Warum deine Angst keine Störung ist – sondern ein Schritt in der Heilung

Ich möchte heute eine Lanze für alle chronischen Angsthasen brechen – und das Wort Angststörung zu einem Tabu-Wort erklären. Ja, Angst kann furchtbar sein. Aber Angst ist nicht das Problem! Sondern die Folge ängstlicher Gedanken. Wer von sich denkt, er hätte eine Störung, wird sich niemals gesund fühlen.

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

Du wendest vielleicht ein: Angst soll eine Folge ängstlicher Gedanken sein? Aber die Situation selbst macht mir doch Angst, oder nicht? Wenn vor mir ein 40 Kilo schwerer, knurrender Hund steht, macht mir doch dieser Hund Angst, nicht meine Gedanken! 

Meine Gedanken über eine Situation machen den Unterschied

Nicht jeder Mensch hat in denselben Situationen Angst. Panik bekommst du erst, wenn du denkst, dieser Hund wird mich jetzt beißen und schwer verletzen. Vorsichtig stehen bleiben und das instinktiv Richtige tun hat nichts mit Angst zu tun. Und nichts mit denken. Dafür braucht man nicht nachdenken. Angst kommt erst, wenn der Denkapparat beginnt, sich zu drehen.

 

Wenn überhaupt, müsste man also von einer Denkstörung sprechen, anstatt von Angststörung. Das Wort Störung tut aber so, als wäre da jemand gestört; ernsthaft krank. Dabei leidet jeder Angsthase unter denselben Dingen wie alle anderen.

Warum deine Angststörung keine Störung ist

Du bist nicht gestört. Du bist nicht krank. Du unterliegst dem selben Irrtum wie die meisten anderen Menschen. Du glaubst jeden Gedanken, der durch dein kleines, schönes Köpfchen wandert. Und wenn du scheinbar mehr Angst als dein Nachbar hast, dann weil der Inhalt deiner Gedanken nur etwas anders ist.

Beispiele:

  • Er schreit vielleicht die Kassiererin im Supermarkt an, weil sie seinen Pfand falsch verrechnet hat.
  • Du machst dir vielleicht Sorgen, dass die Kassiererin dich für einen unmöglichen Mensch halten wird, wenn du sie auf ihren Fehler ansprichst.
  • Er knallt nachts die Türen und schreit so laut, dass das ganze Haus senkrecht im Bett sitzt.
  • Du hast Angst, dass jemand bei dir einbrechen könnte oder Feuer ausbricht und kontrollierst fünf mal, ob in der Wohnung alles sicher ist.

Warum mir dieselben Gedanken heute keine Angst mehr machen

Angst oder Wut, Trauer oder Verwirrung: Der Unterschied liegt in dem, was ein Mensch denkt und glaubt. Ich zum Beispiel hatte über ein Jahrzehnt lang Angst vor Vergiftungen. Wenn ich mir heute etwas koche, erwische ich meine Gedanken immer noch manchmal dabei, wie sie leise vor sich hin flüstern: Achtung, Gefahr! Da könnte was drin sein! Aber es bringt mich kaum noch aus der Ruhe.

Warum ich heute keine Panik mehr bekomme? Der Unterschied zu früher ist, dass ich diese Gedanken heute einfach nicht mehr glaube (und wenn ich merke, dass ich sie glaube und die Angst in mir hochkommt, überprüfe ich meine Gedanken sofort auf Wahrheit).

So fließen sie einfach durch mich durch, ich höre sie wie kleine Kinder, die voller Phantasie Geschichten erzählen. Wie Vögel, die auf dem Baum gegenüber meines Küchenfensters singen.

Angst ist ein Weckruf, der mir sagt: Achtung! Du glaubst da etwas, das dich zutiefst erschreckt. Deswegen kann sich die Angst als wertvoller Freund entpuppen.

Früher habe ich versucht, mich gegen meine Gedanken zu wehren…

… heute nehme ich sie als das wahr, was sie sind: Gedanken. Ich nenne sie manchmal liebevoll Gehirnfurz. Vor einer Panik-Attacke machte ich mir oft über eine Stunde lang Sorgen und stellte mir vor, was alles Schlimmes passieren könnte.

Und ich sah mir dabei zu und dachte mir immer wieder: Das stimmt doch nicht, was du da denkst. Denk an was anderes! Ich will keine Angst haben, ich will nicht schon wieder eine Panikattacke bekommen! Aber ich war gleichzeitig so überzeugt von meinen Zwangsvorstellungen, dass die Angst fast immer die Oberhand gewann. Ich fand Beispiele, warum meine Angst gerechtfertigt war und sah die Wirklichkeit nur noch eingefärbt in diese grauen Schleier in meinem Hirn.

Sich gegen seine Gedanken zu wehren, macht die Angst nur größer. Denn dann kommt der Gedanke dazu, dass mit mir (und meinen Gedanken) etwas nicht stimmt – und das macht die Anspannung nur noch größer, die Panik noch stärker.

Wie schon geschrieben: Besser wurde es erst, als ich anfing, meine Gedanken bewusst in Frage zu stellen mit der Technik The Work.

Mein Fazit: Ich war und bin nicht gestört. Niemand mit Angst ist gestört, im Sinne von krank. Angst ist ein Phantom, das sofort verschwindet, wenn sich das Denken ändert.

Angst ist eine Kraft, die dich zu einem zehnmal schöneren Leben führen kann

Angst hat mich vielleicht davon abgehalten, mein Leben uneingeschränkt zu leben. Aber von einer Störung zu sprechen, jagt mir noch jetzt Gänsehaut auf den Rücken. Wie viel Selbsthass steckt in diesem Wort? Und wie problematisch klingt das: Angststörung! Wie etwas, das man kaum losbekommt, das nur höchstkompliziert eingedämmt, geschweige denn geheilt werden kann.

Dabei ist das Problem nicht kompliziert. Kompliziert ist es nur, wenn ich weiter wie besessen darüber nachdenke: Warum bin ich so? Was stimmt nicht mit mir? Wie kann ich diese Angst nur loswerden? Werde ich jemals wieder glücklich sein können? 

Mehr dazu: Was hilft gegen Nervosität und Angst? Einsicht, Verständnis und Selbstliebe

Und: Hinter deiner größten Angst verstecken sich Stärke, Liebe und Chancen

 

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