Ob nach einer Beziehung, ob nach einer großen oder kleinen Veränderung im Leben, oft fühlen wir uns verloren. Das Gefühl ist nicht schön. Es kann sogar richtig Angst machen. Aber es ist auch eine Gelegenheit, sich selbst besser kennenzulernen. Eine Gelegenheit, um fester und sicherer im Leben zu stehen, als jemals zuvor.

Wir retten uns in Beziehungen, Jobs, Rollen – aus Angst verloren zu gehen

Das neue Leben entdecken statt weglaufen

Wenn ich mich verloren und allein fühle, geht es mir ein bisschen wie einem Kind, das im Supermarkt seinen Papa aus den Augen verliert und sich plötzlich in der Menschenmenge völlig hilflos und allein wiederfindet. Es hat noch kein Vertrauen zu anderen Menschen oder dieses Vertrauen ist aus irgendwelchen Gründen verloren gegangen.

Wäre doch nur jemand da, der uns auffängt. Das ist vielleicht auch ein häufiger Grund, warum wir uns in Liebesbeziehungen stürzen und uns mit möglichst vielen Freunden umgeben. Weil wir allein das Gefühl haben, nichts zu sein. Ich spreche hier, wie immer, aus Erfahrung.

Andere fühlen sich vielleicht plötzlich fremd und allein im eigenen Leben, weil sich etwas verändert hat, eine Beziehung vorbei ist, oder andere große Änderungen bevorstehen.

Ich danke der Welt, dass ich mich in ihr verloren habe

Vor ein paar Jahren wandelte in einem Loch, ich hatte nichts mehr, das mich ausmachte. Ich stand vor dem finanziellen Ruin, meine Arbeit machte mir keine Freude mehr und damit hatte ich das verloren, was mir für viele Jahre einen Sinn gegeben hatte. Es war alles, was mir wirklich wichtig war. Ich bin so froh, dass ich dieses Leben, diese Identität verloren habe. Das Leben hat mich dazu gezwungen, es hat mich dazu gezwungen, mich neu zu entdecken. Und was ich alles gefunden habe, ist wunderbar! Neue Interessen, Lieben, Seiten an mir, neue Stärke, Akzeptanz für alte Schwächen. Was ich sagen will: Du stehst vielleicht vor einer riesigen Chance.

Unseren falschen Sinn für uns selbst verlieren

Wir identifizieren uns mit dem, was wir kennen und wissen, und wenn uns das Leben ins kalte Wasser wirft und alles neu oder nicht mehr so wie früher ist, merken wir, wie wenig wir über uns wissen.

Wir merken, dass wir uns selbst gar nicht wirklich kennen, sondern von Dingen und Umständen abhängig gemacht haben, uns darüber definiert haben, über unseren Beruf, unsere Freunde, das Bankkonto, das Auto, den eigenen Körper und die Gesundheit oder die eigenen Fähigkeiten.

Wer bin ich abgesehen von alldem? Von alldem, dass sich doch die ganze Zeit verändert. Beziehungen und Partnerschaften verändern sich, alles was aus Materie ist, ist einem ständigen Wandel unterzogen. Mein Körper, mein Job, meine Freunde, nichts bleibt, wie es ist.

Und so ist es kein Wunder, dass wir uns verloren und allein fühlen, wenn wir an dem hängen, was nur noch in unserer Erinnerung existiert. Wenn wir uns mit dem identifizieren, das nur noch in unseren Gedanken lebt. Oder das nie da war. Mit einer Idee, wie wir sein sollten. Wie andere uns vielleicht gern hätten.

Wir übersehen das, was wir sind. Wer du bist, kann ich dir nicht sagen. Nur du kannst das. Nur du weißt, wie es ist, du zu sein. Wie fühlt es sich an? Jetzt? Nicht in deiner Erinnerung. Hier zu sein! Nicht auf deinen Facebook-Fotos, nicht auf alten Fotoalben, nicht im Spiegel. Nicht das, was du über dich denkst, sondern der oder das, was du wirklich bist.

Verloren ist nur der, der sich selbst nicht kennt

Es ist kein Wunder, dass sich so viele Menschen verloren fühlen. Die Gesellschaft, Eltern, Lehrer, Medien, sie alle sagen uns, wer wir sind und wer wir sein sollen, von Kindesbeinen an. Wir sind ein Mann, eine Frau. Wir sind Arbeitgeber, wir sind Arbeitnehmer, wir sind Deutsche, Österreicher, Franzosen oder Mexikaner. Das soll uns ausmachen?

Das perfekte Glück wartet auf uns, wenn wir Karriere machen und einen Beruf finden, der uns erfüllt und uns alle materiellen Wünsche einfach so ermöglicht. Das „Glück“ ist ein Silberstreif am Horizont und wir sind mitten drin in diesem Spiel, wir sind so welche, auf die diese Gesellschaft nur wartet, aber wir müssen auch hinein passen.

Wir müssen uns einpassen, anpassen, nach den Regeln der anderen spielen und so aussehen, so reden und so denken, dass wir in den Club der Bald-Glücklichen reingelassen werden.

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Einsam und allein ist nur der, der sich dazu entscheidet, sich selbst nicht zu lieben

Aber was, wenn wir die Beziehung verlieren, wenn wir unseren Beruf verlieren, wenn wir unsere Lust auf unseren Beruf verlieren und wenn wir keinen Sinn mehr darin sehen, so weiter zu machen? Wenn wir einmal wirklich etwas infrage stellen oder eine der hochgelobten Erfolgsstrategien nicht aufgeht und wir plötzlich nur noch ein Mensch sind, der da in der Landschaft steht und sich fragt: wie geht es nun weiter? Und warum? Und wohin? Und wozu?

Wenn wir nicht mehr in das Bild unseres optimalen Selbst passen, dass wir von Kindesbeinen an kennen gelernt haben oder wenn unser Plan zur Perfektion nicht aufzugehen scheint. Dann verlieren wir vielleicht den Glauben daran, noch dazu zu gehören, auf dem richtigen Weg zu sein.

Aber wer sollen uns sagen, was der richtige Weg ist?

Klar, als Kinder brauchen wir jemanden, der uns den Weg weist. Aber später, als junge Erwachsene, wüssten wir selbst schon ganz gut, was wir wollen, und wenn es erst mal „nix tun“ ist.

Aber wir wollen auch niemanden enttäuschen oder denken gar nicht drüber nach, ob das Gelernte wirklich auch für uns die Wahrheit ist.

Wenn wir uns verloren und allein fühlen, ist das eine Gelegenheit uns dort zu finden, wo wir jetzt stehen.

 Wenn wir uns verloren fühlen, dann muss das, was um uns herum ist, eine Art Irrgarten sein. 

Etwas, das uns nicht gut tut, das keine Heimat für uns ist. Die Frage ist: willst du deine Bedürfnisse auf diesen Irrgarten ausrichten? Dieser Dschungel aus Müssen, immer schneller sein, perfekt sein, effizienter sein. Liebenswert sein, Anerkennung bekommen, nicht gut genug sein… für was?

Diese ganzen Werte, ich kann mit ihnen immer weniger anfangen. Sind sie der Weg zu einem Planeten in Frieden? In allgemeiner Zufriedenheit und Wohlbefinden? Ich will herausfinden aus diesem Labyrinth, und ein Leben führen, wie es mir entspricht.

Wer sich selbst verliert, bekommt die Chance, sich neu zu entdecken

Dafür müssen wir unsere Bedürfnisse aber auch kennen. Dafür müssen wir uns selbst wirklich kennen. Wir haben als Kinder gelernt: Mach Karriere, mach das Beste draus, finde eine Frau oder ein Mann, mit der du dir eine Zukunft aufbauen kannst, verwirkliche dich selbst! Sei individuell!

Wenn dieses Individuell-sein darin besteht, das Auto in einer Sonderfarbe lackieren zu lassen, dann will ich mit diesem Individuell-sein nichts zu tun haben.

Ich weiß immer besser, was ich will und was ich nicht will, und erst dadurch kann ich Schritte in die richtige Richtung machen. Davor gehe ich einen Weg, den andere mir vorgezeichnet haben und ich bin noch immer dabei, mir darüber klar zu werden, welche Schritte ich will mit welche Schritte vielleicht irgendjemand von mir erwarte. Schritte, die aber vielleicht gar nicht dafür gemacht sind, endlich zu Hause anzukommen. Nicht mehr verloren zu sein, sondern zu Hause. Da, wo ich gerade stehe.

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