Gesundes Selbstbewusstsein trennt nicht, sondern es verbindet. Ich bin verständnisvoll und schütze mich zeitgleich, wenn nötig. Ich muss nicht viel tun, um mich zu schützen, denn ich bin vor den meisten Verletzungen sicher. Ich fühle mich sicher und wohl in meiner Haut und brauche keine Bestätigung von außen – und ich fühle mich verbunden genug mit anderen, um Mitgefühl zu haben und hilfsbereit zu bleiben.

Nicht zu viel von sich selbst halten, bescheiden sein: das verstehen glaube ich die meisten unter einem gesunden Selbstbewusstsein. Ich halte aber nicht viel von Bescheidenheit, wenn es um mein Bewusstsein von mir selbst geht. Wer weiß, wie großartig ich bin? Ich weiß ja nicht mal genau, wer oder was ich bin!

Gesundes Selbstbewusstsein heißt, sich selbst besser kennenzulernen

Wenn ich mich zum Beispiel nur mit meinem Bild im Spiegel identifiziere, wird mein Selbstbewusstsein früher oder später gebrochen, weil das Bild sich schon bald verändert. Und wenn ich so in mich reinfühle und reinhöre, ist da viel mehr als das, was ich im Spiegel sehen kann. Ich sehe da einen Kerl, den ich ziemlich oft beobachte. Ich sehe seinen Körper. Seine Augen. Aber ICH; das ist doch viel mehr!

Gesundes Selbstbewusstsein ist keine Charakter-Eigenschaft

Ich spreche hier von einem Bewusstsein, das jeder von uns hat – genauer gesagt, das jeder von uns IST. Selbstbewusstsein ist keine Charakter-Eigenschaft. Das Wort beschreibt, wie ein Menschen sich bewusst wird, wer er wirklich ist.

Die wichtigste Eigenschaft von Bewusstsein ist, dass es offen ist. Es ist gefüllt von Eindrücken der Dinge im Leben. Und gesundes Selbstbewusstsein ist, sich seiner selbst zu öffnen. Sich selbst wirklich wahrzunehmen.

Den Moment wahrzunehmen, ohne sich dabei in den eigenen Gedanken zu verlieren, ist reines Selbstbewusstsein

Das ist ein Bewusstsein, das auch alles um sich herum einschließt. Ich fühle mich nicht mehr getrennt von anderen Menschen. Ja, klar, ich habe meinen Körper, du dort deinen, hier ist meine Hand, da deine. Wir sind auf dieser Ebene getrennt. Aber ich kann in jedem anderen Menschen mich selbst erkennen – keine seiner Eigenschaften ist mir total fremd, auch wenn ich viele davon nicht immer lebe.

Jemand kann aggressiv, unfreundlich, wütend, gewalttätig sein, oder freundlich, liebevoll, offen, aufmerksam: Das alles kann ich in verschiedenen Aspekten in mir selbst finden. Vielleicht bin ich nicht gewalttätig anderen gegenüber, aber wie schaut es mit mir selbst aus? War ich nicht 15 Jahre gewalttätig meinem eigenen Körper gegenüber, als ich mir eine Zigarette nach der anderen angezündet und den beißenden Rauch eingeatmet habe?

Und trotzdem kann ich auch viel Freundlichkeit in mir erkennen, in so vielen Situationen meines Lebens, auch in schweren Zeiten. Ich kann alle guten und schlechten Seiten anderer Menschen auch bei mir finden: Gier, Großzügigkeit, Hass und Liebe, Angst und Mut. Reichtum und Armut.

Und wenn auch in der letzten Ecke meiner Persönlichkeit und meines Lebens, irgendwo finde ich, dass ich arm bin, selbst wenn mein Konto mal was anderes sagt. Ich finde meine Gier, selbst wenn ich gerade jemandem Geld auf der Straße gebe – meine Gier nach Anerkennung meiner guten Tat. Und ich sehe die Liebe in mir, selbst in Momenten wo ich voller Hass war – ich wollte nur das beste für mich. Und ich wollte auch anderen nichts Schlechtes; wäre ich nur nicht so verletzt gewesen.

 Das alles zu sehen – plus meine Fähigkeiten zu kennen und Respekt vor meinen Grenzen und denen anderer Menschen – das alles ist für mich gesundes Selbstbewusstsein. 

Wie komme ich da hin? Indem ich viel reflektiere. Indem ich genau hinschaue und mich nicht mit vorgefertigten Antworten und Meinungen zufriedengebe, die ich in dieser Gesellschaft gelernt habe. Wenn ich anfange, mich meines eigenen Verstandes zu bedienen und ihm in den richtigen Momenten auch mal nicht so viel Aufmerksamkeit schenke. Wenn ich aus der Stille in mir eine Antwort aufsteigen lasse.

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