Eine Leserin hat mir ihr Problem geschildert: Ich komme innerlich nicht zur Ruhe! Morgens steht Kerstin (Name geändert) auf und dreht sofort ein paar Runden auf dem Crosstrainer. Dann muss sie so schnell wie möglich raus und in Bewegung bleiben. Noch Abends zieht sie draußen ihre Bahnen, während die anderen schon auf dem Sofa sitzen und es sich gemütlich machen. Was kann diese innere Unruhe stoppen? Mir ging es ähnlich. Und die innere Unruhe war für etwas gut: Sie brachte mich zur Quelle des Unwohlseins und half mir, mich langsam in Richtung Erfüllung zu bewegen. Jeder kann herausfinden: Was macht mich unruhig? Was macht mich unglücklich? Und was hilft? 

Das habe ich Kerstin heute Abend geantwortet:

Hallo Kerstin,

[…]

Ich bin über ein Jahr lang gleich nach dem Aufstehen aufgesprungen, um 30 Minuten Joggen zu gehen. So groß war die Unruhe in mir. Und da war auch ein Gefühl des Grauens, direkt nach dem Aufstehen. Ich hatte das Gefühl, wenn ich nicht losrenne, dann würde ich in ein noch tieferes Loch fallen. Ich bin für einige Monat zwei mal am Tag Joggen gegangen. Während des Sports kam ich zur Ruhe, meine Gedanken kamen zur Ruhe. Bei diesen zwei Runden fühlte ich mich wieder lebendig, den Rest des Tages stand ich unter Strom und war gleichzeitig unendlich müde.

Ich hatte das Gefühl, vor meinem alten Leben davonzulaufen, mich da rauszuretten. In meinem alten Leben war ich Jahre lang gefangen gewesen, gefangen in meinen Gedanken darüber, was ich erreichen musste, was ich werden musste. Ich war einen andauernden Marathon gelaufen. Daher kam die ganze Unruhe.

 Ich arbeitete wie ein Besessener, rannte nur noch meinem Ziel hinterher. Und als das alles nicht aufzugehen schien, holte mich das Leben ein. Und schlug mit voller Wucht zu. 

Ich konnte nichts mehr tun, was ich bisher gemacht hatte. Konnte nicht mehr schreiben, nicht mehr am Schreibtisch sitzen, mich nicht mehr mit Kunden treffen und mich nicht mehr in Ruhe unterhalten. Konnte mich nicht mehr mit Freunden treffen. Ich war ein Nervenbündel, kam nur noch in ausgedehnten Spaziergängen oder beim Sport zur Ruhe.

Der Sport hat mir geholfen. Was aber wirklich wieder Ruhe in mein Leben brachte, war die Arbeit mit meinen Gedanken, mit meinen Überzeugungen. Da musste ich Ordnung reinbringen, daher kam die ununterbrochene Unruhe und Rastlosigkeit. Und ich bin noch nicht fertig.

Mir geht es heute meistens gut. Aber bin ich glücklich?

Ich habe mir angewöhnt, zu lächeln. Das ist eine gute Übung, weil es positiv auf Geist und Körper wirkt. Aber Glück ist das nicht. Ich bin noch immer dabei, das in mir zu finden, was mich unglücklich macht. Es zu hinterfragen und damit aufzulösen.

Die Unruhe bringt uns zum Rennen. Zum stundenlang Spazierengehen. Und das ist okay, es tut gut. Aber die Quelle der Unruhe finde ich nur, wenn ich stehenbleibe und in mich rein horche. Was tobt da noch in mir, was ich noch nicht geklärt habe? Vielleicht seit meiner Kindheit…

Ich habe auch eine bestimmte Vorgehensweise, mit der ich mir helfe: The Work von der Autorin Byron Katie

[…]

Mehr Selbstbewusstsein hat mich gerettet – hier spreche ich über meine Erfahrungen und wie dir das helfen kann

Bild: Pixabay

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