Akzeptiere deine Gefühle, dann können sie gehen – bewaffnet mit diesem Spruch im Kopf habe ich sicher tausende Male versucht, meine negativen Gefühle aufzulösen, zum Schweigen zu bringen, wegzumachen. Ich wollte sie akzeptieren, aber bloß, damit sie dann endlich verschwinden. Gefühle weg zu akzeptieren funktioniert aber nicht. Was ist das für eine Akzeptanz? Und warum sollte ich etwas akzeptieren, das ich doch weg haben will? Das ist ein Widerspruch in sich. Aber was hilft dann?

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

Ich bin nicht meine Gefühle und muss auch nicht gegen sie kämpfen

Emotionen weg zu zaubern wird niemals funktionieren. Besonders nicht, solange man glaubt und fühlt: Ich bin ängstlich. Ich bin wütend. Ich bin depressiv. Wir empfinden, dass wir unsere Gefühle SIND. Aber in Wirklichkeit HABEN wir Gefühle. Sie sind ein Echo unserer Gedanken im Körper.

In Wirklichkeit ist jedes Gefühl also schon längst akzeptiert. Es ist schon da und wir sind nur diejenigen, die zusehen, zuhören. Das eigentliche Leid und die Panik kommen aus dem Kampf gegen die Gefühle. 

Gefühle sind da, um GEFÜHLT zu werden – nicht, um über sie nachzudenken

Der erste Schritt ist, nicht mehr über Gefühle nachzudenken und damit etwas machen zu wollen. Akzeptanz ist nichts, was ich tue. Der erste Schritt ist zu sehen, dass du der Zeuge deiner Gefühle bist. Du nimmst sie wahr, du machst sie dir bewusst.

Wer bewusstlos ist, fühlt auch nichts. Dann sind die Emotionen nicht da. Aber es geht schließlich darum, wach zu sein. Schlafen ist keine Lösung. Auch, wenn viele probieren, ihre Gefühle wegzusaufen, wegzukiffen, wegzurauchen oder mit Netflix zu vertreiben.

Jeder kann bewusst sein, wach sein, und sich dabei gut fühlen. Frei sein. Dafür ist wichtig, zu erkennen, dass du jetzt schon frei bist. Du kannst aus deinen Gefühlen ein Problem machen, oder du nimmst sie einfach wahr.

 Und siehst dabei, wer du wirklich bist. Der Zuschauer, der Zeuge, nicht der ängstliche Mensch, sondern der, der die Angst wahrnimmt. 

Aber trotzdem scheinen uns unsere Emotionen fast in den Wahnsinn zu treiben. Die Wut, die Angst, die Anspannung, die Verwirrung. Ab irgendeinem Punkt hatte ich das Gefühl, es nicht mehr auszuhalten. Und das war in Wirklichkeit ein gutes Gefühl.

Denn da gab ich auf, ich öffnete mich für Lösungen, ich war bereit, alles zu tun, um mich endlich besser zu fühlen.

Ich versuchte immer verbissener, meine Empfindungen anzunehmen, das Unwetter in mir zu vertreiben, indem ich es nur lang genug aushalte. Indem ich spiritueller werde. Noch weiser. Mein Bewusstsein transformiere. Meine Gefühle transzendiere. Alles nur dumme Vorstellungen aus Büchern und Videos, die ich gesehen habe!

 Sich gegen seine Gefühle zu wehren, macht alles nur noch schlimmer. Und falsche Akzeptanz ist auch eine Art, sich zu wehren. 

Akzeptanz ist nichts, was ich tue – Akzeptanz ist das, was ich bin

Wenn ich verstehe, dass ich nicht meine Gefühle bin und auch nicht gegen meine Gefühle kämpfen kann, bekomme ich viel mehr als ein Leben frei von unangenehmen Emotionen. Ich sehe, wer ich wirklich bin. Raum für die Welt, für alle meine Eindrücke, Gedanken und – ja– auch für meine negativsten Gefühle.

Gedanken und Gefühle haben nichts mit dir zu tun

Es sind in gewisser Weise gar nicht meine Gefühle – es sind die Reaktionen des Körpers auf das, was in meinem Verstand vor sich geht. Ob ich es nun bewusst mitbekomme, oder nicht. Sie sind nicht persönlich. Sie sind nichts, was ich bewusst tue. Sie kommen ganz von selbst und gehen auch wieder von allein.

Gefühle verstehen und sich dadurch selbst besser kennenlernen

Die wirksamste Weise, mit Gefühlen umzugehen, ist für mich, sie zu verstehen. Aufzuschreiben, was ich denke. Was mir genau Angst macht an einer Situation. Was ich befürchte, was passieren wird. Und mich dann zu fragen: Stimmt das, was ich da denke? Kann ich sicher wissen, dass es so kommen wird? Kann ich sicher wissen, dass es so schlimm sein wird, wie ich es mir vorstelle?

Zu merken, dass ich nichts sicher weiß, macht jede Emotion zu einem flockigen Wölkchen, das einfach vorbei schwebt. Zu glauben, ich wüsste, wie schlimm alles ist, macht aus dem flockigen Wölkchen eine düstere Gewitterwolke.

Wir versuchen dann nicht mehr, Gefühle zu akzeptieren und dadurch vor ihnen wegzulaufen. Wir schauen genau hin. Wir werden vom ängstlichen Lamm zum Löwen, der sich seinem größten und zugleich einzigen Feind stellt: Unseren Zweifeln an uns und der Angst vor der Angst.

Wir werden dadurch emotional intelligent. Wir verstehen, was in uns abläuft. Und wir können es mehr und mehr genießen; sowohl die Tage mit strahlendem Sonnenschein, als auch die mit Sturm, Wind und Gewitter. Weil das das Leben ist.

Wie sagte es die HipHop-Band Blumentopf in einem ihrer Lieder: Da, wo nur die Sonne scheint, ist meistens Wüste. Es gibt für mich etwas Großartigeres, als immer gute Laune zu haben: Frieden. Nicht bekommen, was ich denke zu wollen, sondern wollen, was ich bekomme. Das ist für mich wahres Glück.

Mehr zum Thema: Was hilft gegen Nervosität und Angst? Einsicht, Verständnis und Selbstliebe und: Warum deine Angst keine Störung ist – sondern ein Schritt in der Heilung

Foto: https://pixabay.com/de/hintergrundbild-blumenwiese-rustikal-3256919/

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