Ich bin unglücklich, obwohl ich alles habe – was brauche ich noch?

Neulich las ich auf einer Reklametafel: „Wer will nicht gern Tabak mit weniger Schadstoffen?“ Mit starrem Blick dachte ich mir zynisch: „Ist das nicht das, was wir alle wollen? Tabak mit weniger Schadstoffen.“ Unsinn! Jeder Raucher will mit dem Rauchen aufhören, so wie ich vor bald vier Jahren. Ein Raucher braucht nicht weniger Schadstoffe. Er will frei sein von dem Gestank, von der Sucht, von der Angst vor einer Krankheit, von der Einschränkung, immer rauchen zu müssen, jeden Tag. Aber er kann nicht, denkt er.

Dann raucht er Zigaretten mit weniger Schadstoffen und fragt sich, warum er nicht glücklich, warum er nicht frei ist.

Wenn du also alles hast, und trotzdem nicht glücklich bist, kann dich all das vielleicht nicht glücklich machen. Vielleicht brauchst du weniger, als du denkst. Vielleicht stehst du im übertragenen Sinne mit einer schadstoffarmen Zigarette da und wünschst dir insgeheim, ganz damit aufzuhören.

Vielleicht sagt etwas tief in dir, dass du nicht gut genug bist. Dass du dein schönes Leben nicht verdienst. Oder da ist eine verborgene Angst, alles wieder zu verlieren. Eine Angst, dass etwas Schreckliches passieren könnte. Oder du machst dir Gedanken über die Welt, die vielen Probleme darin?

Bewusst sein statt unbewusst unglücklich

Hör in jeder freien Minute in dich hinein. Was denkst du über dich, andere Menschen, Politiker, die Gesellschaft, die Natur? Jeder Gedanke hinterlässt eine Spur in dir, eine Emotion. Die meisten Gedanken bemerken wir gar nicht. Oder wir verwechseln die Tatsache mit dem Gedanken.

Ein Beispiel:

Mit fällt ein, dass ich dem Steuerberater meine Unterlagen noch nicht geschickt habe. Ich zucke zusammen und denke: Scheiße. Warum zucke ich zusammen? Nicht wegen der Tatsache, sondern wegen meiner Gedanken drumherum. Das Finanzamt wird mir eine Strafgebühr reindrücken. Ich bekomme Ärger. Ich habe es wieder mal nicht geschafft. Diese Gedanken sind das viel größere Problem. Klar, die Unterlagen müssen zum Berater. Aber mein Stress, meine Sorge, meine Unruhe kommt von den Gedanken, die sich um die Tatsache drehen.

Und meistens stimmen sie nicht, meine Gedanken, Befürchtungen. Es sind Probleme, die in der Zukunft liegen, und die meisten treten nicht ein.

Vielleicht bereust du etwas. Bist froh, jetzt alles zu haben, und früher war alles sehr schlimm? Dann trägst du vielleicht einen Hauch von Furcht mit dir herum, dass es wieder so kommen könnte. Und so ein Hauch genügt, um das Glück fernzuhalten.

Glück hat nichts mit Haben zu tun, sondern mit Sein

Aus meiner Erfahrung hängt Glück nicht davon ab, was man hat. Ich war glücklicher und zufriedener in Zeiten, wo ich nach Ein-Euro-Rezepten kochen musste, als später, wo ich jeden Abend im Restaurant essen war. Warum war ich glücklicher? Weil ich voller Zuversicht, voller Tatendrang und Kreativität war. Weil ich mich auf das freute, was kommen würde. Und es kam.

  Und als es da war, freute ich mich nicht mehr darüber, weil es normal geworden war. 

Wir verstehen unsere Erfolge, unseren Wohlstand, unsere Beziehungen, unser Selbst als Selbstverständlichkeit. Und das macht nicht glücklich. Das macht aus dem Leben einen Trott. Ein paar Fragen, die mir helfen:

  • Wofür bin ich jetzt dankbar?
  • Was habe ich heute gemacht, womit ich zufrieden sein kann?
  • Was sind die kleinen oder großen Errungenschaften dieses Tages?
  • Welches Problem beschäftigt mich und muss ich es wirklich jetzt lösen? Oder ist es viel wahrscheinlicher, dass es sich von selbst lösen wird? Wenn es an der Zeit ist, zu handeln!

Unglückliche Gefühle als Kraft nutzen

Der Unglückliche wird im schlimmsten Fall aus seinen Gefühlen heraus handeln, alles schlechtmachen. Im besten Fall lässt er sich von seinem Unglück wachrütteln, verleugnet seine Gefühle weder, noch verfällt er ihnen. Er wird bewusster und sieht hin, was Sache ist. Jetzt.

Vielleicht fehlt nichts in deinem Leben, außer mehr Bewusstsein dafür. Aus mehr Bewusstsein folgen Liebe, Tiefe.

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Bild von Xuan Duong auf Pixabay

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