Ich war froh, wenn ich den Müll rausbringen durfte. Dann fühlte ich mich zu etwas nutze. Aufgeräumt. Das Leben hatte wieder einen Sinn: Müll rausbringen. Bis ich von der Tonne zurückkommen würde, sollte alles okay sein. Danach ging das Gefühl dieser inneren Leere wieder los.

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

Das war meine Lebensrealität vor zwei Jahren. Ich war süchtig danach, etwas zu tun. Ich litt in extremer Form an einer weltweiten Volkskrankheit: Zwanghafter Beschäftigung, Langeweile, Ablenkung von unangenehmen Gefühlen, und damit vom Leben.

Denn unsere Gefühle wollen uns etwas Wahres zeigen, um das wir uns kümmern können. Sie wollen uns nicht quälen. Indem wir aber dauernd vor ihnen weglaufen, begeben wir uns (manchmal für immer) in ein Hamsterrad aus Aktivitäten, Karriere, Planungen, Netflix, Musik und Nachgrübeln.

Was sich bei mir verändert hat und wie das das Leben besser macht

Ich hatte jahrelang nichts anderes gemacht, als zu arbeiten. Weil ich es nicht ertrug, mit mir allein zu sein, ohne mich von mir abzulenken. Von meinen Gefühlen und Gedanken. Ich hielt es nicht aus, nicht beschäftigt zu sein. 

Auch, weil ich verzweifelt einen Sinn suchte und dachte, ihn gefunden zu haben. In einem Ziel. In der Zukunft.

Deswegen ging es mir auch oft am schlechtesten, wenn ich erschöpft aufhörte, vom Rechner aufstand und Feierabend machte. Ich fiel jeden Mittag und jeden Abend in ein tiefes Loch. Ein Loch aus Desorientierung, Unwohlsein, Angst. 

Ich war erschöpft. Ich stellte mir die Zukunft vor und sah mich nicht arbeiten, schließlich war ich fix und fertig. Dabei sah ich mich inmitten von NICHTS, einen traurigen, ziellosen Jungen, der sich allein und fremd fühlte in einer Welt, die er nur noch unter dem einen Aspekt sah: Arbeiten. Tun. Machen. Machen, machen, machen!

Er fühlte sich verloren und gleichzeitig eingesperrt.

Seine Schaffenslust war zu Schaffenssucht und Schaffensfrust geworden. Er spürte sich scheinbar nur noch, wenn er Aufgaben erledigte. Er konnte sich nur noch freuen, wenn Aufgaben erledigt wurden und Geld aufs Konto kam.

Die Sucht nach mehr ist schuld an der endlosen Langeweile

Es musste immer mehr und mehr werden. Er sah sich selbst nur noch wie eine menschliche Maschine, die durch die Landschaft gesteuert werden und hin und wieder mit Nahrung versorgt werden musste. 

Kein Wunder, dass so jemand nichts mehr mit sich anzufangen weiß.

 Aber auch die Frage „Was soll ich mit mir anfangen?“ war Teil des Problems. Denn keiner, der glücklich ist und sein Leben genießt, muss sich fragen: Was stelle ich bloß an mit mir?  

War das Liebe? War ich liebevoll zu mir selbst? Nein. Nein! Hatte ich noch einen echten Blick fürs Leben? Nein.

Burnout als Heilung von der Schaffenssucht

Meine Ausgebranntheit brachte mich genau dorthin: Zusammenzuklappen, wenn ich etwas lieblos mache. Wenn ich mein wertvolles Leben wie auf dem Fließband an meinen Augen vorbei manövriere. Ich bekomme noch jetzt brennende Augen und mein Körper wird schwer, wenn ich mich zu etwas zwinge, das ich nicht liebe. Wenn ich etwas nicht mit Geduld und mit Gefühl mache.

Die Folge:

  • Ich tue mehr Dinge, die ich liebe
  • Ich suche in den Dingen aktiv nach den Sachen, die ich daran mag
  • Ich beschäftige mich nicht mehr zwanghaft. Ich schlafe manchmal sogar einfach ein (natürlich lege ich mich dafür zuerst hin!)

Wer das Jetzt schätzt, erschafft eine geile Zukunft

Ich dachte, ich würde mein Leben lieben, wenn ich es erst einmal geschafft hatte. Ich verschob die Zufriedenheit auf über-über-übermorgen. Und machte mir ohne es zu merken das Leben zur Hölle. Und ich musste immer etwas tun, denn ich identifizierte mich mit dieser Schaffenswut, diesem Wahn, etwas zu tun. Das Jetzt war logischerweise nie gut genug, denn die glorreiche Zukunft war ja noch nicht da (und würde es nie sein, weil sie eine reine Vorstellung war).

Heute:

  • Ich mache mehr, was sich JETZT gut anfühlt, auch wenn ich weiterhin plane und Ziele habe.
  • Ich suche meine Identität nicht mehr in Zielen. Ich vergesse, was ich denke zu sein oder sein zu sollen, sondern achte mehr darauf, wer ich wirklich bin.
  • Denn wer ich bin, ist eine Erfahrung, kein Gedanke.
  • Ich leide immer seltener unter der Wahnvorstellung, dass ich weiß, was passieren wird. Ob in fünf Minuten oder fünf Tagen. Dadurch werde ich wieder neugierig und mehr unvoreingenommen.

 Ich muss also auch nicht mehr wissen, was ich mit mir anfangen soll. Denn JETZT weiß ich es ja schon: Ich stehe, sitze oder liege. Ich tue schon längst, was ich tun sollte. Nur was ich als nächstes mache, keine Ahnung! Und ich muss auch keine Ahnung haben, weil sich mein nächster Schritt ganz von selbst einstellt. So wie jetzt. Jetzt. Und wieder jetzt.  

Zwei Ideen, was du sofort tun kannst
  • Richte deine Aufmerksamkeit wieder auf die Gegenwart und weg von der Zukunft. Wo bist du gerade? Was tust du gerade? Das ist das, was du jetzt gerade tun sollst, nicht mehr, nicht weniger.
  • Schreib eine Liste, was du dir vom Leben in dieser Situation erwartest. Mein Leben sollte… Was ist es bei dir? …“Mehr Spaß machen?“ „Mehr Sinn haben?“ Mit diesen Punkten kannst du dann eine „Work“ machen, und diese Gedanken auf Wahrheit überprüfen. Also zum Beispiel: „Mein Leben sollte mehr Spaß machen (wichtig: Stelle dir dich dabei in einer konkreten Situation vor und beantworte in dieser Situation die Fragen. Schließe deine Augen, wenn du dich damit besser konzentrieren kannst).

Dann stelle dir die Fragen: Ist das wahr? Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Wie reagiere ich auf den Gedanken? Und: Wer wäre ich ohne den Gedanken? Schreib deine Antworten unbedingt auf. Und stelle dir dich dabei in einer konkreten Situation vor, also zum Beispiel: Gestern, zuhause auf der Couch. Wie reagiere ich da, wenn ich denke, „Das leben sollte mehr Spaß machen?“. Und wer wäre ich auf der Couch, wenn ich diesen Gedanken nicht hätte?

Dann merke ich meistens, dass mein Denken große Macht darüber hat, wie es mir geht. Und dass es auch ein Leben ohne diese belastenden Gedanken gibt.

Wie du The Work machst, zeige ich dir hier.

Oft glauben wir ungeprüft Dinge, die gar nicht stimmen, aber die wir irgendwann von der Umwelt übernommen haben. Und die sorgen dann unter anderem für die chronische Langeweile. Diese Gedanken sorgen aber auch für die Gefühle, von denen wir uns mit unserer „Dauertätigkeit“ ablenken wollen.

Mehr zum Thema: Warum ich keine Ziele brauche, um erfolgreich und glücklich zu leben und: Wie du Begeisterung lernst und Dinge voller positiver Überzeugung tust

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