Es gibt Leid, dass sich die meisten nicht einmal vorstellen können: Folter und Zwangsarbeit in einem Konzentrationslager. Vergewaltigung. Krieg. Und wenn ich in diesem Artikel davon spreche, mit der Vergangenheit abzuschließen, maße ich mir nicht an, für diese Menschen zu sprechen, die solches Leid erlebt haben.

Ich spreche über meine eigene Hölle, aus der ich komme. Und über meine Erfahrung aus Gesprächen mit anderen Menschen, die mit ihrer Vergangenheit nach und nach abschließen. Friedlich.

Ich spreche von dem Leid, das ich kenne und von der Vergangenheit, mit der ich gelebt habe und von der ich mich langsam aber sicher befreie. Vielleicht kann jemand daraus für sich etwas lernen. Vielleicht werde ich dafür aber auch Zorn und scharfe Kritik ernten. Denn ich weiß:

Viele Menschen sehen die Vergangenheit als ein Teil von ihnen. Als etwas, das zwar nicht immer schön war, aber das fest zu ihrem Leben gehört. Kurz gesagt: Etwas, das sie SIND.

Ich bin nicht meine Vergangenheit

Wir machen die Vergangenheit zu unserer Identität. Mit der wir uns definieren, aber unter der wir gleichzeitig leiden. Wir wollen nicht davon ablassen, weil wir Angst haben, dann etwas zu verlieren, das uns ausmacht. Es fühlt sich dadurch so an, als könnten wir nicht ohne unsere Vergangenheit leben. Ohne uns ständig daran zu erinnern und daraus zu schließen, wer wir angeblich sind.

 Ich brauche keine Vergangenheit, um hier auf der Couch neben Isi zu sitzen und mich zu freuen. 

Ich sage nicht, dass deine Vergangenheit nicht passiert ist. Ich sage nicht, dass sie nicht schlimm für dich war. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass sie jetzt vorbei ist.

Dass sie jetzt vor allem als Erinnerung in dir weiter lebt. Und als Teil der eigenen Identität. Und damit kann man sofort Schluss machen, indem man die Aufmerksamkeit wieder auf das Leben richtet, HIER und JETZT.

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

Aber natürlich brauchen wir Vergangenheit auch. Praktische Vergangenheit:

Vergangenheit, unter der ich leide hat nichts mit der praktischen Vergangenheit zu tun – die ich brauche, um etwas zu lernen. Ich erinnere mich an den Schmerz und fasse nicht mehr auf die heiße Herdplatte. Ich gründe nicht mehr leichtfertig Firmen in der Annahme, dass es schon klappen wird. Ich gehe nicht in den Wald, wo der Säbelzahntiger lebt.

Aber ich fürchte mich auch nicht rund um die Uhr, weil ich nur noch an den Säbelzahntiger denke und wie sehr er mich erschrocken hat. Ich male mir nicht ständig aus, wie ich mich wieder verletzen könnte, weil die Herdplatte so gemein zu mir war. Ich denke nicht die ganze Zeit darüber nach, was für ein Idiot ich war, als ich meine ersten Schritte als Unternehmer gemacht habe.

Mein Charakter hat sich nicht in der Vergangenheit geformt – er formt sich immer nur HIER und JETZT

Der Gedanke, dass wir ohne unsere Vergangenheit – also das Denken an Früher – nichts wären, stimmt nicht. Aber bis wir das verstanden haben, hängen wir an der Vergangenheit, so weh es auch tut. Aber wenn du diesen Artikel liest, bist du vielleicht an einen Punkt gekommen, wo du die Vergangenheit loslassen willst.

Dieses Loslassen funktioniert aber nicht halbherzig, so nach dem Motto: Meine Vergangenheit gibt es zwar, aber ich will, dass sie mich nicht mehr so quält. Das ist mein erstes Learning, um mit der Vergangenheit abzuschließen:

Meine Vergangenheit war ein mal – Sie existiert nur noch als Erinnerung in meinen Gedanken

Klar, Videos und Fotos beweisen: Gidon gab es schon früher; wie er vor einem Jahr, fünf Jahren, vor 30 Jahren aussah. Aber Vergangenheit, wie wir sie kennen, ist mehr als ein paar Eindrücke von früher. Sie ist ein Geflecht aus Millionen lebendiger Bilder, Eindrücke und vor allem Gedanken. Zum Beispiel:

  • Ich hatte Pech. 
  • Mir ist schreckliches Leid widerfahren
  • Er / sie hat mich betrogen
  • Mein Partner hatte viele andere vor mir
  • Meine Eltern haben mich nicht geliebt

Wer solche Dinge zu seiner Vergangenheit zählt, empfindet sie als unverrückbare Fakten. Die Vergangenheit des Partners will uns einfach nicht loslassen. Es quält mich, mir vorzustellen, wie er oder sie sich mit jemand anders vergnügt. Oder wie er oder sie jemand anders geliebt hat; vielleicht ja sogar mehr als mich?

Es schmerzte mich viele Jahre, mich daran zu erinnern, wie meine Ex-Freundin vor 15 Jahren vor meinen Augen mit einem anderen Kerl rumgemacht hat und schließlich zu ihm ins Auto gestiegen ist.

Das tatsächliche Ereignis war und ist aber längst vorbei und berührt mich kein bisschen mehr. Nur die lebendige Vergangenheit in mir hielt den Schmerz aufrecht. Und die vielen Verurteilungen mir gegenüber, ihr gegenüber, ihm gegenüber. Der Welt gegenüber. Die Wahrheit ist: Es ist vorbei. Es hat mich auch nicht geprägt. Mich prägt nur, wie ich jetzt darüber denke. Was ich jetzt empfinde, was ich jetzt daraus mache. Ich habe ihr vergeben. Ich sehe es heute anders.

Ich sehe, dass auch ich sie betrogen hatte – mit meiner Arroganz und meiner Selbstsucht. Ich habe sie in gewisser Weise mit mir selbst betrogen, weil ich zu dieser Zeit nur an mich gedacht habe und was ich von der Beziehung bekommen kann.

Vergangenheit ist das, was ich daraus mache

Anstatt Dinge von mehreren Seiten zu betrachten, sehe ich aber immer nur eine Version. DIE Vergangenheit eben. Obwohl die Vergangenheit für den anderen oft ganz anders war. Und für einen Dritten noch einmal anders. Was passiert, wenn ich unter der Vergangenheit leide? Ich sehe die alten Bilder und es tut weh. Oder ich werde wieder wütend. Hallo, Vergangenheit! Da bist du wieder.

Es quält mich, mir die schlimmen Dinge meines Lebens vorzustellen. Der Schmerz entsteht, wenn ich mir die Bilder wieder vors innere Auge rufe. Die Vergangenheit ist vorbei. Nur in meinen Gedanken erhalte ich sie am Leben. Und da schmerzt sie vielleicht für immer, außer, wir lösen uns davon.

Einer meiner Lieblingssprüche von Autorin Byron Katie ist:

 „Ich liebe an der Vergangenheit, dass sie vorbei ist“ 

Die Vergangenheit lebt in meinem Kopf weiter. Bis ich der Gegenwart wieder mehr Wichtigkeit zubillige als dem, was früher einmal war.

In meinem Buch „Dein Weg zum Selbstbewusstsein“ spricht Katie darüber, dass wahres Selbstbewusstsein ist, wenn man weiß, dass es kein festes, starres Selbst gibt. Das ist für mich der Inbegriff der Freiheit. Freiheit von all der Last, die ich mir in der Vergangenheit aufgeladen habe und nun in meinen Gedanken mit mir trage.

In meinem Buch spreche ich mit Byron Katie und 16 anderen erfolgreichen Menschen darüber, wie sie Frieden mit sich selbst geschlossen und innere Stärke gefunden haben:

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Ich wurde vor einigen Jahren am Kopf operiert. Der Chirurg holte einen ungebetenen Gast aus der Mitte meines Gehirns über ein kleines Loch in meinem Schädel. Seitdem spüre ich das Wetter stärker und habe eine große Delle in meiner Kopfhaut. Ist das nicht ein Beweis dafür, dass es Vergangenheit gibt?

Nein. Jedes Mal, wenn ich die Narbe anfasse, berühre ich nur die Gegenwart. Die Gegenwart meines Körpers.

Ich habe es hinter mir – zum Glück!

Früher hat es hier geblutet, erinnere ich mich. Ich erinnere mich an die juckende Kruste auf der Narbe und daran, dass die Ärzte sagten, ich solle vorsichtig sein, weil der Knochen noch nicht angewachsen sei. Ich erinnere mich an meine verschiedenen Bettnachbarn im Krankenhaus, einer davon schwer krank. An das schöne Gefühl, aus der Narkose aufzuwachen, meine Familie vor mir stehen zu sehen und zu wissen: Ich habe es hinter mir!

 Dieses Gefühl wünsche ich mir und jedem mit einer schmerzhaften Vergangenheit: Wir haben es hinter uns! 

Die wirklich schlimmen Verletzungen leben nur in meinen Gedanken weiter

Ich könnte jeden Tag daran denken, wie schlimm die Zeit auch war. Die wochenlangen Kopfschmerzen davor. Die Migräne, das ständige Erbrechen, 15 Kilo abzunehmen in zwei Wochen. Langsam zu erblinden, weil der Druck dank Zyste auf mein Gehirn so stark war.

Aber es ist vorbei. Ich bin hier. Habe kaum noch Kopfschmerzen und kann wunderbar sehen. Und wenn ich ein Problem mit der Vergangenheit habe, dann habe ich es jetzt. Ich bin kein Gefangener meiner Vergangenheit mehr, die nicht mehr veränderbar ist. Ich verändere meine Sicht darauf und sie verwandelt sich.

Schuldgefühle verschwinden, wenn sich mein Bild von der Vergangenheit ändert

 Dass die Vergangenheit vorbei ist, ist keine Entschuldigung dafür, was ich vielleicht jemand anders angetan habe. Es heißt auch nicht, dass ich „schuld“ an meinem eigenen Leiden bin. 

Oft fühlen wir uns aber schuldig, obwohl wir es nicht böse gemeint haben. Wegen etwas, das wir in der Vergangenheit getan, nicht getan oder gesagt oder gedacht haben.

Oder weil wir einfach nur da waren – ich hatte als Kind zum Beispiel immer ein schlechtes Gewissen, weil ich mich als Last für meine Eltern empfand.

Meine Eltern haben kein Geld wegen mir; Ich bin Schuld daran, dass es meinen Eltern schlecht geht; würde ich das HEUTE noch glauben, wäre es noch Teil meiner Vergangenheit. Meiner Identität.

Heute habe ich viele solcher kleinen aber fatalen Irrtümer des kleinen Jungen Gidon aber zum Glück verständnisvoll durchblickt und empfinde einen großen Teil meiner Vergangenheit als kaum noch belastend oder traurig. Eine große Hilfe war dabei die Meditationstechnik The Work für mich.

Vergangenheit und Schuld aufzulösen hat nichts mit Wegschauen oder Leugnen zu tun

Verbrecher werden bestraft und eingesperrt. Es wird das Beste sein. Natürlich kann ich aus meiner Schuld auch etwas Positives machen. Ich kann mich entschuldigen.

Ich kann versuchen, es wieder gut zu machen.

Am meisten Leid hingegen bringt mir die Erinnerung daran. Vielleicht trage ich heute die Konsequenzen dafür, die Schuld ist aber vor allem in meinem Kopf lebendig. Etwa, weil ich jemand verletzt habe.

Ich kann sehen, dass Schuld und problematische Vergangenheit HIER und JETZT entstehen. Ich fühle mich nicht schuldig, weil ich als Kind meinen Eltern den letzten Nerv gekostet habe. Ich kann nicht einmal sicher sagen, dass es so war. Nein: Ich fühle mich elend, wenn ich HIER und JETZT denke, dass ich eine Last für sie war. Und dabei werde ich in Wirklichkeit zur Last für mich selbst.

Freiheit von Gestern für ein besseres Heute

Ich kann mich jederzeit von dieser Bürde befreien. Von der Bürde der Vergangenheit. Indem ich diese einfache Wahrheit erkenne. Die Vergangenheit ist vorbei. Was ich als Vergangenheit jetzt empfinde, ist meine Imagination; Erinnerung. Abgespeicherte Bilder und Vorstellungen.

Ob es vor einem Jahr, vor einem Tag oder vor einer Minute war – die wichtigste Frage beim Abschließen mit der Vergangenheit ist: Was tue ich jetzt? Nicht wegen gestern, sondern wegen heute!

 Die meisten handeln wegen dem, was gestern war. Die wirklich glücklichen Menschen handeln wegen dem, was jetzt ist. 

Dann bin ich auch wieder besser dazu in der Lage, für mich und andere etwas wirklich Gutes zu schaffen, anstatt mich mit meinem problematischen Ich von gestern oder vorvorvorgestern zu beschäftigen – eine unlösbare Aufgabe. Wer ich bin und wer ich sein will, entscheide ich jetzt. Jetzt. Jetzt. Das ist ganz einfach.

Eine kleine Hilfe zu dieser Art von Selbstbewusstsein kann mein Buch sein (Amazon): Dein Weg zum Selbstbewusstsein

Mehr zum Thema: Du brauchst NICHTS, um glücklich zu sein – außer das, was du jetzt hast und The Work: Eine einfache Selbsthilfe-Technik für jedes Problem

Titel-Foto: Pixabay

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