubenssätze wäre,
  • … und dass diese Überzeugungen obendrein nicht einmal die Wahrheit sind,

…dann verbrennt man sich daran immer seltener oder nie wieder die Finger.

Was ist The Work?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung, was The Work ist. Es sind nur vier Fragen und die Umkehrung; das kreative Spielen mit Sätzen und Bedeutungen. Urheberin Byron Katie nennt es Meditation. Trotzdem sind die Fragen nichts ohne unsere Antworten darauf. Die Stimme Gottes? Die Stimme der Vernunft? Spirituelle Super-Waffe? Am Ende ist es völlig egal, wie man es nennt: The Work zu machen – also: Katies (kostenlose) Arbeitsblätter mit belastenden Glaubenssätzen auszufüllen, sie dann Schritt für Schritt zu hinterfragen und anschließend umzudrehen – wirkt befreiend, hellt die Stimmung auf, fördert Ideen und neue Energie zutage und verbessert unsere Beziehungen. Der Prozess wirkt bei jedem anders, aber ähnlich. Diese schriftliche Art der Meditation hilft, bewusster zu leben und die für einen selbst richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Leben als gut zu verstehen, und echte Liebe zu erfahren, für uns selbst und andere. Empfehlung: Ausprobieren!

Ein Beispiel, wie The Work funktioniert und wirkt

Mehr Informationen über The Work gibt’s auf der offiziellen deutschsprachigen Webseite (oder in schickerem Design, dafür in Englisch) oder beim deutschen Verband für The Work of Byron Katie.

Du machst The Work schon? Was ist The Work für Dich? Schreib’s in die Kommentare!

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