Respekt ist nichts, was ich von jemandem brauche. Ich kann es sogar lieben, dass mich jemand nicht respektiert. Was er oder sie über mich denkt, ist schließlich keine echte Aussage über mich. Sondern einfach Gedanken. Gedankenblitze, an denen wir uns festhalten. Urteile. Sichtweisen.

Gidon Wagner

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Hi, ich bin Gidon – Journalist und Buchautor. Ich beschäftige mich nun seit über 10 Jahren damit, was Menschen glücklich macht.

 

Respekt brauche ich, wenn ich noch nicht zu mir selbst stehe

Respekt ist totale Akzeptanz des anderen. Und auch mir selbst gegenüber. Solange ich mich nicht respektiert fühle, bin ich unsicher. Unsicher, ob mit mir alles richtig ist. Und hier liegt das einzige Problem.

Ich kann mich vor den unbewussten Handlungen anderer schützen. Kein Schutz ist aber nötig beim Gefühl, nicht den nötigen Respekt zu bekommen.

Die höchste Form des Respekts ist, jemanden einfach da sein zu lassen – sich selbst eingeschlossen. Wer hinter sich steht, braucht das nicht von anderen.

„Er (Sie) akzeptiert meine Grenzen nicht“

Mit dem meisten, was der Partner oder andere Mitmenschen im Alltag so tun, kann man irgendwie umgehen. Schwer wird es aber mit dem Gefühl, dass er oder sie mich nicht akzeptiert.

Meine Wünsche! Meine Grenzen! Das, was mir etwas bedeutet.

Erleichterung macht sich breit, wenn ich entdecke, was genau mich am respektlosen Verhalten des anderen genau stört.

So oft sehe ich mich bedroht. Mich und meinen Stand im Leben. Meine Identität. Wenn ich mich jetzt gegen diese unverschämte Attacke nicht wehre, verliere ich mein Gesicht. Dann stehe ich als Verlierer da, dumm, und ziehe den Kürzeren. 

Dabei hat dieses Gefühl nach meiner Erfahrung mehr mit mir als dem anderen zu tun. Ob sein Verhalten wirklich respektlos ist, bleibt eine Wertung in meinem Kopf.

„Sie respektiert meine Gefühle nicht“ – kleine Irrtümer mit großer Wirkung

Wir haben eine Abmachung: Nach 23 Uhr komme ich nicht mehr in Isis Zimmer. Dann schlafe ich bei mir, damit Isi nicht wach wird. Letztens stand ich um 23:01 in meinem Zimmer und entdeckte, dass Isi mein Bettzeug zu mir rüber geräumt hatte. Es lag alles auf einem Haufen, samt der vielen Kissen, die ich zum Schlafen brauche. Bei diesem Anblick rüttelte es an mir, und dabei schossen mir Gedanken durch den Kopf wie:

  • „Sie setzt mich einfach rüber“
  • „Sie macht mit mir, was sie will“
  • „Sie ist unverschämt und unfreundlich“

Aber war es wirklich ihre Aktion, die mich verletzte? Trat sie mich wirklich mit Füßen? Vielleicht war sie ja in aller Ruhe mit meinem Bettzeug rüber gekommen und hatte es liebevoll auf mein Bett gelegt. Ohne wütend auf mich zu sein, weil ich noch um kurz vor 11 vorm Fernseher saß. Ohne es respektlos zu meinen, sondern einfach, um für sich selbst und den eigenen Schlaf gut zu sorgen. Hmmmm…

Wie ich mich fühle, bestimmt, wie ich das Verhalten anderer empfinde

Der ganze Film, der in mir ablief, wie es Isi gemeint haben könnte und was das über mich aussagt – dass ich hier den Kürzeren ziehe und mich verteidigen muss – war mein Film. Er hatte nichts mit der Realität zu tun. Ich weiß bis heute nicht genau, wie sie es gemeint hat. Aber was ich sicher weiß: Meine Kränkung kam aus dem, was ich mir vorgestellt habe und was ich über Isi dachte.

Um das zu sehen, musste ich aber in mich gehen und mich fragen: Isi respektiert mich nicht – kann ich absolut sicher sein, dass das wahr ist? Um am Ende meiner Meditation zu sehen: Ich respektiere mich selbst nicht. Ich habe ein schlechtes Gewissen, schon wieder nicht vor 11 zum Kuscheln gekommen zu sein, ich stehe überhaupt nicht zu mir und meinem kleinen Fernsehabend. Dass ich mir Zeit für mich genommen habe.

Ich respektiere mich nicht!

Nicht respektiert fühle ich mich vor allem im Schatten meiner eigenen Unsicherheit. Ich wünsche mir so sehr die Bestätigung des anderen. Dass er mich wahr- und Rücksicht auf mich nimmt. Tut er es vermeintlich nicht, fühle ich mich schrecklich und will zum Gegenangriff ausholen. Dabei fühle ich mich elend, unsicher.

 Die Natur kennt keine Probleme. Natürlich „ich“ sein ist das Gegenteil von Kampf um Respekt.  

Aber es gibt einen Weg raus aus dem Gefühl, dass mich jemand demütigt, überfordert, nichts Gutes an mir lässt: Klarheit darüber, was mich wirklich so aus der Fassung bringt. Kann etwas, das jemand tut oder sagt, wirklich so verletzen, so enttäuschen?

Oder war davor schon eine uralte Kränkung, ein Gefühl der Minderwertigkeit oder Unzulänglichkeit in mir, das durch sein Verhalten nur aufgeweckt wird?

Einfach sein, natürlich sein ist immer leicht. Probleme kommen nur aus unseren Versuchen, unsere ausgedachte, eingebildete Identität zu schützen. Auch bekannt als: Ego.

Die größte Erleichterung

Die Natur kennt keine Probleme. Sie passiert einfach. Unser Leben passiert auch einfach, außer, wir verlieren uns in Grübelei. Aber diese Grübelei lernen wir schon als Kind und werden Sie ohne etwas Anstrengung nicht mehr los.

Wir können uns mit anderen und uns selbst in endlosen Konflikten verstricken. Durch das, was wir denken!

 Aber wie viel sagt ein Gedanke über etwas oder jemanden aus? Die Sonne geht auf und ich denke: Wie schön! Ich mähe den Rasen bei 30 Grad und denke: Scheiß Sonne. Was denn nun? Scheiße oder schön?  

Gedanken, Gefühle und Urteile sind wie Wolken: Sie sind genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Und auch, wenn wir manchmal nur Wolken sehen, sagen sie nichts über den Himmel aus. Er bleibt immer unberührt und tief, unendlich tief und weit.

Jeder Gedanke ist eine Geschichte über mich, andere oder die Welt. Wenn jemand anders mich nicht respektiert oder mich mit seinem Verhalten verletzt, vergesse ich, dass ich wie der Himmel bin. Dem die Wolken nichts anhaben können. Egal, wie düster und stürmisch sie sind. Egal, ob es blitzt und donnert.

Spiritueller Hirnsalat? Finde ich nicht:

Mit Himmel meine ich einfach das Bewusstsein. Das, was ich bin. Es ist das, was mich ausmacht. Und dich. Bewusstsein ist das, was uns ausmacht. Es hat keine bestimmte Form, wie der Himmel eben. Und alles, was durch das Bewusstsein fließt – Eindrücke, Gefühle, Gedanken – das sind die Wolken.

Du bist wie der Himmel – immer da! Gedanken und Gefühle sind wie Wolken – sie ziehen vorüber, verändern sich, und regen unsere Phantasie an.

 Deswegen kann ich vermeintliche Respektlosigkeiten lieben – weil sie so ungefährlich für das sind, was ich wirklich bin 

Meine Gedanken über mich spüre ich dabei, nicht die Gedanken anderer Menschen. Wie geschrieben, erinnert mich die Attacke nur einfach daran, wie ich mich fühle und was ich über mich selbst denke.

Er (Sie) respektiert mich nicht – meine Wünsche, meine Gefühle, meine Grenzen: Ich empfehle mir und uns allen, da noch einmal hinzuschauen. Wer respektiert hier wessen Grenzen nicht? Die anderen, oder wir selbst, bei den unendlich vielen verzweifelten Versuchen, anderen zu gefallen, ihre Liebe und Anerkennung zu gewinnen?

Wer hat gesagt, dass wir die Anerkennung anderer brauchen? Unsere Erfahrung als Kinder. Aber wir sind keine Kinder mehr. 

Deswegen machen Buch-Titel wie „Das Kind in Dir muss Heimat finden“ so viel Sinn für uns (ich habe das Buch nicht gelesen, aber ein Freund hat es mir empfohlen).

Ich stehe also wieder in meinem Zimmer und schaue auf den Wäscheberg auf meinem Bett. Aber jetzt steht da ein Mensch, der einfach Dankbarkeit für sein Leben empfindet. Er sieht, was er hat und was er will.

Wenn es mir wichtig ist, kann ich den anderen drauf ansprechen, was ich gerne zukünftig anders haben möchte. Aber ich kämpfe nicht mehr um sein Ja, das hast du gut gemacht. Braver Junge. Braves Mädchen. Du bist liebenswert. Du bist gut.

Sich gegenseitig sein lassen ist einfacher, als ich denke.

Dafür muss ich mein altes Bild von mir aber in Frage stellen. Ich sehe, dass Ich eine Idee ist. Wer ich bin, ist meine Geschichte von mir selbst.

Ich erzähle sie mir und anderen jeden Tag. Leichtigkeit stellt sich ein, wenn ich aber einfach schaue und wahrnehme, ohne mir diese Geschichte zu erzählen: Gidon ist… Gidon hat… Gidon will… Wenn ich einfach passiere, einfach da bin, wie die Natur. Dann empfinde ich großen Respekt. Allem gegenüber. Es ist viel besser, diesen Respekt zu fühlen, als ihn irgendwo da draußen zu suchen.

Großen Dank für die Fotos:

https://pixabay.com/de/m%C3%A4dchen-blondine-sitzen-lakeside-984065/

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https://pixabay.com/de/wolken-himmel-h%C3%B6he-wetter-blau-984175/

Mehr zum Thema: Wie du das Gefühl los wirst, dass dich niemand mag  und Hör auf, an dir zu arbeiten – sondern fang an, dich zu lieben

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