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Kritik und Konflikte sind Gelegenheiten, mich selbst besser kennenzulernen

Die klassische (schmerzhafte) Art, Konflikte zu lösen – und ein neuer Weg

Wenn der andere etwas von mir will, dann kann ich entweder sagen:

Du bist blöd und ich hab Recht! Ich mache, was ich will! Ich will es so, wie ich es mir vorgestellt habe und du hast dich danach zu richten! Oder: Beziehungen sind eben Kompromisse. So nach dem Motto: Hier in den sauren Apfel beißen, aber wenigstens nicht allein sein.

Oder ich höre den anderen und sehe nach, was davon für mich stimmig klingt. Was von dem, das er will oder sagt, kann ich unterschreiben? Das braucht im ersten Schritt viel Aufrichtigkeit – mir selbst gegenüber. Wow, die hat da gerade was gesagt, das stimmt. Ich habe mich vielleicht getäuscht.

Im zweiten Schritt braucht es auch viel Aufrichtigkeit dem anderen gegenüber, denn ich habe gelernt, dass es wichtiger ist, Recht zu haben als meine Wahrheit zu vertreten.

Ja, du hast Recht.

Dieser Satz gibt mir unglaublich viel Kraft. Plötzlich ist mir wichtiger, was für mich wirklich wahr ist, als dass ich Recht habe.

Ich kann das Richtige für mich tun und trotzdem umsichtig bleiben. Freundlich, aber bestimmt. Wieder die Beispiele von oben:

  • Ja, ich werde den Kontakt zum Ex-Partner vielleicht seltener suchen – aber nicht, weil das jemand von mir fordert, sondern weil ich mich dazu freiwillig entscheide. Weil ich meine Zeit jetzt auch mit jemand anderem teile.
  • Ja, ich werde nach einem Streit über Geld vielleicht etwas anders machen, obendrein, wenn mein Partner und ich uns einen Haushalt teilen. Aber nicht widerwillig und weil ich mich gezwungen fühle, sondern weil ich in den Argumenten des anderen für mich etwas gefunden und gelernt habe.
  • Ja, ich werde öfters Staubsaugen und damit meinen Teil zur sauberen Wohnung beitragen. Nicht, weil ich sonst geschimpft bekomme, sondern weil ich erkenne: Ich mag, wenn es sauber ist! Ich schenke mir nur selbst selten eine saubere Wohnung, wenn ich allein lebe. Was kann ich daraus für mich lernen?

 Konflikte gibt es nicht, wenn ich Streit und Kritik zur Selbstreflexion nutze 

Wenn ich erkenne, der andere hat mit diesem oder jenem Recht, will ich das oft nicht offen anerkennen. Ich will nicht unrecht haben. Bei einem teuren Berater, den ich bezahle, würde ich nie aus Prinzip solchen Widerstand leisten.

Dabei ist doch die Sichtweise anderer so wichtig für mich. Ich kann in vielerlei Hinsicht nicht aus meiner Haut und die Sichtweise anderer ergänzt meine, hilft mir, neue Aspekte in mir zu finden.

Konkret:

  • Ja, ich bin auch oft wütend auf mich, weil ich meine Wohnung im Staub untergehen lasse und erst für Sauberkeit sorge, wenn meine Gesundheit oder mein guter Ruf vor Gästen gefährdet ist.
  • Ich finde es furchtbar, dass ich oft den ganzen Tag in meinem Büro sitze anstatt wenigstens 30 Minuten in meinen privaten, ganz persönlichen Komfort zu stecken. Und mal aufzuräumen.

Aber wer anders soll mich nicht dafür kritisieren dürfen? Doch! Denn wenn ich das zugebe, wirkt das befreiend. Denn ich sage etwas, das für mich wahr ist – und lüge nicht mehr, bloß zur Verteidigung. Und der andere hat mich an meine eigene Wahrheit erinnert.

Ich versuche, mir in jedem Konflikt die Frage zu stellen: Könnte er oder sie Recht haben?

Ich gebe den Kampf ums Rechthaben auf und mache die Kritik des anderen zu meiner eigenen. Jemand anders kann mich in einem Streit darauf stoßen, was ich eigentlich schon längst wusste –  und plötzlich ist es kein Streit mehr, weil ich keinen Widerstand mehr leiste. 

Sagt er etwas, das ich bisher vielleicht übersehen habe?

Sogar der vielleicht aufgeregte „Ton des anderen“ scheint mir plötzlich angebracht, weil ich selber genauso empfinde (wenn ich ehrlich bin, bin ich mir gegenüber oft sehr unfreundlich mit dem, was ich über mich denke). Und wenn ich mir dafür vergebe, kann ich dem anderen seine Wut auch locker vergeben.

Immerhin bin ich selbst oft mindestens genauso unfreundlich zu mir wie andere:

Mit meiner ständigen Selbstkritik, und meinen Befehlen mir gegenüber; was ich doch alles schaffen und dabei möglichst perfekt sein und aussehen soll.

Ich gehe mit der Kritik also wie mit einer kostenlosen Beratung um und schaue, was davon kann ich annehmen? Und dann mache ich, was für mich stimmt.

Und ja: Oft werde ich es nicht gleich schaffen, einem Konflikt mit dieser Offenheit und Ehrlichkeit zu begegnen. Ich werde mich verteidigen, ich werde es allen recht machen wollen und mich dabei fast vergessen. Aber sobald ich das erkenne, bin ich wieder frei und kann mich nach innen wenden und mich fragen: Was will ich? Was stimmt für mich? Was kann ich aus dem lernen, was der andere gesagt hat? Wo hat er Recht, wo irre ich mich vielleicht?

Willst du Recht haben oder glücklich sein?

Diese Frage stellt die Autorin Byron Katie gerne. Unrecht hat der andere wenn nur aus meiner Sicht. In seiner Welt, aus seiner Sicht, hat er Recht. Bis er es vielleicht irgendwann wieder anders sieht. Das zu wissen, schafft ebenfalls Frieden. Es ist kein Problem, wenn zwei Welten aufeinander treffen und mit unterschiedlichen Sichten die Dinge betrachten. Und zwei Menschen sind immer zwei Welten. Probleme entstehen erst, wenn die eine Seite will, dass die andere Seite es genauso sieht.

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